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Serie Bahnhofblues
Alles andere als Schickimicki

Serie Bahnhofblues: Alles andere als Schickimicki
Eine aufgeklebte Blümchenwiese auf den Fenstern am Hauptbahnhof soll einen hübschen Eindruck machen. FOTO: Andreas Endermann
Stadtmitte/Oberbilk. In der "Gebrauchsanweisung für Düsseldorf" gibt der Journalist Harald Hordych - der wohlbemerkt in München lebt - seine Sicht auf Düsseldorf preis. Ein Fließtext, der sich zur langfristigen Vorbereitung auf einen Trip in die Landeshauptstadt eignet. Das Buch beginnt an der Stelle, wo für viele die Reise beginnt: am Hauptbahnhof. Dieser sei, schreibt Hordych sinngemäß, der Bauwerk gewordene Gegenentwurf zum Schickimicki-Image, das Düsseldorf vermeintlich anhafte. Grauslich also, ein Ort zum Davonlaufen. Von Henning Rasche

Hat er Recht? In einer losen Serie schaut sich die Rheinische Post die S-Bahnhöfe in Düsseldorf genauer an. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) legte einen Stationsbericht vor, in dem er das äußere Bild aller Bahnhöfe der Stadt bewertete. Der Hauptbahnhof fällt in dem Bericht unter die zweite Kategorie; er habe ein "noch akzeptables" Erscheinungsbild. Kriterien dabei waren der Grad der Verschmutzung oder die Menge an Graffiti. Der VRR legt den Bericht vor, um die Bahn als Eigentümer der Stationen zu Verbesserungen zu bewegen.

Eine Ortsbegehung zeigt, dass kaum Abfall herumliegt. Der größte Bahnhof der Stadt wird fast permanent gereinigt. Graffiti finden sich an kaum einer Stelle - auch sie werden regelmäßig entfernt. Natürlich kleben Kippen und Kaugummis auf dem Boden. Geraucht wird an den S-Bahn-Gleisen nicht in den dafür vorgesehenen markierten Begrenzungen, sondern eigentlich überall. Den Rauch kümmert das wenig, er liegt ohnehin in der Luft. Es riecht nach Großstadtbahnhof: eine Mischung aus Bremsmittel, Zigaretten und Schinken-Käse-Croissant.

Außerdem findet sich reichlich Werbung am so genannten "Einkaufsbahnhof", der zum Shopping einladen will. Unten ist das Schuhgeschäft sehr gut gefüllt, an sämtlichen Imbissen und Bäckereien wartet jemand auf sein Essen. Die weit überwiegende Masse aber läuft naturgemäß von einem Gleis zum anderen oder aber zum Ausgang.

Die Frage, ob Harald Hordych nun Recht hat, ist ästhetischen Fragen unterworfen. Nur: Die aufgeklebte Blümchenwiese auf den Fenstern über dem Eingang wirkt an der Stelle dann doch etwas verloren.

Quelle: RP
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