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Düsseldorf
Anlagenbauer SMS entlässt 200 Mitarbeiter

Düsseldorf: Anlagenbauer SMS entlässt 200 Mitarbeiter
Heinrich Weiss ist Aufsichtsratsvorsitzender und Eigentümer des Düsseldorfer Maschinen- und Anlagenbauers SMS Group. Sein Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf beschäftigt weltweit rund 14.000 Mitarbeiter. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Der Standort in Hilden wird geschlossen, die Mitarbeiter gehen nach Düsseldorf. Insgesamt werden bis 2017 rund 1200 Stellen abgebaut - das ist deutschlandweit jede dritte. Ursache ist die Stahlkrise. Von Thorsten Breitkopf

Die Krise der Stahlindustrie trifft erneut Düsseldorf. Nach der Ankündigung des Rohrherstellers Vallourec, Stellen abzubauen, hat sich nun auch der Maschinen- und Anlagenbauer SMS Group zu diesem Schritt entschlossen. Deutschlandweit werden 1200 Jobs bis 2017 gestrichen. Das entspricht dem Abbau von fast jeder vierten Stelle in der Bundesrepublik, 5250 Arbeitsplätze gab es im Kerngeschäft von SMS in Deutschland (Stand 2014). Konzernweit gibt es aber mehr als 14.000. Nach Angaben eines Sprechers wird es in den anderen Sparten von SMS, etwa Elexis oder dem Stahlkonzern Würth, keinen Stellenabbau geben.

Während 1000 Arbeitsplätze sozialverträglich, etwa durch Verrentung, reduziert werden, werden nun 200 Kündigungen ausgesprochen. In Düsseldorf, wo sich die Konzernzentrale von SMS an der Eduard-Schloemann-Straße befindet, werden 60 Mitarbeiter betriebsbedingt gekündigt, ein weiterer am Standort in Hilden.

Für den Standort in Hilden, wo die Sparte "Bandanlagen" beheimatet ist, bedeuten die aktuellen Sparmaßnahmen das Aus. Dort arbeiten zurzeit 140 Mitarbeiter. Wie unsere Redaktion aus dem Umfeld der Firma erfuhr, wurde die Belegschaft gerade über den Umzug informiert. In Hilden hat SMS demnach Räumlichkeiten angemietet, in Düsseldorf ist die Zentrale Eigentum des Unternehmens. Da dort nach und nach Büroflächen durch Stellenabbau frei werden, ist dann Platz für die heute in Hilden arbeitenden Mitarbeiter.

Bei SMS bemüht man sich um Schadensbegrenzung, nachdem auf den Messen Wire und Tube vor wenigen Wochen in Düsseldorf noch ein Großauftrag über 200 Millionen Euro abgeschlossen worden war. "Neben den notwendigen Anpassungen werden wir zur Zukunftssicherung am Ausbau der Wachstumsfelder Digitalisierung, Stichwort Industrie 4.0, Modernisierung, Elektrik, Automation sowie Energie und Umwelttechnik wie geplant festhalten", sagt Burkhard Dahmen, Vorsitzender der Geschäftsführung von SMS.

Überraschend hatte SMS die Verlegung seiner Konzernzentrale nach Mönchengladbach vor einem Jahr abgesagt. Der Konzern des Düsseldorfers Heinrich Weiss hatte geplant, auf einem Areal in Mönchengladbach eine neue Firmenzentrale zu errichten. Dort sollten neben den 1000 Mitarbeitern aus dem alten Firmensitz in Flingern auch Beschäftigte von sieben weiteren Standorten arbeiten. Als Grund der Absage waren die Probleme der Stahlbranche genannt worden. Auch diesmal weist das Management darauf hin, dass die "weltweit anhaltende Krise der Stahl-, Kupfer- und Aluminiumindustrie und der damit verbundende Auftragsrückgang" Auslöser der Sparprogramme ist. Die Branche leidet unter dem niedrigen Ölpreis und einer großen Überkapazität an Stahlwerken . Insbesondere Billigstahl aus China lässt den Neubau von Stahlwerken unrentabel erscheinen, das aber ist das Hauptgeschäft von SMS.

Ungeachtet des Jobabbaus lädt SMS-Eigentümer Weiss für Donnerstag zum Konzert im Rahmen des Klavierfestivals Ruhr in den Schumannsaal. Es wird erstmals nicht von SMS, sondern im Rahmen eines privaten Mäzenatentums von Heinrich und Susan Weiss gesponsert - wohl auch mit Blick auf die schlechten Nachrichten.

Quelle: RP
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