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Düsseldorf
Achterbahn­fahrt einer Bank

Düsseldorf. Die einst hoch angesehene Bank IKB wird nun komplett vom Hauptinvestor Lone Star geschluckt. Was das Düsseldorfer Kreditinstitut in einem Jahrzehnt erlebt hat, gleicht wirtschaftlich Aufstieg, Fall und langsamer Genesung. Von Thorsten Breitkopf

Sparkassen wurden von Städten und ihren Bürgern gegründet, Großbanken wie Deutsche oder Dresdner von der Industrie, und Genossenschaftsbanken von Handwerkern oder Bauern zur Selbsthilfe. Das ist die Gründungsgeschichte nahezu aller deutschen Kreditinstitute im Drei-Säulen-Modell. In Düsseldorf existiert bis heute eine Bank, die eine Ausnahme-Geschichte hat, die zeitweise weltweit durch die Medien rauschte: die IKB.

Jetzt soll die Düsseldorfer Bank endgültig von den Kurszetteln der Börsenmakler verschwinden. Der Hauptaktionär der IKB Deutsche Industriebank, Lone Star, will das traditionsreiche Düsseldorfer Geldhaus komplett erwerben. Bis zum 5. September biete der Investor einen Preis von 55 Cent je IKB-Aktie, teilte die Bank Anfang der Woche mit. Die IKB spricht von einer attraktiven Verkaufsmöglichkeit. Lone Star besitzt bereits einen Anteil von 91,5 Prozent am Grundkapital der Bank. Der gesamte Wert der Offerte beläuft sich auf rund 30 Millionen Euro. Die Börsianer jubelten. Der Kurs der IKB-Aktie verdreifachte sich am Montag binnen weniger Minuten.

Die ungewöhnliche Geschichte der Bank beginnt ausgerechnet mit einem Krieg. Nach dem Ersten Weltkrieg sollte das Deutsche Reich und dessen Industrieunternehmen hohe Reparationen an die Siegermächte zahlen. Dazu gründete man ein Kreditinstitut. Es hieß Bank für deutsche Industrieobligationen (Bafio) und hatte seinen Sitz in Berlin. Als die Reparationen hinfällig wurden, macht dieses Institut diverse Geschäfte, finanzierte schwächelnde Landwirte im Osten, gab Mittelständlern langfristige Kredite und nannte sich ab 1939 offiziell Deutsche Industriebank.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zog die Bank von Berlin an den Rhein, firmierte erstmals als Industriekreditbank und spezialisierte sich auf die Weiterleitung von Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Mit der später in Berlin wiedergegründeten Industriebank fusionierte man später, die Zusammenarbeit war ohnehin eng. Die IKB Industriebank finanzierte das, was in ihrem Namen stand und genoss im Mittelstand einen exzellenten Ruf. Nach 1990 expandierte die Bank ins Ausland, als Partner an ihrer Seite die KfW, inzwischen größter Aktionär.

Die IKB wuchs mit Dependancen in Paris, New York, London und Hongkong. Bis zu einem denkwürdigen Tag im Jahr 2007. Am Montag, dem 30. Juli veröffentlichte sie eine "Ad-hoc-Meldung", die die Märkte schockierte: "Die Krise des US-amerikanischen Hypothekenmarktes im Subprime-Bereich hat sich auf die IKB Deutsche Industriebank AG ausgewirkt. Die heftigen Reaktionen der letzten Woche haben zu einer deutlichen Ausweitung der Spreads geführt und zu einer großen Verunsicherung institutioneller Investoren beigetragen."

Zehn Tage vorher hatte man noch verlautbart, alles sei in Ordnung, keine Auswirkungen. Das sollte später die Gerichte beschäftigen. Offenbar war die IKB doch betroffen. Die Düsseldorfer IKB wurde das erste Opfer der weltweiten Finanzmarktkrise. Sie erhielt staatliche Garantien von rund zwölf Milliarden Euro, die ihr das Überleben sicherten. Der Ruf der IKB als solide Bank des industriellen Mittelstands war ruiniert. Am Markt mit undurchsichtigen Wertpapieren (Sub-Prime-Segment) hatte man sich verzockt.

2008 wurde die Bank an den Finanzinvestor Lone Star verkauft. Das Institut wurde für viele Mitarbeiter schmerzlich saniert - mit Erfolg. Die IKB machte im abgelaufenen Geschäftsjahr zehn Millionen Euro Gewinn, im Jahr davor waren es fünf Millionen Euro gewesen.

Quelle: RP
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