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Serie So Wohnt Düsseldorf
Altes Kanonikerhaus mit neuem Kern

Serie So Wohnt Düsseldorf: Altes Kanonikerhaus mit neuem Kern
In der ruhigen Gasse An St. Swidbert entstand im 18. Jahrhundert das Gebäude. Es ist seit langem denkmalgeschützt. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. In Kaiserswerth verbindet ein 300 Jahre altes Gebäude Historie mit der Moderne. Ein Fleckchen im Garten heißt noch immer "Helenes Ruh'". Von Ute Rasch

Jan Wellem herrschte über Düsseldorf, als im Jahre 1714 der Kaiserswerther Kanoniker Maes beschloss, sich ein neues, prächtiges Haus zu bauen. Am Stiftsplatz waren die Bauplätze bereits knapp, also entschied sich der Stiftsherr für ein Grundstück in der ruhigen Gasse An St. Swidbert. Dort lässt sich heute noch mühelos ein Fenster in die Vergangenheit öffnen, denn das Haus ist unversehrt und schon lange denkmalgeschützt. Als eine junge Familie vor einigen Jahren beschloss, die Historie mit den modernen Zeiten zu verbinden, bekamen die alten Mauern ein neues Innenleben.

"Das war ein ziemliches Abenteuer", sagen Silke und Ulrich Schlenger rückblickend. Hätten sie vorher gewusst, wie viel Zeit, Geld und Nerven ihr Projekt kosten würde, wer weiß...? Aber nun sitzt das Paar in seiner großen Küche unter einer voluminösen Weltkarte, schaut in den idyllischen Garten und ist sich einig: "Es ist schon etwas Besonderes, in einem solchen Haus zu wohnen." Zumal wenn die eigene Familiengeschichte eng damit verbunden ist.

Silke und Ulrich Schlenger haben ihr Haus Raum für Raum saniert. Dabei entfernten sie Zwischenwände und riesige Einbauschränke. FOTO: Bretz, Andreas (abr)

Ulrich Schlenger blättert in einem alten Album, bis er ein Foto von einer schmalen Frau mit gelber Schürze gefunden hat, seine Patentante, die bis zu ihrem Tod 1998 hier gelebt hat. "Deren Vater hatte das Haus 1896 von einem Seidenfabrikanten erworben und richtete im Erdgeschoss die zweite Apotheke von Kaiserswerth ein, für die er kurz zuvor das Privileg erhalten hatte." Doch der Platz reichte der Familie offenbar schon bald nicht mehr, so ließ der Apotheker fürs Gesinde einen Anbau errichten. Und für seine Frau Helene ein Gartenhäuschen aus Backstein, in dessen Schatten die geliebte Gattin ungestörte Nachmittage verbringen konnte. Ulrich Schlenger: "Dieser Platz wurde in der Familie Helenes Ruh' genannt."

Von seiner Patentante erbte Ulrich Schlenger schließlich das Haus (samt eines großen Apotheker-Mörsers aus Stein, der heute in der Diele steht) und damit eine große Verpflichtung - wie ihm und seiner Frau bald klar wurde. "Auf den Böden lagen drei Schichten Teppichböden, die Fensterrahmen waren löchrig, statt Blick zum Garten, waren die Wohnräume von dicken brauen Vorhängen beschattet, braune Wände, braune Cordsofas. Es ist Silke Schlenger anzusehen, wie sie das alles fand. "Wir hatten die Wahl, alles gleich rauszureißen oder behutsam ans Werk zu gehen, Zimmer für Zimmer." Sie entschieden sich, auch aus Kostengründen, für die zweite Variante.

Nähert man sich heute der schönen, weißen Fassade, ist dem Haus seine innere Verjüngungskur, die diesem Entschluss in den vergangenen Jahren folgte, nicht anzusehen. Innen sind nun etliche Zwischenwände und riesige Einbauschränke verschwunden, Blickachsen ins Grüne frei gelegt, die einst dunklen Wandfarben wichen hellem Grau und Beige. Vor drei Jahren ließ die Familie, deren beide Söhne im ersten Stock wohnen, die Bäder sanieren und richtete im ehemaligen Gesindehaus Appartements ein, die jetzt an Messebesucher vermietet werden. Als Nächstes sind neue Heizungen in der Küche geplant. "Eigentlich ist immer was zu erneuern", meint Silke Schlenger, "das ist ein Fass ohne Boden." Wie viel Geld sie ihr Erbe bis heute gekostet hat, mögen sie nicht verraten. Nur so viel: "Dafür hätten wir auch was schönes Neues kaufen können."

Gelegentlich ertappen sie sich dabei, dass sie Freunde beneiden, die soeben in ein neues Haus mit modernster Technik gezogen sind. "Aber wenn die dann zu uns kommen, sagen sie, die Atmosphäre unseres alten Hauses sei doch unvergleichlich." Irgendwann möchte der Hausherr, der als Anwalt tätig ist, im Gartenhäuschen ein Arbeitszimmer einrichten. An der hinteren Fassade hängt die alte Markise in Fetzen, die grün-weißen Streifen sind längst verblichen. Weggeworfen wird der verschlissene Stoff trotzdem nicht, ist er doch ein Relikt aus der Vergangenheit - und ein Zipfel von "Helenes Ruh'".

Quelle: RP
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