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Ferien-Report
Abenteuer zum Selbermachen

Ferien-Report: Abenteuer zum Selbermachen
Alex (v.l.), Marvin, Raffaele, Pamela und Hanna bauen auf dem Abenteuerspielplatz in Eller eine Bude. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Der Abenteuerspielplatz in Eller bietet Kindern bis 14 Jahre eine Spiellandschaft der besonderen Art. Mit Neugier, Mut, Geschicklichkeit und Kreativität erlernen sie hier Verantwortungsbewusstsein und Solidarität. Von Sven-André Dreyer

Verschwitzt bin ich nach zehn Minuten. Natürlich liegt das einerseits an der aktuellen Temperatur. Andererseits aber auch an der Kletterrakete. Die kann man nämlich über eine schmale Leiter besteigen und über eine Rutschstange, wie man sie aus Feuerwachen kennt, wieder verlassen. Und spätestens, als ich nach gut zwanzig Minuten erste Schrammen an Oberarm und Wade habe, hat es mich vollends gepackt - das Ferienfieber mit der Suche nach dem großen Abenteuer. Und das lauert dort, auf dem Abenteuerspielplatz in Eller, hinter jeder Ecke.

Schon im Eingangsbereich geht es los. Hier brennt ein Lagerfeuer. Und hier leben die Tiere des Spielplatzes, Kaninchen Wilma und Meerschweinchen Pessy. Und natürlich die Ziegen Blümchen, Antonella und Bente. Dazu kommen Hühner, Schafe und zwei Katzen. An den Tiergehegen treffen sich die Mädchen. "Einfach süß", finden Juliette (8), Aliena (7) und Louisa (6) die Tiere. Die Mädchen verbringen heute einen Tag im Rahmen des Ferienprogramms ihrer Offenen Ganztagsschule auf dem rund 10.000 Quadratmeter großen Abenteuerspielplatz an der Heidelberger Straße. Und mit ihnen weitere rund 60 Kinder sowie acht Begleiter. "Pädagogik einmal anders", sagt eine der Betreuerinnen.

Für die Schüler der St. Rochus Schule in Pempelfort ein ganz besonderer Tag, denn hier können sie sich austoben. Gelegenheiten gibt es dafür genug: Eine Wasserrutsche, die nach schneller Fahrt in einem Badeteich, auf dem auch kleine Flöße fahren, endet. Oder der Flying Fox, der nach wilder Jagd durch die bewaldete Schlucht ein Gefühl des jungen Indiana Jones vermittelt. Und auch der "Wilde Widder" eine Art Holzachterbahn, sorgt für Spaß. Der Klassiker aber ist das Bauen einer eigenen Bude, zu dem mich Marvin (10), Raffaele (10), Pamela (11), Hana (10) und Alex (10) einladen. "Das", sagt Einrichtungsleiter Thomas Strempel (60), "war auch schon mit Eröffnung des Abenteuerspielplatzes 1973 das Beste."

Als ehrenamtlicher Mitarbeiter hat er 1974 auf dem Platz parallel zu seinem Studium angefangen. "Eine wilde Zeit", erinnert sich Strempel, seit 1980 Leiter der Einrichtung, "antiautoritär, laissez faire und auch ein bisschen chaotisch."

Strempel ist drahtig, sein roter Vollbart unterstreicht den ursprünglichen Gedanken des einst revolutionären Pädagogik-Konzepts. Denn Vorbild verschiedener Konzeptionen von Abenteuerspielplätzen in Deutschland sind die "Skrammellegeplads", die "Gerümpelspielplätze", die 1943 von einem dänischen Architekten erfunden wurden. Er beobachtete, dass Kinder über Erfahrung, Materialien und Werkzeuge starke Anreize für Spiel, Bewegung und soziales Lernen erhalten. Auf den Bauspielplätzen entstehen dabei ganze Hüttendörfer, die einem ständigen Veränderungsprozess unterworfen sind. Und während nur das statische Grundgerüst durch das Team des Abenteuerspielplatzes errichtet wird, bauen die Kinder ihre Buden eigenständig fort. Neben den üblichen Gruppenkontakten entsteht dabei manchmal sogar ein eigenes Sozialsystem mit Rollenspielen, Funktionen, Ämtern und politischen Entscheidungen. "Noch bis in das vergangene Jahrzehnt verbrachten Kinder bis 14 Jahre hier ihre gesamte Freizeit", sagt Strempel.

Mit der Einführung des offenen Ganztags hat sich dies geändert. "Kinder haben heute kaum noch Freizeit und besuchen uns oft in Gruppen", sagt Strempel. Die blieben dann für einen Vormittag und müssten in kürzester Zeit das erleben, was Kinder damals in wochen- und monatelangem Freispiel erfahren konnten. Und dennoch: "Auch auf diese Kinder wartet auf unserem Platz das große Abenteuer live."

Quelle: RP
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