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Amoklauf am Hauptbahnhof Düsseldorf
Tatverdächtiger war bereits in psychiatrischer Klinik

März 2017: Amok-Lauf am Düsseldorfer Hauptbahnhof
März 2017: Amok-Lauf am Düsseldorfer Hauptbahnhof FOTO: Gerhard Berger
Bei der Axt-Attacke in Düsseldorf sind laut Polizei neun Menschen verletzt worden. Die vier schwerverletzten Opfer sind außer Lebensgefahr. Der mutmaßliche Täter war in Wuppertal polizeibekannt und bereits in einer psychiatrischen Klinik.  Von F. Hein, R. Kowalewsky, H. Pawlitzki, U. J. Ruhnau, C. Schwerdtfeger, Düsseldorf

Der Tatverdächtige Fatmir H. befindet sich nach Angaben der Klinik ebenfalls nicht in Lebensgefahr. Die Verletzungen des 36-jährigen, der aus dem Kosovo stammt und in Wuppertal lebt, seien weit davon entfernt, lebensgefährlich zu sein, hatte die Polizei zuvor mitgeteilt. Er habe mehrere Knochenbrüche und werde daher weiterhin im Krankenhaus behandelt. Von einem terroristischen Hintergrund der Tat gehen die Ermittler nicht aus. 

Nach Informationen unserere Redaktion war der Tatverdächtige bereits wegen Suizidgedanken in einer psychiatrischen Klinik in Wuppertal. "Er ist schon länger psychisch schwer krank", heißt es aus Sicherheitskreisen. Fatmir H. war der Polizei in Wuppertal bereits bekannt. 

Amoklauf am Hauptbahnhof Düsseldorf

Tatverdächtiger nach kurzer Flucht festgenommen

Fatmir H. soll am Donnerstagabend erst in einer S-Bahn, dann im Bahnhof mit einer Axt wahllos auf Passanten eingeschlagen und neun Menschen verletzt haben. Der Mann wurde nach kurzer Flucht festgenommen. Der mutmaßliche Täter war nach der Attacke auf dem Bahnhof über die Gleise gelaufen und dann von einer Brücke mehrere Meter hinab auf eine Straße gesprungen. Die Polizei stellte eine Axt sicher.

Er habe sich in einer "psychischen Ausnahmesituation" befunden, sagte ein Polizeisprecher am frühen Freitagmorgen. "Aufgrunddessen hat er wohl diese Tat begangen." Ein Angehöriger des 36 Jahre alten Mannes habe sich an die Polizei gewandt und das den Ermittlern mitgeteilt. Was für eine Ausnahmesituation das gewesen sei, werde noch ermittelt.  

Humanitäre Gründe verhinderten Abschiebung

Fatmir H. kam 2009 nach Deutschland und hat "aus humanitären Gründen" eine befristete Aufenthaltserlaubnis als Asylbewerber. Er soll abgeschoben werden, aktuell schützt ihn davor ein Bescheid aus dem vorigen Jahr, der nach Informationen unserer Redaktion bis 2018 gilt. In seiner Wohnung wurde noch am Abend ein Attest gefunden, das ihm eine "paranoide Schizophrenie" bescheinigt, zudem zur Erkrankung passende Medikamente. Sein Bruder sagte aus, der 36-Jährige habe sich bedroht und verfolgt gefühlt und deswegen vor einer Woche eine Axt gekauft.

Bei seiner Festnahme sagte Fatmir H., "dass er es darauf angelegt hat, dass ihn die Polizei mit der Schusswaffe stoppt", so der Düsseldorfer Kriminaldirektor Dietmar Kneib. Im Fachjargon wäre dies ein "suicide by cop". Bereits 2015 hatte Fatmir H. mit der Polizei zu tun, als er sich selbst verletzt hatte und der Behörde seine Erkrankung anzeigte. Der ermittelnde Staatsanwalt Martin Stücker spricht jetzt von neunfachem versuchten Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher  Körperverletzung, geht aber zunächst von einer Unterbringung Fatmir H.s in einem JVA-Krankenhaus aus.

Erstmals entschieden, dass Fatmir H. nicht abgeschoben wird, hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) laut Information unserer Redaktion am 10. September 2014. Fatmir H. dürfe nicht abgeschoben werden, weil ihm dann eine Verschlechterung seiner psychischen Krankheit drohe, lautete damals die Begründung laut Paragraph 60, Absatz 7. des Aufenthaltsgesetzes. Dabei spielte eine große Rolle, dass sein Bruder auch in Wuppertal lebt und damit die Situation stabilisierte. Im Gesetz ist dagegen verboten, einen Kranken abzuschieben, wenn eine "schwerwiegende Erkrankung" sich durch die Abschiebung "wesentlich verschlechtern" würde.

Der Tag nach dem Amoklauf in Düsseldorf FOTO: dpa, os kno

Wie der Täter sind auch vier der neun Opfer in der Uni-Klinik operiert worden. Sie wurden gegen 21.30 Uhr in die Unfallchirurgie eingeliefert, die im neuen Zentrum für Operative Medizin II (ZOM II) untergebracht ist. In das Evangelische Krankenhaus (EVK) in Unterbilk waren drei Opfer eingeliefert worden. Zwei wurden später in die Uni-Klinik verlegt, ein Patient ist stationär im EVK verblieben.

Die Polizei hat inzwischen eine Pressekonferenzen zu den Ermittlungen bezüglich des Axt-Angriffs abgehalten. Hier lesen Sie das Protokoll dazu.

Hier lesen Sie das Protokoll des Abends.

Mit Material der Nachrichtenagentur dpa

(heif/csh/hpaw/dpa)
 
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