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Innenstadt von Düsseldorf
Angst vor Diesel-Fahrverbot geringer als erwartet

Innenstadt von Düsseldorf: Angst vor Diesel-Fahrverbot geringer als erwartet
Monika Lenzen: "2013 bin ich auf Diesel umgestiegen, weil es günstiger ist. Das Fahrverbot finde ich gut. Ich möchte ohnehin lieber auf ein E-Fahrzeug umsteigen. Das ist besser für die Umwelt." FOTO: Elena Erbrich
Düsseldorf. Große Unternehmen stellen sich auf die Verkehrswende ein, Probleme werden vor allem im Handwerk erwartet. Die Meinung bei den Verbrauchern hängt von der persönlichen Situation ab. Von Thorsten Breitkopf, Elena Erbrich und Uwe-Jens Ruhnau

Unternehmen Düsseldorfs Unternehmer sind gespalten in Sachen eines möglichen Dieselverbots. "Für uns wäre es keine Katastrophe", sagt Frank Theobald, Chef des Dienstleisters Klüh. Viele Ausschreibungen würden bereits heute so formuliert, dass auf den Werksgeländen der Kunden Elektrofahrzeuge zum Einsatz kommen müssten. "Wir sind eine Vorreiterstadt, und das müssen wir auch beim Klimaschutz bleiben", sagt Theobald. Bei Siemens sind ebenfalls moderate Töne zu hören. "Der Anteil an Diesel-Fahrzeugen bei uns ist verschwindend gering", sagt Sprecher Georg Lohmann. Mitarbeiter bekämen Zuschüsse, wenn sie sich für ein Hybrid- oder Elektroauto entschieden. Die Flotte bei der Provinzial umfasst 149 Fahrzeuge, davon sind 105 Diesel, es haben jedoch 93 die Euroabgasnorm 6, für die voraussichtlich kein Fahrverbot gilt.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) sieht ein Dieselverbot weitaus kritischer. "Die wesentliche Alternative zum Diesel-Pkw ist ein Benzin-Pkw mit den entsprechenden Nachteilen bei der CO2-Bilanz. Durchschnittlich liegen die CO2-Emissionen bei Benzinern 20 Prozent über denen eines Diesels. Um die Klimaschutzziele nicht zu verfehlen, brauchen wir den Diesel daher", sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Gregor Berghausen. Die Unternehmerschaft, die vor allem die Industrie vertritt, ist ebenfalls alarmiert. "Ein Dieselverbot wäre für die Wirtschaft unerträglich. 85 Prozent der Fahrzeuge in der Industrie sind Diesel", sagt Hauptgeschäftsführer Michael Grütering. Er lehnt auch eine Verbotszone ab. "Einzelne dieselfreie Straßenzüge müssen reichen", sagt Grütering.

Handwerk Das Handwerk gilt als erbittertster Gegner eines Verbots. Nach einer Umfrage der Handwerkskammer sind 83 Prozent des Fuhrparks des Handwerks dieselbetrieben, wegen der hohen Energieausbeute dieses Kraftstoffs und dessen staatlicher Förderung. "Eine Aussperrung von Dieselfahrzeugen wird es nicht geben können, da nahezu der gesamte Liefer-, Bau-, und Monteursverkehr dieselbetrieben ist", sagt Handwerkskammer-Präsident Andreas Ehlert. "Fahrverbote sind unverhältnismäßig." Das sieht man selbst in der Elektro-Innung so. Obermeister Georg Eickholt veranstaltete mehrere Jahre den E-Aktionstag am Rhein. Er hat selbst E-Autos in der Flotte. "Aber solange die Industrie uns keine reichweitenstarken E-Autos zur Verfügung stellt, ist ein Dieselverbot undenkbar", sagt Eickholt. E-Autos müssten für Arbeitnehmer steuerlich attraktiver gestaltet werden, sagt Eickholt. "Wir brauchen eine mehrjährige Übergangsfrist." Als Katastrophe bezeichnet Detlev Thedens, Obermeister der Karosseriebauer, ein Dieselverbot. 25 seiner 36 Fahrzeuge sind Diesel. "Wir könnten von heute auf morgen nicht mehr liefern, dabei haben wir eine hochmoderne Flotte", so Thedens.

Alexander Kaplan: "Ich fahre jeden Tag 100 Kilometer, deshalb habe ich mir einen Diesel geholt. Ein Verbot wäre wirklich schlecht für mich. Aber für die Politik und Wirtschaft ist das natürlich eine gute Möglichkeit, die Wirtschaft zu anzukurbeln." FOTO: Elena Erbrich

Naturschutz Selbst Naturschützer haben Zweifel an einem abrupten Dieselverbot. "Ich glaube es nicht, bevor ich es sehe", sagt Nabu-NRW-Chef Josef Tumbrinck. Er hält es zwar für notwendig, aber: "Man braucht einen planbaren Zeitraum, das wurde verpennt. Jetzt muss Düsseldorf das Versagen des Bundes ausbaden", so Tumbrinck.

Politik Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher (CDU) hält ein Fahrverbot in Düsseldorf für wahrscheinlich, relativiert dies nun aber. Denn die CDU/FDP-Koalition im Land will dies abwenden. Der Landtagsabgeordnete Olaf Lehne (CDU) fordert "eine differenzierte Diskussion", ein neuer Diesel werde ohne Probleme in die City kommen. Rainer Matheisen (FDP) hält das Jahr 2020 als Zielmarke für die Einhaltung der Stickoxid-Grenzwerte für richtig und verweist auf Krefeld. Radermacher sagte gestern, Ziel aller Beteiligten sei es, die Grenzwerteinhaltung durch andere Maßnahmen als Fahrverbote zu erreichen.

Guido Heidkamp: "Mein Diesel-Auto ist nur geleast. Ich würde es aber trotz Verbot kaufen und dann von Korschenbroich mit dem Zug nach Düsseldorf zur Arbeit fahren. Später will ich mir dann ein E-Auto mit Photovoltaik kaufen." FOTO: Elena Erbrich
Quelle: RP
 
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