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Düsseldorf
Sternfahrt der Radler nur halb so lang

ADFC in Düsseldorf: Sternfahrt der Radler nur halb so lang
Viele radfahrbegeisterte Familien waren zur Sternfahrt gekommen, bei der für ein fahrradfreundlicheres NRW geworben wurde. FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)
Düsseldorf. Rund 1500 Radfahrer folgten dem Aufruf des ADFC und forderten bei einer Fahrt durch Düsseldorf bessere Bedingungen. Wegen anderer Protestmärsche wurde die Route stark verkürzt. Von Sven-André Dreyer

Auf dem Oberbilker Markt riecht es nach Bratwurst. Und auch ein bisschen nach Sonnencreme. Eine Sambatruppe - wie sie auf solchen Festen obligatorisch ist - sorgt für treibenden Rhythmus. An der Wurstbraterei versorgen sich Philipp Todtberg (21) und Slava Kantanovic (32) mit Kaloriennachschub - sie haben bereits jetzt, bevor es auf die neunte Ausgabe der ADFC Sternfahrt geht, über 80 Kilometer in den Beinen. "Wir sind morgens um 8.30 Uhr in Dortmund gestartet", erzählt Todtberg und zeigt sein aufwendig lackiertes, rund 28 Kilogramm schweres Lastenrad. Darauf transportiert er speziell für die Fahrt, die vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Düsseldorf organisiert wurde und für ein fahrradfreundliches NRW demonstrieren will, eine Musikanlage. "Ein wenig Sound muss sein", sagt Kantanovic.

Neben Sound sorgen auch zahlreiche Sprüche und Parolen, die auf kleinen Bannern und Fahnen an einigen der Fahrräder der rund 1500 Teilnehmer angebracht sind, für ein wenig Demo-Stimmung. "Ich bremse auch für Autos" ist zu lesen, und "Ein kleiner Tritt für die Menschheit, ein großer Schritt für die Umwelt".

"Wir sind hier, weil Frau Kraft und Herr Laschet endlich realisieren müssen, dass für den Radverkehr mehr getan werden muss", sagt Joachim Schalke. Der 52-Jährige ist gemeinsam mit Daniel Mörchen (26) aus Köln angereist, um auf die Verkehrsprobleme in Sachen Radverkehr aufmerksam zu machen. "Die positiven Potenziale des Radverkehrs müssen verstanden und vermittelt werden", sagt Mörchen und verweist auf das nicht nur finanzielle Engagement des benachbarten europäischen Auslands. "In den Niederlanden werden Radschnellwege aus den Töpfen des Automobilverkehrs finanziert, das entlastet den Autoverkehr und bringt immer mehr Menschen aufs Rad." Auch Bernhard und Barbara Köster wünschen sich mehr sichere Radwege in der Stadt. Die Familie kam vor rund einem Jahr aus Frankfurt an den Rhein und nutzt überwiegend das Rad, um sich zu bewegen. Ihre Kinder Leonnard, Benedict und Aaron lassen sie allerdings nicht allein radeln. "Viel zu gefährlich", sagt Vater Bernhard (43).

Die Radler mussten wegen weiterer Demos früher umkehren als geplant und zur Schlusskundgebung nach Oberbilk fahren. FOTO: hans-jürgen bauer

Und dennoch: Längst nicht alle Teilnehmer sind gekommen, um ausschließlich für eine radverkehrsfreundliche Verkehrspolitik zu demonstrieren. Denn egal ob Mountainbike, Liegerad, teure Rennmaschine oder Pedelec - einigen geht es bei der Tour schlicht um Spaß. Und tatsächlich: Es hat etwas von einem Klassentreffen, wenn Menschen ihre Rädern zeigen, sich mit zum Teil ungewöhnlichen Tretmühlen in die Menge der Begeisterten einreihen. Auf der ungewöhnlichen Klassenfahrt geht es auch darum, Strecken befahren zu dürfen, die - an diesem Tag für den Autoverkehr gesperrt - sonst nicht auf zwei Rädern zu erkunden sind. Etwa die mehrspurigen Fahrbahnen der Oberkasseler und der Rheinkniebrücke. Oder auch den Kö-Bogen-Tunnel. "Viele nutzen die Sternfahrt auch einfach für einen gelungenen Sonntagsausflug", sagt Iris Franke, Vorsitzende des Düsseldorfer ADFC.

Dass die als Demonstration angemeldete Sternfahrt aufgrund vieler weiterer Kundgebungen in der Innenstadt nicht dem vollen Streckenumfang von geplanten 16,4 Kilometern folgen, und damit weder den Rheinufertunnel noch die Königsallee befahren kann, wird den Teilnehmern erst spät klar. Nach einem mehr als 25-minütigen Stillstand auf der Oberkasseler Brücke und einer nur schleppenden Fahrt durch den Tunnel des Kö-Bogens, beschließt die Polizei gemeinsam mit dem ADFC-Vorstand eine alternative Route. Die Fahrt endet - zurück am Oberbilker Markt zur Schlusskundgebung - bereits nach rund neun Kilometern. Viele sind davon enttäuscht.

Quelle: RP
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