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Düsseldorf
 Sicherheitsdienst schützt Heim

Düsseldorf. Um Mitarbeiter vor gewaltbereiten Jungen zu schützen, musste das Agnesheim 2009 einen Security-Service einstellen. Jetzt soll die Inobhutnahme von Jungen verändert werden. Die Mädchen sind schon ausgezogen. Von Gökçen Stenzel

Im Agnesheim an der Ulmenstraße ging es im vergangenen Jahr hoch her: Bis zu 20 Jungen lebten in dem Haus in Obhut, obwohl es nur zwölf Plätze für sie gibt. Minderjährige Flüchtlinge waren darunter und Düsseldorfer Intensivtäter, die zu Hause herausgeflogen waren. Jungen, die Schutz und Hilfe brauchten, neben Bandenbossen, die hier neue Mitglieder für ihre Gangs rekrutierten, auf engstem Raum: eine explosive Mischung.

So explosiv, dass sich die zwei Betreuer, die immer im Agnesheim Dienst haben, nicht mehr wohl fühlten. Schlägereien wurden zunehmend gefährlich, Waffen tauchten auf, die Polizei war regelmäßiger Gast. "Wir hatten über Monate hinweg einen Sicherheitsdienst für unsere Mitarbeiter engagiert", sagt Werner Schnittker, Geschäftsführer des Sozialdiensts Katholischer Frauen und Männer (SKFM).

Kosten steigen auf 1,5 Millionen

Der SKFM hat das Agnesheim seit 1997 als ein Haus betrieben, in dem Mädchen und Jungen in Obhut genommen wurden. Die Mädchen sind bereits ins Kinderhilfezentrum Dorotheenstraße der Stadt umgezogen. Auch die Jungen sollen ausziehen, sobald die Stadt eine andere Bleibe gefunden hat: Die Betreuung geht dann ans Jugendamt über, der SKFM zieht sich aus der Inobhutnahme zurück.

"Das Problem", sagt Peter Sonntag, der das Agnesheim zehn Jahre lang geleitet hat, "ist, dass es keinen Ort gibt, an den die Jungs weitervermittelt werden können." Je länger sie im Heim blieben, desto eher bildeten sich aber Gangs, die sich durch eine hohe Gewalttätigkeit auszeichneten. Regeln beachten? Fehlanzeige!

Sonntag: "Oft kommen die Jugendlichen aus Krisen zu uns. Sie brauchen schnelle Vermittlung und nicht viele Wochen im Agnesheim. Was diese Jungs brauchen, ist ein Mittelding zwischen Jugendhilfe und Psychiatrie." Erfolgversprechend sei eine Eins-zu-Eins-Betreuung. Gisela Bakker, beim SKFM Leiterin des Bereichs Erzieherische Hilfen, schlägt eine differenzierte Inobhutnahme vor: Verunsicherte Jungen, die Schutz und Hilfe bräuchten, dürften nicht mit den gewalttätigen Intensivtätern unter einem Dach untergebracht sein. "Zu unterschiedlich sind deren Probleme."

Die Veränderungen, die das Jugendamt jetzt durchziehen will, hätte der SKFM gerne schon vor Jahren gesehen. Aus den neun Betreuer-Stellen, die es bisher gab, sollen 28 werden; ein Teil des SKFM-Personals wird von der Stadt übernommen. Sobald der Stadtrat den Plänen zugestimmt hat, sollen die Stellen ausgeschrieben und ein neues Haus gesucht werden.

Schon nach ersten Plänen werden die Kosten für die Inobhutnahme auf das Doppelte des derzeitigen Budgets steigen – von 735. 000 Euro auf 1,5 Millionen Euro im nächsten Jahr. "Wir wollen zunächst den Statuts sichern und dann weitere Schritte einleiten", sagt Jugendamtleiter Johannes Horn.

Von einer Trennung der Jugendlichen ist dabei in der Tat die Rede. So soll Düsseldorf auf Sicht eine reine Übernachtungsstelle ("Sleep In") für Minderjährige vorhalten und eine intensivere Zusammenarbeit mit anderen Heimen suchen: Laut Horn geht es dabei auch um Kooperationen mit Trägern, die "strengere" bis geschlossene Häuser betreiben – zum Beispiel in Neukirchen.

Quelle: RP
 
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