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Düsseldorfer Luisen-Gymnasium
Schülerin erlebte Terrornacht in Paris: "Vergisst man nicht"

Anschläge in Paris: Düsseldorfer Schülerin erlebte Terrornacht
Die Schüler des Luisen-Gymnasiums drücken ihr Mitgefühl mit einer Menschenkette aus. FOTO: Hans-Juergen Bauer
Düsseldorf. Nach den Anschlägen in Paris gab es am Montag gegen 12 Uhr eine europaweite Schweigeminute, um der Opfer zu gedenken. Daran hat auch das Düsseldorfer Luisen-Gymnasium teilgenommen, das durch den bilingualen Bildungsgang mit Abitur und Baccalauréat, dem höchsten französischen Schulabschluss, eine ganz besondere Verbindung zu Frankreich hat. Von Jan Franco

"Bei uns ist der Anteil der französischen Schüler sehr hoch", erzählt Zwölftklässler Julius Jérôme. "Wir haben uns neben der Schweigeminute auch für eine Menschenkette um die Schule entschieden, was eine Intention der Schüler und Lehrer war.

Die Kette zeigt, dass wir als Schule gemeinsam trauern und mitfühlen", fügt Zwölftklässlerin Linn hinzu. Hand in Hand versammelten sich die 680 Schüler um das Luisen-Gymnasium, an der Bastionsstraße in der Stadtmitte. Einige hielten Plakate hoch. "Pray for Paris", "Wir trauern mit Paris" oder auch "Humans but no Humanity" waren die Botschaften.

"Dachten noch, es war ein Böller"

Terror in Paris

Eine der Schülerinnen hat den Terror hautnah erlebt: "Ich war Freitag in Paris im Stadion und schaute das Länderspiel mit meinem Vater und meiner Schwester", erzählt die 15-jährige Jasmin, "als die erste Explosion zu hören war, dachten wir noch, es war ein Böller, den jemand im Stadion gezündet hat, beim zweiten Knall war das schon anders."

Sie saßen in Block-H, dem Bereich, in dem als erstes Panik entstanden ist und Menschen aufs Spielfeld stürmten. "Erst haben wir uns nach oben in Sicherheit gebracht, später waren wir dann auch auf dem Rasen. Sorgen habe ich mir da noch nicht gemacht, denn ich wusste nicht, dass Terroristen unterwegs waren."

So gedenkt die Region der Opfer in Paris FOTO: dpa, mjh wst

Das habe sich nach einem Anruf ihrer Mutter geändert: "Als mich meine Mutter anrief und mir das mit den Bomben erzählte, bekam ich Angst." Als die Ausgangstore des Stade de France schließlich geöffnet worden seien, habe es jeder eilig gehabt, eine wirkliche Massenpanik sei dort aber nicht entstanden. Erstmal nach draußen gekommen, musste die 15-Jährige noch ihre Pariser Unterkunft erreichen. "Wir wollten mit dem Bus fahren, doch alles war abgesperrt. So sind wir die ganze Nacht bis zum Hotel gelaufen."

Vergessen wird Jasmin das Erlebnis nicht: "So etwas vergisst man nicht. Es ist furchtbar, was passiert ist und wenn man selbst dabei war, ist das noch einmal etwas anderes. Ich finde toll, dass meine Schule mit der heutigen Aktion zeigt, dass wir mitfühlen." Dem stimmen auch Linn und Julius Jérôme zu.

"Man betrachtet die Welt nun mit anderen Augen. Durch solche terroristischen Akte können weitere radikalen Meinungen auch in der Flüchtlingsdebatte entstehen. Es schockiert uns, wie viele Menschen trotz den Erfahrungen und der Vergangenheit unseres Landes zu Rassismus neigen", sagt Julius Jérôme. "Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten, egal welcher Nationalität oder Religion man angehört", so Linn.

(jaf)
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