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Düsseldorf
Aggression im Jugendfußball nimmt zu

Düsseldorf: Aggression im Jugendfußball nimmt zu
Der Angeklagte (ganz rechts) geht mit seinem Anwalt über den Flur des Amtsgerichts. FOTO: David Young
Düsseldorf. 18-Jähriger, der eine Schreckschusswaffe mit zu einem Fußballspiel nahm, vor Gericht verurteilt. Von Oliver Burwig

Eine Verwarnung, drei Sitzungen bei einer Einrichtung der Jugendhilfe, Führerscheinentzug und eine verkehrspsychologische Betreuung, so lautet das Gerichtsurteil im Verfahren gegen einen ehemaligen Torwart der Oberbilker Fußball-A-Jugend. Er hatte eine Pistole mit zu einem Fußballspiel gebracht und für Skandal gesorgt. Für das Urteil maßgeblich war jedoch ein Verkehrsdelikt, das der 17-Jährige danach begangen hatte.

Sein Trainer äußerte sich aufgebracht über den Jugendlichen, der ihn beleidigt und nicht ins Team gepasst haben soll - und über den er viel zu wenig gewusst habe. Vor nicht ganz einem Jahr stand Nicolai B. für die A-Jugend des SV Oberbilk im Tor. 15 Gegentore musste der damals 17-Jährige einstecken. Noch im Spiel wollte B. wütend den Platz verlassen, spielte jedoch zu Ende.

Nach dem Spiel kam es zum Streit mit Trainer Bülent Göcer und den Mitspielern. Der Jugendliche ging in die Umkleidekabine und kam mit einer 9-mm-Schreckschusswaffe zurück. Trainer und Eltern entwaffneten ihn, nachdem ein Teamkollege ihn mit einem Faustschlag ins Gesicht aus dem Gleichgewicht gebracht hatte. Das Amtsgericht verurteilte B. nach dem Jugendstrafrecht für das "illegale Führen einer Waffe", ein Verfahren gegen Göcer wegen des Handgemenges wurde eingestellt.

Noch vor der Urteilsverkündung meinte der Trainer, dass er den 17-Jährigen nie in die Mannschaft aufgenommen hätte, wenn er ihn besser gekannt hätte. "Ein Problem in der A-Jugend", sagt Hans-Peter Drell, Vorstandsmitglied des FC Tannenhof und D-Jugend-Trainer. Oft käme es vor, dass ältere Jugendliche von anderen Vereinen in die eigene Mannschaft wechselten, ohne dass man deren persönliche Entwicklung kenne. Dabei sei es besonders wichtig, sie "von klein auf" zu begleiten und ihnen auch die Perspektive zu verschaffen, einmal in der Ersten oder Zweiten Mannschaft spielen zu dürfen.

Auch unter den jüngeren Spielern habe Drell einen Fall erlebt, in denen er seinen "Erziehungsauftrag" nicht mehr wahrnehmen konnte: Ein Elfjähriger sei immer wieder aufgefallen, habe sich geprügelt. Drell verwies ihn des Teams - es war das erste Mal, dass er so hart durchgreifen musste. Die Ursache für diese Fälle sieht er auch im Beispiel, das einige Eltern setzen: "Die Aggression bei den Spielen der Jüngeren findet oft neben dem Platz statt." Bei einem Kreisligaspiel habe er erst vor Kurzem erlebt, wie es zu einer Schlägerei zwischen zwei Vätern kam, die ihre Ursache in einem Foul auf dem Spielfeld hatte.

Auch Peter Frymuth, DFB-Vizepräsident Spielbetrieb und Fußballentwicklung, will Trainer nicht als hauptberufliche Erzieher verstanden wissen. "Sie leisten Jugendarbeit, können aber in ein oder zwei Stunden pro Woche nicht geraderücken, was anderswo falsch läuft." Die meisten Trainer arbeiteten ehrenamtlich, dennoch seien sie keine "Dienstleister" der Gesellschaft: "Das ist etwas, das der Fußball nie für sich in Anspruch genommen hat." Auch leistungsorientierte A-Jugend-Trainer hätten die Aufgabe, ihrem Team Spaß am Fußball zu vermitteln. Gewaltvorfälle, die wie bei B. vor Gericht enden, seien "Extremfälle", die laut Frymuth nicht der fehlenden Einwirkung von Trainern oder Vereinen zuzuschreiben sind: "Sie können nur dazu beitragen, dass so etwas nicht vorkommt."

Quelle: RP
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