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Düsseldorf
Als das Rathaus-Viertel noch florierte

Düsseldorf. In den Straßen rund um das Benrather Rathaus gab es früher ein reges Geschäftsleben. Hans-Albert Viebahn wuchs dort auf. Von Simona Meier

Glaser, Schreiner, Gastwirte, Floristen, Friseure, Bäcker und Metzger prägten bis 1945 das Straßenbild rund um das Benrather Rathaus. Auf den breiten Bürgersteigen blieben manche Bewohner nach ihren Einkäufen zu einem kurzen Plausch mit den Nachbarn stehen. Manchmal sogar in Pantoffeln, denn der Weg zum nächsten Lebensmittelhändler war schließlich nur kurz.

Es war die Zeit, als das Viertel florierte und Menschen, die dort wohnten, direkt nebenan auch einkauften. Ins Dorf, nach Benrath Mitte, ging man selten, denn die Nahversorgung war direkt vor der Haustür gesichert.

Als jetzt die Einzelhändler der Sophien- und Benrodestraße mit einer besonderen Aktion auf ihr Quartier als attraktiven Einkaufsstandort aufmerksam machten, kam Hans-Albert Viebahn die Idee, alle Geschäfte der Vergangenheit noch einmal in einer Skizze genau aufzulisten.

"Ich hatte das schon mal für ein Treffen mit meinen ehemaligen Mitschülern aus dem Abitur-Jahrgang begonnen und habe es jetzt vervollständigt", sagt er. In seiner Übersicht kommt er auf insgesamt 45 Geschäfte, an die er sich erinnert. Darunter auch viele Handwerksbetriebe wie Maler, Schuhmacher und sogar ein Fahrradgeschäft.

Sein Geburtshaus, in dem er 1927 das Licht der Welt erblickte, steht in der Benrodestraße 52. Der rüstige Senior, der dort selbst bis 1959 lebte und auch bis in die 1980er Jahre seine dort lebenden Eltern immer wieder besuchte, erinnert sich auch heute noch sehr genau an das pulsierende Leben rund um die Rathaus-Gegend.

"Es gab allein drei Tabakläden in der Sophienstraße", stellt er fest. Das Geburtshaus beherbergte den Lebensmittelladen Gronau, über dem Viebahn aufwuchs. Nur wenige Meter entfernt folgte schon der Lebensmittelhändler Backsa. "Es gab außerdem den Stukkateurbetrieb Zingraf", sagt Hans-Albert Viebahn. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite fand sich mit dem Konsum noch ein weiteres Lebensmittelgeschäft. Offensichtlich fand jeder dieser Läden seine Kundschaft.

"Da es zwischen Rathaus und Benrather Marktplatz kaum entsprechende Geschäfte gab, deckte man den Bedarf im nahen Viertel", sagt Viebahn. Seine Mutter ging "ins Dorf", wie man damals sagte, zu den Markttagen. "Dann waren dort die Bauern aus Himmelgeist und Itter mit ihren Waren vertreten", erinnert er sich. Zu den vielen Geschäften, die es in den Straßen rund ums Rathaus gab, zählte auch der Baumarkt Bovert auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

"Vorher war dort ein Geschäft der jüdischen Familie Simon, die 1938 auf Anraten meines Vaters nach Amerika ging", sagt Viebahn. Es sei üblich gewesen, dass die Lebensmittelhändler ihre Waren in Düsseldorf auf dem Großmarkt besorgten. Die Wünsche ihrer Kunden kannten sie sehr genau. In vielen Läden konnten die Kunden auch noch anschreiben lassen und später bezahlen. Mancher ging deshalb auch in die Läden, die nicht in derselben Straße wie die eigene Wohnung lagen.

"Die Bäckereien hatten noch eigene Backstuben", sagt der Senior, der seit den 1960er Jahren mit seiner Familie in Garath lebt. Drei Metzger habe es in der Nähe gegeben und auch die Buchhandlung Dietsch war an der Benrather Schloßallee lokalisiert.

"Die Gastwirtschaft "Zum Neuen Rathaus" war von 1930 bis 1960 übrigens nur ein Lager", erinnert sich Hans-Albert Viebahn. Auch das hat sich bald geändert, so wie das gesamte Viertel in Benrath, das unlängst mit seinen Einzelhändlern wieder auf sich aufmerksam machte.

Quelle: RP
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