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Großauftrag geplatzt
60 Ex-LTU-Leute bald ohne Job

Düsseldorf. Die Geschäftsführung der Telbizz (früher LTUplus) hat ihren 60 Mitarbeitern jetzt mitgeteilt, dass ihre Gehälter bis Mai sicher sind. Danach wird die Firma geschlossen. Grund: Großauftrag fällt weg. Insolvenzverwalter beauftragt. Von Hans Onkelbach

Für die frühere LTUplus, die sich in Telbizz umbenannt hatte, gibt es keine Zukunft mehr. Spätestens im Juni wird die Firma geschlossen, für 60 Mitarbeiter bedeutet die Schließung, dass sie ihren Job verlieren. Viele von ihnen sind seit Jahren, einige seit Jahrzehnten, beim Unternehmen und waren früher bei der LTU-Gruppe angestellt. Für alle ist das Ende des Unternehmens bitter, sagte gestern Andrea Rommerskirchen vom Betriebsrat der Telbizz.

Geschäftsführer Werner Toennessen hat den Frauen und Männern jetzt in einer Mitteilung zugesagt, ihre Gehälter seien auf jeden Fall bis Mai gesichert. Das schien zuletzt nicht klar: Es gab Gerüchte, dass bereits nach dem März-Gehalt Schluss sei. Dem widersprach der Geschäftsführer und kündigte an, weitere Infos demnächst in einer Betriebsversammlung zu liefern.

Ein Insolvenzverwalter hat inzwischen mit seiner Arbeit begonnen. Dass es ihm gelingen könnte, Telbizz zu retten, gilt als unwahrscheinlich: Es fehlt an großen Aufträgen. Unter anderem arbeitet das Unternehmen als Callcenter auch für den Flughafen, aber dieses Volumen reicht nicht aus.

Das Ende zeichnet sich ab, Telbizz macht angeblich seit langem Verluste. Als dann auch noch Großkunde Air Berlin eine Vergrößerung seines Auftragsvolumens ankündigte und dafür entsprechende Vorgaben machte, war Schluss: Air Berlin wollte nach Angaben von Toennessen ein Vielfaches der bisherigen Leistung. Und das habe die mit Callcenter-Aufgaben arbeitende Telbizz nicht leisten können.

Toennessen deutete auch an, die Mitarbeiter wären nicht bereit gewesen, "auf neue Arbeitsbedingungen" einzugehen. Dem widersprach gestern der Betriebsrat: Die Belegschaft hätte sehr wohl signalisiert, auf Teile des Gehalts, des Urlaubs und des Weihnachtsgeldes zu verzichten, aber das habe wohl nicht gereicht.

Telbizz war seinerzeit mit dem Verkauf der LTU an Air Berlin gefallen, dann aber verkauft worden. Gesellschafter ist heute noch der frühere LTU-Chef Jürgen Marbach und Peter Oncken (Intro Aviation GmbH). Marbach bestätigte gestern die Insolvenz der Telbizz, dementierte aber den Vorwurf des Betriebsrates, er und der andere Gesellschafter hätten noch in 2009 eine Million Euro Kapital aus der Firma entnommen.

Es seien seinerzeit zu Air-Berlin-Zeiten lediglich 500 000 Euro entnommen worden, bestätigte gestern Toennessen. Die Muttergesellschaft habe keinen Sinn darin gesehen, ein Service-Unternehmen mit so viel Kapital ausgestattet zu sehen. Mit den verbliebenen 500 000 Euro hätte man die Zahlungsfähigkeit bis heute sicherstellen können.

Quelle: RP
 
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