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Serie: Heimat genießen in Düsseldorf
Safari: Dem Altbier auf der Spur

Altbier-Safari in Düsseldorf: Eine Reise durch die Biergeschichte
Diese Schwaben machen regelmäßig Ausflüge nach Düsseldorf – und wissen jetzt auch übers Altbier gut Bescheid: Tobias Schmid, Philipp Beckere, Florian Lebowski, Christoph Schmid, Simon Knabel und Florian Imrich (v.l.) FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Eine ungewöhnliche Stadtführung will Besuchern und Einheimischen Düsseldorfer Braukunst näherbringen. Von Isabell Golde

Ricarda Maaß steht in der Brauerei Kürzer vor der Brauanlage und erklärt der Gruppe, die im Halbkreis vor ihr steht, den Brauprozess. Und zwar in einer schwindel-erregenden Geschwindigkeit, ohne Spickzettel und ohne ins Stocken zu geraten. Natürlich nicht ohne Augenzwinkern: Das Altbier sei schließlich "richtiges Bier" und nicht die "Plörre", die in der Nachbarstadt Köln getrunken wird. Wie gut, dass sie da noch nicht weiß, dass sich am Ende des Abends einer als heimlicher Kölsch-Trinker outen wird.

Die 26-Jährige ist gebürtige Düsseldorferin und seit eineinhalb Jahren nebenberuflich Tourguide der "Altbier-Safari". Mit zebra-gestreifter Umhängetasche und zwei Kollegen im Schlepptau holt die VWL-Studentin am Freitagabend die wartenden Teilnehmer am Burgplatz ab - maximal 25 nimmt jeder von ihnen mit auf die zweistündige Tour. Zwischen fünf Alt in fünf Brauereien erfahren die Teilnehmer alles rund um den Brauprozess, lernen den "Brauhaus-Knigge" und dass die Düsseldorfer beim Trinken am Liebsten im Freien stehen.

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Ricarda erzählt zum Einstieg die erste Brauhaus-Regel: "Hier wird heute niemand gesiezt - der rheinischen Fröhlichkeit wegen." Patricia Drenkelfort beherrscht das als "Ur-Düsseldorferin", wie sie sich selbst beschreibt, natürlich perfekt. Ebenso das herzhafte Lachen, das man wohl nur im Rheinland in die Wiege gelegt bekommt: "Ich bin quasi mit dem Altbier aus der Flasche großgezogen worden", sagt die 49-Jährige. Die Altbier-Safari ist das Geburtstagsgeschenk für Papa Manfred Klein. "Schön, wenn man neue Seiten an einer Stadt entdeckt, die man vermeintlich kennt", sagen beide.

Weitere Plaudereien vor der Brauerei Kürzer werden jäh gestoppt. "Jetzt seid mal still und hört zu", sagt Peter Nießen aus Hamm zu seiner Frau Andrea, die gerade erzählt, was sie an Düsseldorf liebt: "Die Geselligkeit. Und das rheinische Gefühl eben." In nahezu perfekten Zweierreihen stehen die Teilnehmer hinter Ricarda - die eben noch aushandelt, ob die Absperrung vor der Brauanlage weggenommen werden darf. "Ausnahms-weise", sagt der Kellner, Pardon, Köbes, und bringt im nächsten Moment 22 frischgezapfte Alt. Was beim Biertrinken mit dem männlichem Körper passiere, will Ricarda wissen. "Der schüttet Endorphine aus!", schallt es aus der sechsköpfigen Männertruppe aus Schwaben. Stimmt, sagt Ricarda, aber: "Vielmehr bereitet er sich auf eine Schwangerschaft vor, mit einer Fettschicht am Bauch, die das ungeborene Leben schützt.".

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Florian Imrich aus Dettlingen findet toll, mehr über die rheinische Braukultur zu erfahren. "Eine super Mischung aus Stadtführung und Brauereibesichtigung." Mit seinen Kumpels aus Schwaben kommt er seit zehn Jahren nach Düsseldorf, zum "Männerausflug". Von denen wird er auch gleich korrigiert - er soll doch "die Dame nicht siezen!"

Kumpel Simon Knabel erklärt, was die Freunde so an Düsseldorf mögen: "Das Ambiente - das Leben spielt sich auf der Straße ab. Den Tisch rausstellen und draußen trinken, das würden wir im Schwabenland nicht machen." An seiner Lieblingsbrauerei angelangt, ist das beschriebene Szenario in Praxis zu beobachten. "Man prostet Leuten über den Tisch hinweg zu, die man gar nicht kennt. Hier steht der Doktor neben dem Kfz-Mechaniker - die Altstadt kennt eben keine Klassen", sagt Patricia.

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Gegen die Freitagabend-Lautstärke hat selbst die laute Ricarda fast keine Chance mehr. Längst hat sich die Gruppe gemischt: Patricia lacht mit dem Canasta-Club aus Bad Godesberg um die Wette. Lisa Nießen trinkt mit Mama Andrea Uerige, für das sie sich "erstmal warmtrinken muss." Und es tut der Stimmung keinen Abbruch mehr, dass nun der Godesberger Armin Dresen zugibt, dass er Kölsch auch nach dieser Tour bevorzugt. Aber: "Dafür gefällt mir die Düsseldorf Altstadt besser."

Gut, dass es bereits die vierte Station der Altstadt-Safari ist - die heißt übrigens so, weil es eine Tour zu den "Big Five" der Hausbrauereien in Düsseldorf ist. Auch die vermeintlich knausrigen Schwaben haben am Ende des Abends den Brauhaus-Knigge verinnerlicht: Der Köbes bekommt sein Trinkgeld. Und Ricarda auch.

Quelle: RP
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