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Düsseldorf
Apps erleichtern Leben von Behinderten

Düsseldorf: Apps erleichtern Leben von Behinderten
Die Lupe für den mobilen Einsatz vergrößert, speichert, liest vor: Handy Tech hat eine multifunktionale Lupe für Sehgeschädigte entwickelt. FOTO: Messe
Düsseldorf. Morgen startet die Rehacare, die Messe für alles rund um technische Hilfen von Menschen mit Behinderung. Von Natascha Plankermann

Sei vorsichtig, wenn du einen Menschen mit Behinderung einstellst - solche Warnungen sollen künftig nicht mehr gelten, dank neuer Gesetze und Hilfen bei der Arbeit. Daran arbeiten die Beteiligten der Messe Rehacare, bei der sich ab morgen vier Tage lang alles rund um die Bedürfnisse und Anliegen von Menschen mit Behinderung und Pflegebedarf dreht. Was bedeutet, dass einerseits aktuelle Apps und technische Unterstützungsmöglichkeiten vorgestellt und gleichzeitig im Rehacare-Forum (Halle 3) über laufende Gesetzgebungsverfahren (etwas die Hilfsmittelreform oder das Bundesteilhabegesetz) diskutiert wird. "Die Rehacare verzeichnet das beste Ergebnis ihrer 39-jährigen Geschichte", stellt Joachim Schäfer, Geschäftsführer der Messe Düsseldorf, zur Eröffnungspressekonferenz fest. 916 Aussteller aus 36 Ländern, darunter 462 Gäste aus dem Ausland, präsentieren in sechs Messehallen ihr Angebot. Jeder Zweite kommt laut Schäfer aus dem asiatischen Raum, außerdem ist Brasilien zum ersten Mal mit einer Länderschau dabei.

Ein wichtiges Messe-Thema: Mobil bleiben, auch mit einem Handicap. Damit das funktioniert, gibt es immer mehr so genannte Aktivrollstühle, deren Maße und Funktionen an individuelle Bedürfnisse angepasst werden können - die Leichtgewichte von um die sieben Kilogramm können schnell zusammengeklappt werden. Das gilt auch für Rollatoren, die jetzt stylish werden. So hat etwa das Porsche Design-Studio Berlin mitgeholfen, eine solche Gehhilfe zu kreieren.

Spezielle Apps sollen ebenfalls dabei unterstützen, in Bewegung zu bleiben: Sie erinnern Rollifahrer beispielsweise daran, wann sie die Sitzposition wechseln sollten. "Co-Seat" heißt das entsprechende System des Remscheider Unternehmens Motion Solutions (moso), an dem Wissenschaftler der US-Universität Pittsburgh mitgearbeitet haben. Ihm liegt eine Cloud zugrunde, in die der Arzt einen Therapieplan einpflegt. Apropos App: In Halle 6 zeigen 30 Kfz-Spezialisten, wie mit mobiler Unterstützung nicht nur Scheibenwischer, Blinker und Fensterheber bedient, sondern auch ein Rollstuhllift ausgefahren werden kann. In der Planung: Gas geben, lenken und bremsen durch eine App.

Weil Menschen mit einem Handicap - also etwa Rollstuhlfahrer - am besten wissen, was andere in einer ähnlichen Situation als Fahrhilfe benötigen, ist das für den Hildener Unternehmer Frank Rösner eine Zusatzqualifikation: Die Hälfte seiner 50-köpfigen Belegschaft sind Menschen mit Behinderung; damit gehört die Kadomo-Mobilitätsmanufaktur zu den Integrationsunternehmen, die eine besondere Unterstützung vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) bekommen. Das Team von Kadomo wird auf der Rehacare in einer gläsernen Manufaktur ein Auto auseinandernehmen, mit speziellen Fahrhilfen ausstatten und für einen Kunden neu zusammenbauen.

"2015 hat das LVR-Integrationsamt mit 49,7 Millionen Euro die Beschäftigung schwerbehinderter und gleichgestellter Menschen im Rheinland unterstützt", sagt Christoph Beyer, Leiter des Integrationsamts in Köln. Damit wurden 1348 Jobs auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt für Menschen mit Handicap geschaffen - einige von ihnen auch bei Kadomo in Hilden. Das sind nur einige Facetten der Messe, die darüber hinaus wieder Angebote für barrierefreies Wohnen (Halle 3) und Reisen (Halle 5) bereithält.

Quelle: RP
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