| 18.31 Uhr

Silvesternacht in Düsseldorf
Angeklagter leugnet Übergriffe auf Frauen

Düsseldorf. Am Mittwoch hat der Prozess gegen einen 30-Jährigen aus Bangladesch begonnen. Drei Opfer erkannten den Mann im Saal wieder.

Die Übergriffe junger Männer auf wildfremde Frauen an Silvester in der Altstadt standen am Mittwoch im Mittelpunkt eines Prozesses beim Amtsgericht. Einem 30-Jährigen aus Bangladesch wird vorgeworfen, aus einer Gruppe von Landsleuten heraus drei junge Frauen (18 bis 20 Jahre alt) eingekesselt und die Opfer vielfach an intimsten Stellen betatscht zu haben. Einer der Frauen war dabei noch die Handtasche entrissen worden, der Angeklagte soll das bei einer weiteren Frau vergeblich versucht haben. Schon zu Prozessbeginn vor einer Woche hatte er alle Vorwürfe empört zurückgewiesen. Am Mittwoch haben alle drei Frauen im Zeugenstand den 30-Jährigen allerdings wiedererkannt.

Einer der Frauen standen noch lange nach ihrer Zeugenanhörung die Tränen in den Augen. Eine andere sagte, sie sei nach dem Vorfall in der Silvesternacht wegen psychischer Probleme vier Wochen lang krankgeschrieben worden, sei seitdem "abends gar nicht mehr unterwegs", denn geblieben sei "immer die Angst eben. Man guckt sich halt um, ob irgendwo was ist."

Mit ihren Freundinnen sei sie damals an der Bolker Straße in einen Pulk von etwa zehn bis 15 fremden Männern geraten. Die Gruppe habe die Frauen umstellt, sie voneinander getrennt und jede von ihnen in ihrer schutzlos ausgelieferten Lage überall angefasst. "Das ging im Sekundentakt, etwa fünf Minuten lang", so die Zeugin Zuletzt habe der Angeklagte noch an ihrer Tasche gerissen, wenn auch vergebens.

Eine ihrer Freundinnen hatte nicht so viel Glück: Ihr wurde die Handtasche mit einem 800-Euro-Handy geraubt. Das hatte sie erst tags zuvor von ihrem ersten Sold als Bundeswehr-Soldatin gekauft. Auch eine ihrer Freundinnen ist Zeitsoldatin. Alle drei waren am Mittwoch sicher, dass der an einer Narbe unter dem Auge leicht erkennbare Angeklagte einer dieser Haupttäter gewesen sei.

Der behauptet allerdings, er habe nichts getan, sei mit mehreren Landsleuten nur zum Feiern in der Altstadt gewesen. Einer sei dann wegen Handtaschenraubes festgenommen worden. Der Angeklagte habe für diesen Kumpel bei der Polizei nur als Übersetzer fungiert - und sei plötzlich selbst als Täter beschuldigt worden. Da er dafür jetzt seine damaligen Begleiter als Zeugen benannt hat, will das Gericht den Prozess in drei Wochen mit der Vernehmung dieser Freunde fortsetzen. Bis dahin bleibt der 30-Jährige weiterhin in U-Haft.

(wuk)
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