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Düsseldorf
Appell für mehr Deutsch und Französisch

Düsseldorf: Appell für mehr Deutsch und Französisch
Laden zum deutsch-französischen Kongress (v.l.): Gereon Fritz (VDFG für Europa), Hans Herth (FAFA für Europa) und Cornelis Canenbley (DFK). FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Die Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften für Europa veranstaltet bis Sonntag ihren 60. Jahreskongress in Düsseldorf. Im Zentrum steht die Förderung der Sprachen beider Länder als Basis für eine stärkere Partnerschaft. Von Denisa Richters

Als vor einigen Jahren die deutsche Band Tokio Hotel auf ihrem Höhepunkt war, galt es unter jungen Franzosen als schick, Deutsch zu lernen. Der Trend flaute aber so schnell ab, wie er entstanden war. Es gibt landesweit nur zwei deutsche Schulen, nur ein Prozent der Grundschüler des Nachbarlands lernt Deutsch. 2008 waren es zehn Prozent. Nun reformiert Frankreich sein Schulsystem und setzt dem Deutschunterricht weitere Hürden. Umgekehrt nimmt auch in Deutschland die Bereitschaft ab, Französisch als Fremdsprache zu wählen: "Durch G8 ist alles viel gedrängter, Französisch-Leistungskurse kommen so gut wie nicht mehr zustande", sagt Gereon Fritz. "Ohne Sprache gibt es aber kein echtes Gespräch."

Fritz ist Präsident der Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften VDFG für Europa und richtet gemeinsam mit seinem Amtskollegen des französischen Pendants FAFA, Hans Herth, den 60. Jahreskongress mit 230 Teilnehmern aus beiden Ländern aus. Das Hauptthema: die Förderung der beiden Sprachen im jeweils anderen Land. "Um sich zu verstehen, reicht es nicht, nur Vokabeln und Grammatik zu lernen", sagt Herth. "Sprache lernt man nur über Motivation und Abschaffung der Grenzen."

Cornelis Canenbley, Präsident des Deutsch-Französischen Kreises in Düsseldorf, führt weitere Beispiele an: Die Wirtschaft sei inzwischen in Frankreich und Deutschland sprachlich anglo-amerikanisch dominiert, auch in Brüssel sei Französisch längst durch Englisch als Arbeitssprache verdrängt worden. "Nur als Diplomatensprache spielt Französisch noch eine tragende Rolle."

Auf dem Programm des Kongresses stehen Ateliers (das englische Wort Workshop wird vermieden) mit spannenden Teilnehmern: So diskutieren Claire Doutriaux von der Arte-Sendung Karambolage und Ulrike Lange von der Vereinigung der Französischlehrenden über das "richtige" Kommunizieren in den deutsch-französischen Beziehungen. "Ohne Sprache kein Geschäft" heißt ein Atelier mit Renée Gualano-Bocklage, Präsidentin des Club des Affaires Düsseldorf, und Anne-Laure de Coincy, in der französischen Botschaft Gesandte für Wirtschaftsangelegenheiten. Es geht um die ökonomische Komponente der deutsch-französischen Freundschaft - und um die Rolle der Sprache dabei.

Einer der Höhepunkte findet am Sonntag auf dem Böhler-Areal statt: Dann wird nicht nur der Jugendtheaterpreis des VDFG vergeben, sondern auch der Elsie-Kühn-Leitz-Preis. Zu dessen Trägern zählen Helmut Kohl, Hans-Dietrich Genscher, Jean-Claude Juncker, Valérie Giscard und Jacques Delors. Erstmals geht die Auszeichnung für besondere Verdienste in den deutsch-französischen Beziehungen an eine Frau: die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. Bei einem Juniorenforum erarbeiten 30 Jugendliche aus beiden Ländern Vorschläge für die Beziehungspflege. Frankreichs Botschafter Philippe Etienne wird deren Engagement in seiner Eröffnungsrede besonders hervorheben. Denn es geht auch um Nachwuchsarbeit der Gesellschaften. Düsseldorf wurde bewusst für die Jubiläumsveranstaltung ausgesucht, denn die Stadt ist besonders frankophil: 240 französische Unternehmen haben in der Region ihren Sitz, rund 9000 Franzosen im Umfeld. Es gibt eine französische Schule, ein deutsches Gymnasium, an dem das französische Abitur gemacht werden kann, ein französisches Generalkonsulat sowie Institute und Vereine, die den Austausch pflegen.

Quelle: RP
 
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