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Düsseldorf
Aids-Test bei Baby verweigert? Mutter per Haftbefehl gesucht

Aids und HIV – diese Promis sind betroffen
Aids und HIV – diese Promis sind betroffen FOTO: dpa, Fredrik von Erichsen
Düsseldorf. Wegen jahrelanger massiver Vernachlässigung ihres Babys war ein Ehepaar (50/37) gestern beim Amtsgericht angeklagt. Die Eltern sollen schon vor der Geburt des Jungen 2010 eine HIV-Erkrankung der Mutter gezielt verschwiegen, dann monatelang Aids-Tests bei dem Kind verweigert haben.

Als dessen HIV-Infizierung schließlich festgestellt wurde, sollen sie die Behandlung abgebrochen und das Baby einem "Wunderheiler" vorgestellt haben - mit der Folge, dass der sechsjährige Junge wegen Hirnschäden als Schwerstpflegefall gilt. Zur Verhandlung kam es gestern nicht, weil die Mutter im Ausland ist. Jetzt wird sie per Haftbefehl gesucht. Anfang November soll der tragische Fall neu verhandelt werden.

Die Motive der Eltern für das in der Anklage vorgeworfene Verhalten sind unklar. Aussagen von Vater und Mutter im Ermittlungsverfahren seien "nicht hilfreich" gewesen, sagte die Staatsanwältin gestern. Die Eltern, die aus Westafrika stammen, hatten im März 2012 die fachmedizinische und erfolgreiche Behandlung ihres Kindes abgebrochen, als der Junge gerade zwei Jahre alt war. Stattdessen sollen sie einen "Wunderheiler" aufgesucht haben, der dem Kind Kobra-Gift verabreichen sollte, aber lediglich Zuckerwasser mit Zitronensaft gereicht habe. Die Folgen für den kleinen Jungen waren massiv und gelten als irreparabel. Die Staatsanwältin: "Das Kind hätte wohl ein normales, fast unbeschwertes Leben führen können." Doch ohne fachmedizinische Hilfe habe der Junge durch "kontinuierliches und beharrliches Versagen der Eltern" mehrere Lungenentzündungen erlitten, spastische Lähmungen und müsse wegen der Folgen von Hirnschäden nun als Schwerstpflegefall intensiv betreut werden. Dabei war den Eltern mit Gerichtsbeschluss schon Anfang 2012 jedes Sorgerecht und das Recht entzogen worden, den Aufenthalt ihres Kindes zu bestimmen. Trotzdem sollen sie die zunächst erfolgreiche Arzt-Behandlung eigenmächtig abgebrochen, den Jungen zum "Wunderheiler" gebracht und ihn erst sechs Monate später wieder in eine Klinik gebracht haben.

Dafür wurden der Schlosser und die Hausfrau wegen "Misshandlung von Schutzbefohlenen" angeklagt. Das ist mit Haftstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren bedroht. Inzwischen wird der Junge in einer Facheinrichtung versorgt, weitab vom Einfluss seiner Eltern.

(wuk)
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