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Drogensucht
Ärger um Methadon-Praxen

Drogensucht: Ärger um Methadon-Praxen
FOTO: AP FILES, AP
Düsseldorf. Drei Arztpraxen haben sich in Düsseldorf auf die Abgabe des Heroin-Ersatzstoffs an Suchtkranke spezialisiert. Ihre Nachbarn leiden unter den Patienten, die nach dem Arztbesuch vor ihren Häusern trinken und lärmen. Von Stefani Geilhausen

Vor anderthalb Jahren ist Juliane Schwan an die Roßstraße gezogen. Das tut ihr nun leid. Neben ihrem Vollzeit-Job hat sie ein Studium begonnen, doch zum Lernen kommt sie kaum: Täglich versammeln sich unter ihrem Balkon etwa 15 Suchtkranke, die in der Arztpraxis gegenüber mit Methadon versorgt werden. Vorher und nachher wird laut geredet, viel getrunken – und zwar nicht vor der Praxis, sondern vor der Wohnanlage ein paar Häuser weiter

Die 80 Bewohner kämpfen schon lange gegen die Belästigung durch Lärm und Dreck. Schwans Nachbar Rüdiger Enge-Dinou spricht von einer "Belagerung an 365 Tagen im Jahr". Oft sei kaum möglich, mit dem Wagen aus der Tiefgarage zu fahren. Auch seien einige der Patienten, in deren Gruppe immer auch Hunde und manchmal kleine Kinder seien, recht aggressiv. Briefe an Ordnungsamt, OSD, Polizei und Bezirksvertretung hätten nichts gebracht. "

Die Behörden berufen sich darauf, dass ,es nicht zu Übergriffen gekommen sei' – ja, was soll denn passieren?" fragt sich Enge-Dinou. Juliane Schwan hat jetzt "mit der Bitte, die Verantwortung für die Wahrung der Interessen aller Bürger wahrzunehmen" an OB Dirk Elbers geschrieben. Schließlich sei richtig, dass Drogenkranke Hilfe bräuchen, doch müsste auch das Recht derer gewahrt werden, die Hilfsprogramme mit ihren Steuergeldern finanzierten.

"Haus verliert an Wert"

Ähnlich ist es an der Bismarckstraße. Auch dort hat sich eine Schwerpunktpraxis niedergelassen, die nur am frühen Morgen öffnet, um etliche Patienten in kürzester Zeit mit Methadon zu versorgen. "Manche vertragen das Medikament nicht, die übergeben sich dann auf der Straße ", sagt eine Hausbesitzerin, die ungenannt bleiben möchte. Ihre Mieter haben ihr von täglichen Drogengeschäften im Treppenhaus berichtet, von herumliegenden Spritzen und Müll. "Wenigstens kehrt die Awista bei uns nicht mehr früh um 6 Uhr, sondern erst, wenn die Praxis wieder zu und der Spuk vorbei ist", sagt die Frau, die sich von den Behörden ebenso im Stich gelassen fühlt: "Mein Haus verliert durch diese Nachbarschaft beträchtlich an Wert. Und keiner kann angeblich helfen."

Auch der Tourenplan der Awista habe lange als unumstößlich gegolten – bis die Hausbesitzerin an einen Mitarbeiter geriet, der in Holthausen wohnt und ihre Situation nachvollziehen konnte. Denn dort wird am Kamper Acker eine weitere Methadonpraxis betrieben, die in der Suchtkrankenhilfe als "Tankstelle" verschrieen ist. Die gesetzlich vorgeschriebene psycho-soziale Betreuung der Methadon-Patienten werde dort so gut wie gar nicht umgesetzt. "In diesen Praxen geht es nur ums Geldverdienen", sagt ein Experte.

Das Gesundheitsamt habe auf diese Praxen keinen Einfluss, sagte gestern Stadtsprecher Volker Paulat. Die Stadt habe aufgrund der Bürgerbeschwerden die Kassenärztliche Vereinigung schon im Mai 2008 um eine Stellungnahme gebeten. Die Antwort kam erst nach mehr als einem halben Jahr und war "höchst unbefriedigend": Es sei nicht Aufgabe der Ärzte, das Verhalten der Patienten außerhalb der Praxis zu beeinflussen, hieß es darin lapidar. Das Finanzamt Düsseldorf-Nord an der Roßstraße hat vor vier Wochen die Notbremse gezogen. Damit betrunkene Methadon-Konsumenten den Briefkasten nicht länger als Toilette benutzen, wacht dort nun ein Security-Dienst.

Quelle: RP
 
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