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Düsseldorf
Amateurfußball im Rampenlicht

Düsseldorf: Amateurfußball im Rampenlicht
Um jeden Ball kämpften die Kreisliga-A-Kicker der SG Benrath-Hassels (in Rot) und FC Tannenhof (In Grün) im Auftaktspiel der neuen Saison. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Kreisliga-Fußball im Fernsehen: Der Saisonauftakt zwischen Tannenhof und Benrath-Hassels ist heute bei center.tv zu sehen. Von Henning Rasche

Es läuft die 36. Spielminute, als Soner Dirim zum Kopfball abhebt. Vielleicht läuft auch die 34. Spielminute oder bereits die 38. So genau weiß man das nicht, denn es gibt ja keine Anzeigentafel. Soner Dirim jedenfalls macht sich lang - und kommt doch nicht an die etwas zu hoch geschlagene Flanke. Frustriert schreit er "Maaaaaaan!", nimmt die Hände zu Hilfe und klatscht mit reichlich Energie den Fußball von sich weg. Der Angreifer des FC Tannenhof sieht daraufhin die erste Gelbe Karte des Spiels.

Fußball-Kreisliga A, Gruppe Zwei, Saisonauftakt zwischen dem FC Tannenhof 1950 und der SG Benrath-Hassels 1912/1914. Ein Duell bei hochsommerlichen 32 Grad, am Rande des Spielfelds gibt es Bratwurst und Bier. Ein Duell, das es so schon seit Jahren gibt. Die Teams kennen sich und die Spielweise des jeweils anderen. Und doch ist an diesem Samstag alles ein bisschen anders. Kameras sind auf die Spieler gerichtet, Musikboxen stehen in den Ecken, Fanclubs wie die "Green Devils" hissen Banner, und die Bambini laufen an den Händen der Akteure mit aufs Feld.

Jede Spielszene wurde von den Kameras von center.tv eingefangen. FOTO: Endermann, Andreas (end)

Kreisligafußball ist nicht mit Aufmerksamkeit verwöhnt. Entweder wird er romantisiert oder aber denunziert - dazwischen gibt es nicht viel. Wenn sich also ein Fernsehsender wie center.tv bereiterklärt, das Saisonauftaktspiel der Liga auszustrahlen, ist das eine Würdigung des Amateurfußballs. Ein Kniefall vor der Leidenschaft derer, die eigentlich Schornsteinfeger, Bäcker, Soldat oder Student sind. Und die ihre knappe Freizeit mit Fußball auf niedrigster Ebene verbringen.

Die Partie zwischen Tannenhof und Benrath-Hassels wird ab heute sechsmal bei center.tv zu sehen sein - inklusive Einlaufprozedur, Halbzeitanalyse und Interviews nach Abpfiff. Es ist natürlich ein Wagnis, auf das sich der Sender, die Vereine und der Fußballkreis Düsseldorf eingelassen haben. Auf der Anlage an der Vennhauser Allee hätten zum verspäteten Anpfiff um 17.19 Uhr jedenfalls noch ein paar Leute mehr Platz gefunden. Ein Zuschauerrekord für die Kreisliga sind die knapp 300 Fans dieses Spieltages gewiss trotzdem. Und sie bekommen eine muntere Partie zu sehen, die - das muss man auch verraten - 1:1 (0:0) endet. Die erste Viertelstunde ist von Nervosität geprägt, beide Teams lassen sich durch die sechs Kameras am Spielfeldrand irritieren. Später, erzählt SG-Kapitän Michael Oehlschlägel nach dem Abpfiff, sei aber der "Tunnelblick" zurückgekehrt, alles wie immer.

Raue Aktionen prägen das Geschehen, ein paar Grätschen, ein paar Bodychecks. Schiedsrichter Toni Schmidt, eigentlich in der Landesliga unterwegs, sieht über manche Brutalität hinweg, pfeift hingegen Kleinigkeiten. In der Fankurve der Tannenhofer bei den "Green Devils" macht sich bei einer Spielermutter Frust breit. "Pass mal auf", schreit sie: "Noch so ein Ding und ich komm' da runter." Eine Warnung, die keinen Erfolg verspricht. In der zweiten Halbzeit wird die Stimmung richtig gut, die Schüchternheit der Fans ist durchbrochen. "Hier regiert der FCT", schreien sie. Auf der Gegengerade tummeln sich sieben Ultrafans aus Benrath. Am Rande gibt es Tannenhof-Getränkebecher, Fanschals, Erinnerungsfotos und Fressbuden. All das erinnert an den Aufwand höherklassiger Duelle. Als aber in der (rund) 71. Spielminute wieder eine Flanke den Kopf nicht erreicht, dafür die Latte, wird deutlich, was Kreis- und Bundesliga trotz Kamerateams unterscheidet. Der Ball springt von der Latte auf die Linie. Ist er drin? Oder nicht? Der Assistent zeigt nichts an. Proteste aus Benrath: Tor! Bundesliga-Referee Felix Brych würde jetzt auf seine Uhr schauen, das Hawk-Eye lieferte ihm das Ergebnis. Toni Schmidt schüttelt bloß den Kopf.

Quelle: RP
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