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Düsseldorf
Anders lernen in Demokratischer Schule

Düsseldorf: Anders lernen in Demokratischer Schule
Tom Knevels und Cecilia Gläsker sind Initiatoren der Demokratischen Schule Düsseldorf. Ferdinand (1) und Frida (3) könnten dort Schüler werden. FOTO: Young David
Düsseldorf. Die Gründungsinitiative setzt auf ein Schulkonzept, das auf Noten verzichtet und auf den natürlichen Lerndrang setzt. Von Sonja Schmitz

Als vor einiger Zeit der Verein mit der Meldung an die Öffentlichkeit ging, dass die Demokratische Schule Düsseldorf 2017 starten soll, da wunderten sich viele, wie schnell die Pläne dafür umgesetzt werden sollen. Doch der Eindruck trügt, denn so neu ist die Idee einer Demokratischen Schule in Düsseldorf nicht. Schon 2005 hatte es eine Gründungsinitiative gegeben, die allerdings nach einiger Zeit wieder eingeschlafen war.

Bereits damals mit dabei war Tom Knevels, der sich schon im Lehramtsstudium mit dem Vorläufer der Summerhill School und neueren Formen der Schulorganisation als der herkömmlichen befasst hat. An demokratischen Schulen können die Schüler eigenständig entscheiden, was, wann, wie und mit wem sie lernen wollen.

Knevels blieb an dem Thema dran, postete regelmäßig bei Facebook Meldungen und Links und war so Ansprechpartner für Düsseldorfer, die Interesse an einer demokratischen Schule haben. "Ich höre nicht auf, bis es die Schule gibt", sagt er. In den vergangenen anderthalb Jahren hat das Projekt Fahrt aufgenommen. Junge Eltern, die sich in privaten Kitas engagiert hatten und über einen respektvollen Umgang mit Kindern bei Autoren wie dem Familientherapeuten Jesper Juul lasen, machten sich Gedanken, in welcher Art von Schule ihre Vorstellungen am besten umgesetzt würden. So erging es auch Cecilia Gläsker, Fotografin, Filmemacherin und Mutter von Frida (3) und Ferdinand (1). "Man kommt dann an den Punkt, an dem man weiß: Jetzt musst du etwas tun", sagt die 33-jährige Düsseldorferin.

Bei regelmäßigen Treffen im Niemandsland in Oberbilk tauschen sich die Eltern aus und schauen sich Filme über das Thema Lernen und demokratische Schulen an. "Alphabet" von Erwin Wagenbauer ist so ein Film, der nicht nur bei Cecilia Gläsker die Begeisterung für diese selbstbestimmte Art des Lernens geweckt hat.

"Eigeninitiative nimmt einen großen Raum ein, die Kinder bestimmen, welches Projekt sie machen wollen", sagt sie. Wissen werde dann vermittelt, wenn es gebraucht wird. Wer beispielsweise ein Boot baut und auf Probleme stößt, sei motivierter, die nötigen Berechnungen dafür anzustellen, als wenn er bloß eine Rechenaufgabe lösen soll. "Mathe ist dann ein Werkzeug, um ein Ziel zu erreichen."

Damit das Projekt so bald wie möglich Realität wird, arbeiten die Vereinsmitglieder aufgeteilt in acht Teams an Fragen wie dem Antragsverfahren bei der Bezirksregierung, dem Finanzplan, dem pädagogischen Konzept oder den Räumlichkeiten. Bei der Suche nach einem Schulstandort hat sich der Verein an das Schulverwaltungsamt gewandt und derzeit ein leerstehendes Verwaltungsgebäude in Reisholz in Aussicht ("eine Villa mit Park"), das mit wenig Aufwand herzurichten wäre. Der Verein setzt dabei auf Fachwissen aus den eigenen Reihen. "Wir kommen aus verschiedensten Berufen und haben vier Architekten mit dabei, wir sind ein starkes Team", sagt Cecilia Gläsker.

Neben 70 Schülern, die laut Verein auf der Interessenliste stehen, gebe es bereits für die Lehrerstellen Bewerber. Von dem Düsseldorfer Schulprojekt erfahren haben sie auf den Internetseiten der Organisationen Eudec (European Democratic Education Community) und BFAS (Bund freier aktiver Schulen). Mit der Zeit hat sich der Verein ein Netzwerk von Akteuren im Bereich der demokratischen Schulen aufgebaut. Vor allem mit der Freien Aktiven Schule Wülfrath, die es seit zehn Jahren gibt, stehen die Düsseldorfer im Austausch.

Quelle: RP
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