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Düsseldorf
54 Silvester-Übergriffe - Polizei richtet Soko ein

Düsseldorfs Polizeipräsident zur Silvesternacht
Düsseldorf. Eine mehrköpfige Ermittlungskommission ist bei der Düsseldorfer Polizei mit der Klärung der sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht beschäftigt. Inzwischen sind 54 solcher Taten angezeigt worden, sagte Polizeisprecherin Susanna Heusgen.

Dabei gehe es um massive Attacken, nicht aber um Vergewaltigungen, wie sie aus Köln gemeldet wurden.Die Diskussion um die Massenübergriffe in Köln habe offensichtlich das Anzeigeverhalten der Frauen geändert, sagte Heusgen. Auch am zurückliegenden Wochenende seien drei Fälle angezeigt worden. die womöglich sonst von Frauen als lästige Zudringlichkeit abgetan worden seien.

Übersicht: Hier gibt es Videoüberwachung in Düsseldorf FOTO: Bußkamp, Thomas

Die Ermittlungskommission beschäftigt sich auch mit einem Angriff auf einen jungen Mann. Der war mit Freunden, darunter seinem Lebensgefährten, am Burgplatz gewesen und hatte seinen Partner nach dem Jahreswechsel geküsst. Daraufhin sei er hinterrücks von einem Mann niedergeschlagen worden, der dabei mit starkem Akzent schwulenfeindliche Beschimpfungen rief. Der 27-jährige Stuttgarter wurde schwer verletzt, musste in der Uni-Klinik operiert werden.

Unterdessen hat sich am Montag auch der Flüchtlingsrat Düsseldorf zu Wort gemeldet und davor gewarnt, nach den Ereignissen der Silvesternacht Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen. "Straftaten werden nach rechtsstaatlichen Regeln verfolgt und bestraft, ohne Ansehen von Herkunft, Hautfarbe und Religion", erklärte der Vorstand des Vereins und appellierte an die Stadt, das Agieren selbst ernannter Bürgerwehren insbesondere an Flüchtlingsheimen und gegenüber Flüchtlingen "unbedingt zu unterbinden".

Raub, Betrug, Diebstahl: Kriminalität in der Altstadt FOTO: Christoph Göttert

Der Flüchtlingsrat reagierte damit auf die gewalttätigen Angriffe auf Ausländer am Vorabend in Köln, aber auch auf eine umstrittene Gruppierung, die sich bei Facebook dazu verabredet hat, an Wochenenden in der Altstadt "aufzupassen". Die Polizei hat nach eigenen Angaben auch die Mitglieder dieser Gruppe in der Altstadt "im Blick".

(sg)
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