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Fiesta für den Tod
Allerheiligen auf Mexikanisch

Fiesta für den Tod: Allerheiligen auf Mexikanisch
Künstlerin Sabine Memmert mit einem ihrer schrillen Skelette. FOTO: RP, A. Bretz
Düsseldorf. In Mexiko ist der Tag der Toten nicht trist und traurig, sondern schrill und bunt. Es gibt knallige Dekos und Partys auf Friedhöfen. Einen Einblick in diese Kultur gibt die Künstlerin Sabine Memmert auf ihrem "Markt der Toten". Von Ina Armbruster

Düsseldorf In ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung in der Düsseldorfer Innenstadt stapeln sich Drähte, Papier, Leinwände, Farben. Ihre Privaträume sind Atelier und ein bisschen Museum zugleich. Fast 14Stunden am Tag malt und bastelt Sabine "Memmi" Memmert zurzeit für ihren "Mercado de los Muertos" - ihren Markt der Toten. Jedes kleine Amulett, jede Mini-Kette, jeder Ohrring an den schrulligen Skeletten muss bis zum 1. November, dem Tag der Toten, fertig sein.

Wie der in Mexiko gefeiert wird, hat sie vor sieben Jahren erfahren. "Ich war damals Ende November dort, aber in den Bäckereien wurden immer noch süße Totenköpfe aus Zuckermasse und Marzipansärge verkauft, die Dekorationen waren überall zu sehen."

Auch vor ihrer Küche macht die Kunst keinen Halt: "Ich versuche gerade, Zuckertotenköpfe herzustellen, aber der erste Versuch hat nicht funktioniert. Der Zucker hat sich karamellisiert und die Form ist geschmolzen", sagt Memmert. Bei den Pappmaché-Skeletten hat sie mehr Routine. Fast zwanzig Figuren modelliert sie in drei Wochen.

Sie weiß, dass die morbiden Dekorationen den meisten Deutschen fremd sind. "An diesem Feiertag werden in Mexiko Partys auf den Friedhöfen gefeiert. Dort geht man ganz anders mit dem Thema um." Auf dem Flyer zu ihrer Ausstellung steht: "Eine Kultur, die den Tod verleugnet, verleugnet auch das Leben." Die Faszination für Tote hat sie bereits im Grundschulalter entdeckt: "Ich war als Kind auf Sizilien. In den Katakomben waren die Skelette noch in ihren Kleidern, in den Kirchen lagen Körperteile aus Holz oder Wachs als Votivgaben. Die anderen Kinder fanden das schrecklich, ich fand das interessant." Nach dem Schulabschluss studierte sie eineinhalb Jahre an der Kunsthochschule. "Aber das war einfach nicht meine Welt", so die 42-Jährige. Ihre Welt entdeckte sie auf den Kanaren und in Lateinamerika, lernte Spanisch und suchte auch in Deutschland den Kontakt zu Latinos. Filme, Bücher, Musik, Essen - fast alles in ihrem Haushalt spiegelt die lateinamerikanische Kultur wider.

Neben den knallbunten Toten-Bildern hängen in brauntönen gehaltene, detailgetreue Porträts von südamerikanischen Politikern und Revolutionären. Damit will sie Deutsche, aber vor allem auch Latinos zur Diskussion anregen: "In vielen dieser Länder sind die Nachrichten zensiert, in der Öffentlichkeit kann nichts hinterfragt werden. Ich will den Leuten keine Meinung aufdrücken, sondern finde es schön, wenn jemand der nichts mit Politik zu tun hat, Denkanstöße bekommt."

Sie hofft, bald von ihrer Kunst leben zu können. "Ich habe früher in der Firma meines Vaters gearbeitet." Nun versucht sie sich ihr eigenes Standbein aufzubauen und ist zuversichtlich: "Nach meiner Recherche bin ich die einzige Künstlerin mit solchen Werken in Europa."

Ihr Traum: Ein Praktikum bei der Linares-Familie in Mexiko. Sie stellen die skurrilen Figuren bereits in der dritten Generation her.

INFO Ausstellungseröffnung "Mercardo de los muertos" am Mittwoch, 31.Oktober, 19.30 Uhr, im Statt-Museum, Berger Allee 1. Öffnungszeiten: mo-fr, 16 bis 20 Uhr, sa und so 13 bis 20 Uhr (bis 14. November).

Quelle: RP
 
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