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Chronologie
Die geplatzten Träume für den Düsseldorfer Aquazoo

Aquazoo in Düsseldorf: Chronologie der Sanierung
Kein Durchgang - der Aquazoo ist immer noch für Besucher geschlossen. So sieht es derzeit im Innern aus. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Erst große Pläne, dann Frust auf der Baustelle: Die Sanierung von Düsseldorfs beliebtestem Museum, dem Aquazoo, ist ein Auf und Ab der Gefühle. Hier gibt es die bewegte Chronik. Von Arne Lieb

1994 Der Aquazoo brummt. Rund 600.000 Besucher pro Jahr strömen in das acht Jahre zuvor geöffnete Gebäude im Nordpark. Der neue Zoodirektor Wolfgang Gettmann träumt von einer Erweiterung. Nicht nur, dass keine weiteren Gehege geschaffen werden können, es fehlt zum Beispiel auch eine Cafeteria. Gettmann ist hoffnungsvoll, denn aus der Stadtverwaltung signalisiert man ihm Interesse, zudem gilt der Freundeskreis des Museums als wohlhabend. Wenig später legt ein Architekt erste Pläne vor, unter anderem mit einer Anlage für Seehunde. Die Politik kann sich aber nicht dafür erwärmen.

2000 Jetzt wird es spektakulär: Eine Investorengruppe will den Zoo auf die Hafenspitze verlegen. Der Architekt Peter Chermayeff legt einen Entwurf vor. Am Ende fehlen aber Geld und eine Verkehrsanbindung, darüber hinaus befürchtet der Freundeskreis, dass die Exponate des angeschlossenen Naturkundemuseums keinen Platz finden. Das Vorhaben scheitert, auf der Hafenspitze steht heute ein Hyatt-Hotel.

So sieht es auf der Aquazoo-Baustelle aus FOTO: Bretz, Andreas

2001 Die nächste beeindruckende Idee, diesmal von Peter Rasbach, einem Spezialisten für Zoos. Der will einen gläsernen Anbau im Nordpark realisieren. Projektname: "Big Wave". Vorgesehen sind ein Tropenwald und eine neue Anlage für die Robben. Düsseldorf soll damit den zweitgrößten Aquazoo Europas nach Lissabon erhalten. Ein Höhepunkt: Aus der U-Bahn-Station soll man in ein Aquarium mit Haien und Rochen blicken. Die Kosten liegen bei 45 Millionen Euro, in der Stadt herrscht aber Investitionsstopp - das Projekt wird auf Eis gelegt.

2007 Der Aquazoo wird Chefsache: Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) träumt von der ganz großen Lösung: Er besucht zur Inspiration mit Gettmann und Baudezernent Gregor Bonin die führenden Wasserzoos in Atlanta und Chicago. Die Idee von Rasbach wird erweitert. Geplant ist jetzt eine riesige Wasserwelt mit großem Haitank und Ballsaal. Ein Anlass für die Erweiterung ist, dass der Aquazoo langsam Besucher verliert, erstmals fällt ihre Zahl auf weniger als eine halbe Million pro Jahr. Denn das Gebäude ist in die Jahre gekommen, die Konkurrenz gewachsen.

2008 Joachim Erwin stirbt an einer Krebserkrankung. In seinem "politischen Testament" ruft er auf: "Baut ein Aquarium mit internationalem Anspruch!" Die großen Pläne kommen aber nicht mehr zur Abstimmung im Stadtrat.

2013 begann die Sanierung. Eine Firma transportierte die Panorama-Scheiben ab, um sie aufzuarbeiten. Das gelang nicht so gut wie erhofft. FOTO: Andreas Bretz

2009 Die Wirtschaftskrise trifft auch Düsseldorf, das Geld ist knapp - zumal gerade ein U-Bahn-Tunnel unter der Innenstadt gebaut wird. Erwins Nachfolger Dirk Elbers (CDU) lässt zudem schnell durchblicken, dass er an den großen Plänen für eine Erweiterung nicht interessiert ist. In einem Interview mit unserer Redaktion spricht er nur noch von einer "Reparatur" des Zoos und einzelnen Verbesserungen, "damit sich Familien vor dem Hintergrund des Bildungs- und Wissenschafts-Aspekts noch wohler fühlen" - das klingt nicht mehr nach dem Aquarium von Weltrang.

Juni 2013 Endlich beschließt der Rat die Sanierung. Ohne Erweiterung. Für 13 Millionen Euro soll das Gebäude modernisiert werden. Der Freundeskreis gibt davon 1,8 Millionen Euro. "Das Vorhaben ist sehr komplex", sagt Dezernent Gregor Bonin - und wird Recht behalten.

November 2013 Die Düsseldorfer verabschieden sich von ihrem immer noch beliebtesten Museum, das allerdings im Jahr 2013 nur noch rund 285.000 Besucher zählt. Auch für die Mitarbeiter ist der Auszug emotional: Viele Tiere werden nicht zurückkehren, sie sollen durch Artgenossen oder andere Arten ersetzt werden. Die Bauarbeiten beginnen. Direktor Wolfgang Gettmann geht wenig später in Rente.

Letzter Tag: Düsseldorfer Aquazoo schließt bis 2015 FOTO: Bretz, Andreas

2015 Die Sanierung gerät aus den Fugen: Im April soll der Zoo eigentlich wiedereröffnen, aber davon ist man weit entfernt. Er macht plötzlich nur noch durch Baupannen, Verzögerungen und Mehrkosten von sich reden: Ein Planungsbüro soll miserabel gearbeitet haben, einer Baufirma wird gekündigt. Weil das Dach nicht rechtzeitig fertig wird, erfrieren Tropenpflanzen. Am Ende des Jahres liegt die Sanierung plötzlich bei 15 Millionen Euro - und die Wiedereröffnung ist ins Folgejahr verschoben.

März 2016 Der neue Direktor Jochen Reiter übernimmt eine Problem-Baustelle. Der Beigeordnete Stephan Keller, der nach dem Weggang von Bonin zuständig ist, gibt die nächsten schlechten Nachrichten bekannt: Die Kosten haben sich wegen diverser Probleme auf 18,8 Millionen Euro erhöht, die Eröffnung wird auf März 2017 vertagt. Die Sanierung hat Düsseldorf einen Eintrag im "Schwarzbuch der Steuerverschwendung" eingebracht.

Joachim Erwin (r.) und Gregor Bonin 2007 in Atlanta. FOTO: Gettmann

November 2016 Kulturdezernent Hans-Georg Lohe - inzwischen ist er verantwortlich - muss die nächste Verzögerung bekanntgeben. Neue Becken sind undicht, wichtige Geräte zu spät geliefert worden - das Bau-Drama geht weiter. Das neue Ziel ist der Sommer 2017. Den ehemaligen Direktor Wolfgang Gettmann lassen die geplatzten Träume nicht los: Im Magazin "Tiergarten" erinnert er an die Vorhaben. Er schreibt trotzig: "Eine Erweiterung bleibt das erklärte Ziel."

Quelle: RP
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