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Düsseldorf
Anwälte im Rotlicht-Prozess wollten entlassen werden

Rotlicht-Razzia Düsseldorf – die Beweismittel
Rotlicht-Razzia Düsseldorf – die Beweismittel FOTO: dpa, Daniel Naupold
Düsseldorf. Die Verteidiger des Hauptangeklagten im Rotlicht-Prozess wollten am Montag das Handtuch werfen. Vom Landgericht forderten die Anwälte von Ex-Bordell-Besitzer Tomas M. (51) ihre Entlassung aus dem Mammutprozess, weil ihr Vertrauensverhältnis zum Mandanten schwer gestört sei. Von Wulf Kannegiesser

Zuvor war bekannt geworden, dass M. in rund 100 heimlich aus dem Gefängnis geschleusten Briefen angeblich anklingen ließ, seine Anwälte seien über seine illegale Kommunikation informiert. Bevor das Ausscheiden seiner Verteidiger aber zum abrupten Ende des seit Juni 2013 laufenden Prozesses führen konnte, entschied das Landgericht: Die Anwälte müssen bleiben, der Prozess geht weiter.

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Seit fast drei Jahren prüft das Landgericht die Betrugs-Vorwürfe gegen M. und zwei seiner Ex-Mitarbeiter. Sie sollen unter Anleitung von M. 20 Bordell-Kunden mit Drogen, K.-O.-Tropfen oder Alkohol betäubt, deren Kreditkarten bis ans Limit belastet, einen Schaden von rund 300.000 Euro verursacht haben. Fünf weitere Verdächtige aus dem Dunstkreis von M. müssen sich noch in getrennten Verfahren verantworten.

Vor wenigen Wochen waren bei Durchsuchungen in der U-Haft-Zelle von M. sowie in Wohnungen von einigen seiner Vertrauten aber rund 100 Briefe entdeckt worden, die M. aus der U-Haft herausgeschmuggelt hatte. Da einige Briefe angeblich klare Anweisungen enthielten, wie man mit künftigen Zeugen oder der Presse umgehen sollte, hat die Staatsanwaltschaft durchgesetzt, dass die Mitangeklagten von M. wieder in U-Haft genommen wurden. Jetzt wurde bekannt, dass M. in den Briefen wohl auch seine Anwälte ins Gerede gebracht hat, indem er angedeutet habe, sie seien über die illegalen Brief-Anweisungen informiert. Das haben sich seine Anwälte verbeten.

Doch das Gericht hat das nach mehr als 200 Prozesstagen und Prozesskosten von über einer Million Euro zurückgewiesen. Ein gestörtes Vertrauen zu M. könnten die Anwälte "nicht allein auf Andeutungen" stützen. Wenn M. durch solche Tricks nämlich bestimmen könne, ob der Prozess abgebrochen oder fortgesetzt wird, wäre dies "entgegen dem Interesse der Allgemeinheit", so die Richter. Die habe Anspruch auf eine "funktionstüchtige Rechtspflege". Also müssen die Anwälte hinnehmen, falls sie von M. in die Nähe seiner Tricksereien gerückt würden. Am Dienstag geht der Prozess weiter.

Quelle: RP
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