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Düsseldorf
Ärzte setzen erstes Mini-Herz ein

Düsseldorf: Ärzte setzen erstes Mini-Herz ein
Die 400 Gramm schwere Pumpe, die Randi Blöcker in ihrer linken Hand hält, hat ihr das Leben gerettet. Eingesetzt wurde es der jungen Frau von Professor Artur Lichtenberg. FOTO: Werner Gabriel, rp
Seit fünf Jahren wird in Deutschland erfolgreich das Mini-Kunstherz implantiert. Randi Blöcker (34) ist die erste Patientin, die die künstliche Pumpe am Universitätsklinikum Düsseldorf eingesetzt bekam. Anfang Januar erlitt sie einen schweren Herzinfarkt – der Eingriff rettete ihr Leben. Von Ananda Milz

Es war die Nacht vom 2. auf den 3. Januar, die das Leben von Randi Blöcker schlagartig veränderte. Erst hatte die 34-Jährige Schmerzen im Bauchbereich verspürt, dann zog das Stechen weiter hoch bis zum Brustkorb, wenige Stunden später lag sie dann auf der kardiologischen Station des Universitätsklinikums Düsseldorf. Die Diagnose: Herzinfarkt mit schwerer Herzschädigung.

Als die kardiologischen Erstmaßnahmen nicht ausreichten, um die Patientin zu retten, mussten die Ärzte schnell handeln: "Eine Herztransplantation kam wegen der langen Wartezeit nicht in Betracht, deshalb haben wir uns für die Implantation eines Mini-Kunstherzens entschieden", erklärt Professor Artur Lichtenberg, Direktor der Klinik für Kardiovaskuläre Chirurgie. Das Know-How dafür brachte der Mediziner aus Hannover und Heidelberg mit an seine neue Arbeitsstätte, wo er seit Sommer 2009 tätig ist. Unter seiner Regie und in Zusammenarbeit mit den Kollegen der kardiologischen Abteilung glückte der erste Eingriff dieser Art am Universitätsklinikum Düsseldorf.

Bereits seit fünf Jahren wird in Deutschland erfolgreich mit der Implantation des Mini-Kunstherzens gearbeitet. Der Vorteil: Die kleine Pumpe ermöglicht eine Unterstützung der Herzfunktion und erlaubt den Patienten auch ohne Herztransplantation ein selbständiges Leben. Bei jüngeren Patienten, so auch im Falle von Randi Blöcker, ist sie allerdings keine Dauerlösung. Es sei als Übergang gedacht, bis ein passendes Spenderherz gefunden wird, so Lichtenberg weiter.

600 Herztransplantationen werden Jahr für Jahr in Deutschland durchgeführt; der Bedarf an Spenderherzen liegt laut Angaben der Experten jedoch rund 30 Prozent höher. Das Mini-Kunstherz sei deshalb für viele eine lebenserhaltende Behandlungsmöglichkeit – immer dann, wenn Medikamente und Schrittmacher nicht mehr helfen und die Wartezeit auf ein Spenderherz noch überbrückt werden muss. "Die Pumpe wiegt nur 400 Gramm und ist so klein, dass sie vollständig implantiert werden kann", sagt Lichtenberg.

Einziges Manko: Die Batterien müssen außerhalb des Körpers getragen werden und versorgen das Kunstherz über ein dünnes Kabel bis zu 15 Stunden mit Energie. Sobald es eine Lösung dafür gebe – die Batterien etwa im Körper versenkt werden könnten – rechnet Lichtenberg mit einem Innovationsschub: "Womöglich brauchen wir dann gar keine Spenderherzen mehr.

Bei Randi Blöcker sitzt indes das 75 000 Euro teure Hightech-Gerät an der Herzspitze, von wo aus es Blut absaugt und es direkt in die Hauptschlagader pumpt. Auf diese Weise wird die linke geschädigte Herzkammer umgangen; die rechte Herzhälfte arbeitet weiterhin selbständig.


Inzwischen ist die junge Frau – bei der übrigens keine Vorerkrankungen am Herzen vorlagen – wieder auf den Beinen. Von ihrem neuen Mini-Herzen merke sie so gut wie nichts, sagt sie. Am Montag beginnt ihre dreiwöchige Reha. Danach hofft Blöcker, ihren Job als TV-Journalistin bei center.tv wieder aufnehmen und "normal" weiterleben zu können. Solange, bis ein Spenderherz gefunden ist. "Nur das Rauchen werde ich nun lassen – und mich dafür mehr bewegen."

(rp)
 
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