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Düsseldorf
Anwohner fühlen sich von Rechten bedroht

Düsseldorf: Anwohner fühlen sich von Rechten bedroht
Angelika Kraft-Dlangamandla (r.) sieht sich oft mit trinkenden und rechtsextremen Jugendlichen konfrontiert. FOTO: RP-Foto; David Young
Düsseldorf. In Garath sorgt eine Gruppe von etwa 20 Menschen für Ärger. Hat der Stadtteil wirklich ein Problem? Von Torsten Thissen

Für den flüchtigen Beobachter ist Garath ja nur ein weiterer dieser auf der Grünen Wiese geplanten Stadtteile der Nachkriegszeit. Hochgeschossige Bauten, dazwischen Grün, das die Wege zu den Wohnungen letztlich nur länger macht. Und doch ist Garath auch Heimat, Zuhause. Ein Zuhause, in dem sich manche aber nicht mehr wohlfühlen. Und das liegt an einer Gruppe von Trinkern, zu denen sich oft auch Rechtsradikale gesellen. Oder "Leute mit explizit rechter Gesinnung" oder "Rechtsaffine" oder eben "ein paar Jugendliche, auf die man ein Auge haben muss".

Garath: Teile der Anwohner sorgen sich

Wie man die Menschen, die in den letzten Wochen und Monaten vermehrt Anwohner bepöbeln und sogar bedrohen, bezeichnet, liegt wohl im Auge des Betrachters.

Sicher ist, dass sich Angelika Kraft-Dlangamandla, Ratsmitglied für Die Linken, bedroht fühlt. Regelmäßig versammeln sich Menschen vor ihrem Fenster, die mit steigendem Alkoholkonsum aggressiv werden, wie die Politikerin sagt. Ein bisschen ist sie ja in einem Dilemma. Sie möchte den Stadtteil nicht schlecht machen, "hier leben viele nette und engagierte Menschen", sagt sie, "die Rechten aber sind eine Schande für Garath", fügt sie hinzu. Mehrmals hat sie um Ruhe gebeten, hat beobachtet, wie die Gruppe Passanten bedrohte, mehrmals ist sie selbst bedroht worden. Letztlich ist ihr der Kragen geplatzt, im Ausschuss für Gesundheit und Soziales sprach sie von einer "No-Go-Area" in Garath. Das sei wohl ein bisschen überspitzt gewesen, gibt sie zu, aber große Sorgen macht sie sich, und Angst hat nicht nur sie.

"Wir haben schon lange Probleme in Garath und wissen darum. Die Kollegen kümmern sich auch und nehmen das sehr ernst", sagt ein Polizeisprecher. Allerdings beschwichtigt er auch: Von einer rechtsradikalen Szene, die sich in Garath breit mache, zu sprechen, sei übertrieben. Stattdessen gebe es einige Alkoholkranke, die von "Rechtsaffinen" unterwandert würden. Eigentlich seien sie ganz friedlich, wenn man sie denn in Ruhe lasse. "Man kann wenig machen, solche Menschen gehören auch manchmal zum Alltag in einer Großstadt."

Für manche Jugendliche in Garath ist das eher eine Verharmlosung. Sie fühlen sich bedroht. "Wir müssen aufpassen, wo wir hingehen", sagt Marcel B. etwa. Der 16-Jährige ist schon oft von den Rechten bedroht worden. Er geht ihnen inzwischen aus dem Weg, "aber irgendwie kann das ja nicht sein", sagt er. Auch in der Bezirksverwaltungsstelle kennt man das Problem. Es handele sich um eine Gruppe von etwa zwölf bis 20 Personen, die das Zentrum von Garath unsicher machen würden, heißt es. Und man verweist auf die Zusammenarbeit mit Polizei und OSD, die regelmäßig neuralgische Punkte "bestreifen" würden und die Gruppe so zumindest in Bewegung halten. Auch die Stadtteilpolitik baut auf die Polizei. Klaus Mauersberger, stellvertretender Bezirksbürgermeister, warnt: "Man muss aufpassen, dass die Rechten nicht mehr Zulauf bekommen. Gerade in der jetzigen Situation." Auch er aber hält die Einschätzung, dass es sich in Garath um eine No-Go-Area handelt, für übertrieben. Dennoch müsse man über den kriminalpräventiven Rat die Situation beleuchten.

Anwohner berichten von Verwahrlosung, davon, dass die Leute auf dem Spielplatz urinieren. Auch an der S-Bahn-Station trieben sich Rechte herum. Yildiz Bulut kommt mit ihren Kindern oft hier vorbei, den Spielplatz meidet sie, aber zum Einkaufen sei das hier nun einmal der schnellste Weg. Auch sie ist angepöbelt worden. "Ich weiß, dass das Idioten sind, aber trotzdem war ich zuerst schockiert." Die Familie würde wegziehen, wenn sie sich denn eine andere Wohnung leisten könnte. "Eigentlich ist es ja auch gut, hier zu leben. Die Wohnung ist groß genug, preiswert, auch habe ich es nicht weit zur Arbeit als Schneiderin. Warum soll ich eigentlich gehen?", fragt sich Frau Bulut. Angst hat sie keine. Aber auch sie befürchtet, dass es irgendwann einmal zu Gewalttaten kommt. Zumal die Stimmung aufgeheizt sei durch die Flüchtlingsdebatte.

Quelle: RP
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