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Kolumne "Mein Düsseldorf"
Alpha-Weibchen streiten im Venetienclub

Das ist der Venetienclub in Düsseldorf
Das ist der Venetienclub in Düsseldorf
Düsseldorf. Der Streit im Venetienclub ist kein Einzelfall. Knatsch unter Jecken hat im Karneval eine lange Tradition. Von Hans Onkelbach

Nun also zickt und zwickt es im so genannten Venetien-club. Für alle, die nicht wissen, was das ist: ein Verein ehemaliger Karnevalsprinzessinnen, vor einem Dutzend Jahre gegründet, stets gut gelaunt und in pinker Robe auftretend, scheinbar voller Harmonie. Scheinbar. In Wahrheit, das zeigen die jüngsten zwei Wochen, ist auch dort seit geraumer Zeit Schluss mit lustig. Warum?

Nun ja, nach außen stellt es sich so dar: Alpha-Weibchen Nr. 1 trifft auf Alpha-Weibchen Nr. 2, und in einem solchen Club, zumal einem karnevalistischen, ist kein Platz für zwei solche Frauen. Weil sie nämlich dummerweise im normalen Leben auch noch derselben Partei angehören, in dieser aber zu zwei sehr verschiedenen und sehr verfeindeten Fraktionen, kam es nun zur Explosion. Die Eine - Angela Erwin - sollte ausgeschlossen werden und ging von selbst, die Andere - Heidrun Leinenbach - hat zwar erstmal gewonnen, aber der Zwist dürfte damit in der einstmals party-affinen Damenriege nicht vorbei sein. Ende offen also.

Aber kein Grund zur Sinnkrise hinter der Pappnase - denn Streit bei Narren ist in Düsseldorf normal. Mindestens einmal im Jahr ploppt irgendwo ein fulminanter Krach hoch und unfeine Details dringen nach außen. Die Dunkelziffer, so raunen Eingeweihte, ist viel höher. Was für uns Außenstehende bedauerlich ist, weil solcher Knatsch den Unterhaltungswert des Winterbrauchtums zuverlässig ansteigen lässt. Unvergessen der Knall, mit dem 2014 der damalige Präsident des Comitee Düsseldorfer Carneval (CC), Josef Hinkel, völlig überraschend seinen Rücktritt erklärte und seinen Geschäftsführer Christoph Joussen gleich mitnahm. In den Kulissen hatte es mächtig Streit gegeben. Unversöhnlich bis heute stichelte man auf beiden Seiten, trat nach, giftete in kleinem Kreis. Sollte der neue Vorstand - Michael Laumen, Stefan Kleinehr, Hans Jürgen Tüllmann - nun durchgeatmet und gedacht haben, nun kehre Ruhe ein, war das ein Irrtum - wie der Zoff bei den Ex-Prinzessinnen ihnen jetzt klar machte.

So oder so - es hat Tradition. Bei der Prinzengarde Rot-Weiss erinnert man sich noch gut an interne Machtkämpfe zwischen Präsident und anderen Würdenträgern. Bei Blau-Weiss gab es ähnliches Palaver, nur nicht ganz so laut. Frühere Vorsitzende, Prinzen, Corps-Chefs - sie alle gerieten mal hier, mal da aneinander, und der Laie wunderte sich, wie ein an sich der Narretei verpflichtetes Völkchen so hasserfüllt aufeinander losgehen kann. Es ging und geht um Eitelkeiten und Ehrgeiz, vermeintliche Beleidigungen oder Missachtungen, Ränke und Zänke, und nie um Jux und Dollerei.

Legendär ein Prinz, dessen Venetia während der Session so aus der Rolle und ins Vulgäre fiel, dass die beiden nur mit Mühe daran gehindert werden konnten, sich an die Kehle zu gehen. Eine andere Venetia flippte derart aus, dass ihr Prinz - im echten Leben ein eher beherrschter Jurist - mit Taten liebäugelte, die allesamt justiziabel gewesen wären. Einmal pöbelte ein besoffener Adjutant auf offener Bühne, dann versuchte der Gemahl einer Venetia im Hintergrund seine Frau am Pritschenträger vorbei in den Vordergrund zu schieben, mal entdeckten Prinz und Venetia (beide verheiratet, aber nicht miteinander) während der Session, nach der Bühne auch das Bett miteinander teilen zu wollen. Von vor vielen Jahren ausgebrochenem Zoff um einen schwulen Prinzen (seinerzeit skandalös), wirklich witzigen CC-Präsidenten oder tatsächlich spaßigen Narren an führender Stelle ganz zu schweigen - der Düsseldorfer Karneval war und ist Quell unterhaltsamer Nickeligkeiten. Verbürgt ist die empörte Beschwerde einer Präsidenten-Gattin nach einer offenbar nicht standesgemäß erfolgten Begrüßung vor großem Publikum.

Auch das gegenseitige Austauschen der berühmt-berüchtigten "Orden" (die Anführungszeichen sind hier sehr bewusst gesetzt!) verlangt diplomatisches Geschick, weil das Vergessen eines Würdenträgers der jecken Art Probleme mit sich bringen kann, gegen die eine Blutrache jemenitischer Beduinen-Clans die reinsten Peace-and-Love-Happenings sind.

Quelle: RP
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