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Düsseldorf
Am Filmset fließt der Rhein nach Gelsenkirchen

Düsseldorf: Am Filmset fließt der Rhein nach Gelsenkirchen
Regisseurin Icíar Bollaín (rechts) beim Filmdreh auf dem Parkplatz an der Kesselstraße. In Düsseldorf werden die letzten Szenen des Films "El Olivio" gedreht. FOTO: Bernd Schaller
Düsseldorf. Die spanische Regisseurin Icíar Bollaín hat am Düsseldorfer Medienhafen Szenen für ihren neuen Kinofilm gedreht. Von Klas Libuda

Der Film, den sie hier zwischen Tierfutterfabrik auf der einen und feiner Medienhafen-Architektur auf der anderen Seite drehen, heißt "El Olivio - Der Olivenbaum", aber zu sehen ist von dem Bäumlein nichts.

Stattdessen gibt es eine Freiheitsstatue, eine kleine Kopie der großen Statue, die auf einer Insel an der Mündung des New Yorker Hudson River steht. In Düsseldorf liegt die Statue zertrümmert auf einem Lkw, der auf einem Parkplatz an der Kesselstraße steht. Jemand brüllt: "Bitte Ruhe!" Die Kamera läuft. Ein Stück Freiheitsstatue knallt auf den Boden. Regisseurin Icíar Bollaín stoppt, tuschelt mit den Schauspielern, lässt die Szene wiederholen. Beim nächsten Mal bitte mit mehr Schmackes, hat sie vielleicht gesagt. Beim nächsten Take jedenfalls knallt die Statue noch viel kräftiger auf den Boden.

"Scene 53.1/6" drehen sie hier gerade, das steht auf der Filmklappe, und außerdem wird es ständig aufs Neue gerufen. Regie führt bei der spanisch-deutschen Produktion Icíar Bollaín, deren Film "Und dann kam der Regen" vor fünf Jahren in den Programmkinos ein großer Erfolg war und in Bolivien spielt.

Nun dreht sie zum ersten Mal in Deutschland, vor einer Woche in Gelsenkirchen, jetzt in Düsseldorf. Es sind die letzten von 40 Drehtagen, das Team scheint ganz gut drauf zu sein.

Schauspieler Pep Ambrós, der in Szene 53.1/6 eine Hauptrolle spielt, deutet einen Kuss an, als ihm der Mann mit der Filmklappe sehr nahe kommt. Er traut sich dann aber doch nicht.

"El Olivio" erzählt von der Anfang 20-jährigen Alma und ihrem Großvater, der nicht mehr spricht, seit seine Familie vor zwölf Jahren einen alten Olivenbaum an einen Düsseldorfer Energiekonzern verkauft hat. Alma kommt aus der spanischen Provinz Castellón in den Medienhafen, um den Baum zurückzuholen. Natürlich möchte der Energieriese das entwurzelte Stück nicht mehr herausrücken, aber Alma lässt nicht locker.

Das ist, was vorab über den Film verraten wurde. Gestern Mittag steht Anna Castillo, die die Alma spielt, hinter der Kamera, raucht und schaut ihren männlichen Kollegen bei der Arbeit zu. Die werfen immer noch mit der Freiheitsstatue. Man solle der Szene doch bitte nicht zu viel Bedeutung beimessen, sagt Regisseurin Bollaín, sie sei Teil eines "running gag", die Statue sei im Film immer mal wieder zu sehen.

Nichtsdestotrotz: Schauspieler Javier Gutiérrez schreit jetzt, und wer des Spanischen nicht mächtig ist, versteht nur "Familia" und dass es ihm ziemlich ernst ist. Er wirft Pep Ambrós ein Trümmerteil vor die Füße, der schüttelt nur den Kopf und geht aus dem Bild. Javier Gutiérrez sei in Spanien eine richtig große Nummer, erzählt Produzent Juan Gordon zwischendurch, Ambrós dagegen nicht so.

"Danke! Aus!", ruft ein junger Kerl mit Schirmmütze, Bart und Funkgerät - dafür, dass an diesem Set ständig um Ruhe gebeten wird, ist es immer ziemlich laut.

Gesprochen wird im Film hauptsächlich Spanisch, am Set sprechen sie Spanisch, Englisch und Deutsch. Filme würden nun mal eine universelle Sprache sprechen, meint Regisseurin Icíar Bollaín in einer Drehpause. Sie kennen keine Grenzen. Filme kennen nicht mal Flussverläufe.

Denn vom Parkplatz geht es im Film am Rhein vorbei, "und dann sind wir in Gelsenkirchen", sagt Bollaín. In der dortigen Stadtverwaltung haben sie nämlich die Szenen gedreht, die in der Firmenzentrale des Energiekonzerns spielen. Das habe "fantastisch" geklappt, sagt Bollaín

In Düsseldorf gab es gestern Morgen hingegen einen kleinen Rückschlag. Denn als das Team auf dem Kesselstraßen-Parkplatz ankam, musste es feststellen, dass die alte Ölmühle gegenüber abgerissen wird. Im Film werden die Abbrucharbeiten zu hören sein. Das ist jetzt nun mal so, sagt Produzent Gordon.

"Wir sind rübergegangen und haben gefragt, ob sie aufhören können", erzählt Gordon. Die Bauarbeiter hätten nichts gesagt. Außer: "Haha."

Quelle: RP
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