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Düsseldorf
Altkatholische Kirche kennt keinen Zölibat

Düsseldorf: Altkatholische Kirche kennt keinen Zölibat
Priester Frederik Herzberg (l.) und sein pastoraler Mitarbeiter Ralf Blasberg in der lutherischen Erlöserkirche in Stockum. FOTO: Jana Bauch
Düsseldorf. Seit einem Jahr feiert eine neue altkatholische Gemeinde in Stockum Gottesdienst und legt dabei großen Wert auf traditionsreiche Liturgie. Von Tanja Karrasch

Ralf Blasberg stand im Stau. Eine halbe Stunde länger hat er bis zur Erlöserkirche in Stockum gebraucht. Doch der studierte Theologe weiß die lästige Wartezeit sinnvoll zu verbringen: "Ich habe sie für zusätzliche Gebetszeit genutzt", sagt er. Dann streift er sich den weißen Talar über und wird vom Latein- und Philosophie-Lehrer zum pastoralen Mitarbeiter der altkatholischen St. Willibrord Gemeinde. Seit einem Jahr feiern die Altkatholiken, die sich auch als christ-katholisch bezeichnen, in Stockum einmal im Monat Gottesdienst. Priester Frederik Herzberg steht dann meist vor einer Handvoll Gläubigen, "manchmal sind wir auch zweistellig", sagt er. Und während die Gemeinde sich über jeden Besucher freut, hat der intime Rahmen durchaus seine positiven Seiten. Blasberg erklärt: "Man steht sich näher, ist vertraut miteinander und es bilden sich schneller Freundschaften."

Der angehende Diakon Blasberg und Priester Frederik Herzberg haben in Düsseldorf eine neue Glaubensheimat gefunden. Ursprünglich war Herzberg in einer anglikanischen Kirche als Priester tätig. Während seines Theologiestudiums habe er sich jedoch sehr intensiv mit der Theologie der frühen Kirchenväter beschäftigt, so dass ihm ganz neue Glaubensfragen gekommen seien, sagt der 35-Jährige. Blasberg wollte einst römisch-katholischer Priester werden, doch auch ihn beeindruckte die Traditionsverbundenheit der Orthodoxie. "Die Liturgie habe ich sehr viel intensiver erlebt, als in der römisch-katholischen Kirche, das war immer ein spirituelles Erlebnis", sagt er. Die zwei, drei Stunden Gottesdienst seien jedes Mal quasi verflogen. Doch so ganz zuhause fühlte er sich dennoch nicht. "Ich bin kein Grieche oder Russe, und die orthodoxen Kirchen sind doch meist sehr nationale Kirchen", sagt Blasberg.

Die neue Gemeinde soll eine Brücke bauen: "Wir sehen uns als Kirche mit orthodoxer Theologie und westlichen Gottesdienstformen", sagt Priester Herzberg. Die Markusliturgie soll dabei die Verbindung zwischen Ost und West herstellen. "Die ist in ihren wichtigsten Teilen sogar bis auf das dritte Jahrhundert datierbar, älter geht es nicht", sagt Herzberg. Der Theologe hat sich große Mühe gemacht, die von Blasberg mitübersetzte Textgrundlage mit passenden Melodien zu verbinden, denn in der heiligen Messe singen die Altkatholiken fast ausschließlich. Bei der Predigt legt Herzberg Wert drauf, dass die Inhalte lebensnah sind. "Damit es den Menschen auch praktisch weiterhilft", sagt der Priester, der hauptberuflich in der Wissenschaft tätig ist, unter anderem als außerplanmäßiger Professor an der Universität Bielefeld für Wirtschaftsmathematik.

In Düsseldorf steht die Gemeinde allen offen - vor allem sollen sich jene angesprochen fühlen, "die auf der Suche nach Gott sind, aber noch keinen Rahmen gefunden haben, ihm zu begegnen", sagt Herzberg. Als Altkatholiken lehnen die St.-Willibrord-Gemeindemitglieder die Unfehlbarkeit des Papstes ab. Sie glauben an den dreifaltigen Gott und kennen sieben Sakramente wie die römisch-katholische Kirche auch. Den Zölibat für Priester gibt es hingegen nicht. Von der protestantischen Kirche trennt die Altkatholiken die Vorstellung, dass die Heilige Schrift die einzige Offenbarungsquelle des christlichen Glaubens ist.

Doch auch innerhalb der Altkatholiken gibt es eine Spaltung: Es gibt die Utrechter Union, die sich mehr mit den anglikanischen und evangelischen Kirchen verbunden fühlt, und die Union Scranton, zu der die St. Willibrord Gemeinde gehört, die längerfristig die Vereinigung mit der orthodoxen Kirche anstrebt. Ein eigenständiges Dasein wäre langfristig wohl nur schwer möglich: Beide Kirchenbünde haben weltweit nur wenige Zehntausende Mitglieder. Einige davon beten nun in Düsseldorf.

Quelle: RP
 
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