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Düsseldorf
Aktiv und frei trotz Behinderung

Düsseldorf: Aktiv und frei trotz Behinderung
Golf-Professional Joachim Wittmann zeigt einer blinden Spielerin im Golfclub Grafenberg, wie sie am besten Schwung beim Abschlag holt. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Selbst, wenn man blind oder taub ist, kann man Golf spielen oder mit Profis singen. Zwei Beispiele zeigen, wie das geht. Von Alessa Brings und Tino Hermanns

Eine Behinderung bedeutet Einschränkungen in vielen Bereichen des Alltags. Doch längst nicht alles, was schwierig erscheint, ist auch unmöglich. Zwei Beispiele zeigen, wie mit Flexibilität und Engagement Freizeitaktivitäten für Menschen mit Behinderung ermöglicht werden können.

Auch Sehbehinderte und sogar Blinde können Golf spielen, wie ein Dutzend Düsseldorfer auf der Anlage des GC Grafenberg auf der Rennbahn bewiesen haben. "Für uns ist es etwas völlig Neues. Wir können Golf ja auch am Fernseher nicht verfolgen", sagt Sascha Eick. "Ich hatte keine Vorstellung davon, wie Golf aussieht. Ich wusste, dass man Schwung holt, hatte aber keine Ahnung, wie der aussieht. Ich war total überrascht von der Komplexität der Bewegung."

Die Ahnung vermittelte Golf-Professional Joachim Wittmann. "Das war eine Super-Erfahrung. Ein Training mit Blinden ist nicht viel anders als mit Sehenden. Die Abläufe sind dieselben. Man kann ganz normalen Unterricht machen. Einzig das Vormachen fällt weg", so Wittmann. "Blinde haben sogar den Vorteil, dass sie sich viel mehr auf die Bewegung, die Position ein- und den Schläger arbeiten lassen. Sie versuchen nicht, Schläger und Ball den eigenen Willen aufzuzwingen." So erfühlten sich die Golfkursteilnehmer den Weg in das Spiel mit den vielen Schlägern und dem kleinen weißen Ball mit den Dellen. "Den Unterschied zwischen den Grashöhen auf Fairway, Vorgrün und Grün kann man schon mit den Füßen ertasten. Erstaunlich ist, wie lang so ein Loch ist und wie weit ein Ball fliegen kann", meint Elisabeth Stiebeling. Sie ist Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenverein Düsseldorf (BSVD) und hat gemeinsam mit dem Mitglied des GC Grafenberg, Uwe Börner, den Schnupperkurs organisiert. "Ich bin mit einer blinden Frau verheiratet und kannte Elisabeth. Und als der Deutsche Golf Verband vor vier Jahren die Regeln für Sehbehinderte änderte und es erlaubte, unter anderem akustische Hilfen zu geben, war mir klar, dass wir mal eine Golfeinführung für Blinde bei uns im Club anbieten sollten", sagt Börner.

Ein anderes Angebot für Menschen mit Behinderung gibt es in der Musik. Die Musikpädagogin Katharina Dohmen arbeitet mit Hörgeschädigten und Gehörlosen zusammen und singt mit ihnen. 2015 startete sie im Rahmen ihrer Bachelorarbeit die Initiative "Fühl mal, wie Du klingst". Sie begleitete zwei Jahre lang Schüler der dritten und vierten Klasse von der LVR-Gerricus-Schule in Gerresheim, die von gehörlosen oder hörgeschädigten Kindern besucht wird. Damit Dohmen verstanden wurde, vernetzte sie ein Mikrofon mit einer Anlage, die Frequenzen moduliert. So konnte sie jeder verstehen. Bei den Gesangsübungen geht es darum, die Töne zu fühlen. Hohe Töne würden die Kinder an der Schädeldecke fühlen, tiefe hingegen im Bauchbereich, so Dohmen. Zusätzlich arbeitete sie mit erwachsenen Mitgliedern des Chors "Tonzeichen". Die Sänger singen nicht nur mit ihrer Stimme, sondern parallel dazu in Gebärdensprache. "Ich wollte den Unterschied zwischen der Arbeit mit Kindern und Erwachsenen feststellen", sagt Dohmen. Eines sei gleich: Die Freude über ein Erfolgserlebnis. "Die kleinen Fortschritte sind gerade für Kinder riesige Erfolge", sagt Dohmen, Die Freude der Sänger über eine erfüllte Aufgabe sei unbezahlbar.

Mit ihrer Initiative hat Katharina Dohmen beim siebten Hochschulwettbewerb Musikpädagogik der Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen den zweiten Platz gewonnen.

Quelle: RP
 
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