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Analyse
Ampel will Gymnasium und Gesamtschule

Düsseldorf. Das Thema Schule wird auf dem Weg zu einer möglichen Ampelkoalition eine große Rolle spielen. Ein Themenfeld mit Sollbruchstellen. Wie viel Geld muss in Schulsanierung und Ganztagsausbau fließen? Werden dafür Kredite aufgenommen? Welcher Schultyp hat beim Ausbau der Kapazitäten Vorrang? Von Jörg Janssen

Noch ist nicht klar, ob Sozialdemokraten, Grüne und FDP im Rat der Stadt am Ende tatsächlich eine Ampelkoalition zustande bringen. Sondierungsgespräche gab es bereits, die Chancen für Rot-Gelb-Grün stehen nach dem Wahlsieg des sozialdemokratischen Oberbürgermeister-Kandidaten Thomas Geisel nicht schlecht. Spätestens in der zweiten August-Hälfte soll es konkreter werden. Weit oben auf der Verhandlungsagenda: die Punkte Schule und Bildung. Bereits im Wahlkampf hatten sie eine große Rolle gespielt. Ein Thema mit Sollbruchstellen und Knackpunkten. Vor allem die Liberalen vertreten hier andere Konzepte als Rot-Grün.

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Gymnasien Düsseldorf wächst und damit auch die Zahl der Schüler (siehe Grafik). Zusätzlich steigt der Druck auf die Gymnasien, weil diese Schulform immer beliebter wird. Die FDP fordert deshalb zusätzliche Gymnasialkapazitäten. Auf den ersten Blick lassen die Grünen hier Kompromissbereitschaft erkennen. "Auch wir wollen ein zusätzliches Gymnasium, nämlich das jüdische", sagt Wolfgang Scheffler, der bei künftigen Koalitionsgesprächen zum Thema Schulen eine entscheidende Rolle spielen wird. Jedes weitere zusätzliche Gymnasium lehnt der Vorsitzende des Schulausschusses allerdings kategorisch ab. "Wir werden nicht wegen der Anmeldungen zur fünften Klasse eine Schulform weiter ausbauen, die bis zu einem Drittel der Schüler nach zwei oder drei Jahren mangels Eignung wieder verlassen müssen", argumentiert er. Die FDP lehnt eine solche Festlegung ab. "Der Elternwille entscheidet. Wenn es eine hinreichende Nachfrage gibt, wird es ein zweites zusätzliches Gymnasium in Düsseldorf geben", kontert Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die bereits bei den Sondierungsgesprächen dabei war. Damit liegt sie auf der Linie des künftigen Oberbürgermeisters. Im RP-Gespräch sagte Geisel gestern: "Wenn es genügend Schulempfehlungen gibt und ausreichend Eltern das so wollen, wird - außer dem jüdischen - noch ein weiteres Düsseldorfer Gymnasium gebaut. Ich befürworte hier klar eine nachfrage-orientierte Politik."

Gesamtschule Hier ist Konsens angesagt. Die FDP, die in ihren gemeinsamen Jahren mit der CDU bei diesem Thema immer strikt auf Distanz geblieben war, kann sich nun eine fünfte Düsseldorfer Gesamtschule vorstellen. "Wir wollen allerdings eine Elternbefragung, die uns verlässliche Daten an die Hand gibt", sagt Strack-Zimmermann. Für Grüne und Sozialdemokraten liegt der Fall dagegen klar: Seit langem gehen rund 250 Jungen und Mädchen pro Jahr bei der Suche nach einem Gesamtschul-Platz leer aus. "Auch hier gilt das Nachfrage-Prinzip. Wer will, soll einen Platz bekommen. Und wenn wir dafür eine sechste Düsseldorfer Gesamtschule einrichten müssten, würden wir das tun", sagt Geisel.

Finanzierung Ein heißes Eisen. Geisel war im Wahlkampf von einigen so verstanden worden, dass Schulbau- und Schulsanierung zu jenen Bereichen zählt, bei denen die Aufnahme von Krediten gerechtfertigt sein könnte ("rentierliche Investitionen"). Dagegen hatte Strack-Zimmermann klargestellt, die Koalition bei neuen Schulden platzen zu lassen. Geisel sieht keinen Dissens. "Wir werden uns einigen". Den Masterplan Schulen will er weiterhin mit den bislang bereits üblichen 30 Millionen Euro pro Jahr ausstatten. "Eine Erhöhung halte ich nicht für sinnvoll." Allerdings: Mensen und der Ausbau des Ganztages sollen nicht mehr aus diesem Topf bezahlt werden. Außerdem soll das im Haushalt eingestellte Geld künftig auch tatsächlich ausgegeben werden. Das sieht auch Scheffler so. "Außerdem brauchen wir transparentere Entscheidungen."

Quelle: RP
 
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