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Ingo Zielonkowsky
"9000 Arbeitslose wieder in Jobs gebracht"

Düsseldorf. Der Chef des Düsseldorfer Jobcenters spricht darüber, warum trotz Rekordbeschäftigung in der reichen Stadt Düsseldorf mehr als 60.000 Menschen Sozialleistungen erhalten. In der Stadt gibt es zu wenige Jobs für Geringqualifizierte.

Herr Zielonkowsky, wie viele Menschen in Düsseldorf beziehen Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II, auch bekannt als Hartz IV?

Ingo Zielonkowsky Aktuell beziehen rund 63.000 Düsseldorfer vom Jobcenter Hartz-IV-Leistungen. Eine Quote von über 13 Prozent, also mehr als jeder achte Düsseldorfer.

Wie steht Düsseldorf im deutschlandweiten Vergleich da?

Zielonkowsky Düsseldorf hat eine höhere Anzahl an Hartz-IV-Beziehern als der Durchschnitt der Republik. Betrachtet man ganz Deutschland, dann liegt die Quote der Bezieher bei nur 9,3 Prozent.

Düsseldorf gilt republikweit als reiche Stadt mit vielen Unternehmen. Die Stadt ist sogar schuldenfrei. Wie kann es sein, dass ausgerechnet hier die Zahl der Hartz-IV-Empfänger so vom Durchschnitt nach oben abweicht?

Zielonkowsky Das ist sicherlich auch ein Großstadtphänomen. Hier ist die Bevölkerungsdichte besonders groß.

Aber Ihr Kollege Roland Schüßler, Chef der Arbeitsagentur, vermeldete erst kürzlich stolz, dass die Stadt eine Rekordbeschäftigung erlebt. Warum fällt das so krass auseinander?

Zielonkowsky Es liegt unter anderem an der Struktur der Düsseldorfer Wirtschaft. Das Angebot an Stellen, die eine vergleichsweise geringe Qualifikation bieten, ist in der Stadt gering. In Düsseldorf gibt es sehr viele Dienstleistungsunternehmen und Konzernzentralen, die vor Ort keine Produktion mehr haben. Und dort werden eben vor allem hochqualifizierte Arbeitskräfte gebraucht. Deshalb profitieren die Hartz-IV-Empfänger weniger von der Rekordbeschäftigung in Düsseldorf, als man erwarten könnte.

Welche Menschen stehen hinter der Zahl 63.000?

Zielonkowsky Das ist sehr differenziert. Darunter sind auch die minderjährigen Kinder, die Schüler oder diejenigen, die wegen Kindererziehung aktuell dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen. 20.000 Düsseldorfer Hartz-IV-Bezieher sind arbeitslos gemeldet, etwa die Hälfte von ihnen sind Langzeitarbeitslose, also Menschen, die ein Jahr oder länger ohne Beschäftigung sind. Zwei Drittel verfügen nicht über eine abgeschlossene Berufsausbildung. Genau das ist ja das Problem bei der Integration in den Arbeitsmarkt. Aber genau um diesen Personenkreis wollen wir uns noch intensiver kümmern, durch entsprechende Programme, durch Beratung der Betriebe. Erste Erfolge konnten wir hier schon erzielen.

Erhöht sich die Zahl auch durch Menschen, die trotz eines Arbeitsplatzes von ihrem Einkommen in Düsseldorf nicht leben können?

Zielonkowsky Ja, definitiv. Wir haben in der Landeshauptstadt 13.000 so genannte Aufstocker. Das sind Menschen, die im Job so wenig verdienen, dass sie immer noch Anspruch auf Sozialleistungen haben.

Was sind häufige Gründe, in Hartz IV zu rutschen?

Zielonkowsky Auch die sind vielfältig. Es hat aber nicht immer mit der beruflichen Qualifikation zu tun. Manche verlieren an Familieneinkommen, weil Beziehungen auseinandergehen. Unter den vom Jobcenter Betreuten sind allein 5500 Alleinerziehende in Düsseldorf.

Verschlechtert sich die Situation durch die vielen Flüchlinge?

Zielonkowsky Nein, auf keinen Fall. Damit wir uns dieser Herausforderung stellen können, hat der Bund allein für Düsseldorf 6,5 Millionen Euro zusätzlich bereitgestellt. Wir bauen zurzeit 40 neue Stelen auf. Diese Mitarbeiter kümmern sich nur um Flüchtlinge, und unter anderem deren Integration in den Arbeitsmarkt. Der Service für die Übrigen bleibt unverändert.

Was war Ihr Ziel, als Sie vor sechs Monaten als Chef des Jobcenters angetreten sind? Haben Sie es erreicht?

Zielonkowsky Ich hatte mir als Ziel gesetzt, mit meinen Mitarbeitern 9000 Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zu bringen. Das werden wir voraussichtlich erreichen.

THORSTEN BREITKOPF FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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