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Düsseldorf
Arbeitsklima: Freunde sollt ihr sein

Düsseldorf: Arbeitsklima: Freunde sollt ihr sein
Stephen Hogg (v.l.) und Ivano Sergi arbeiten bei Trivago, einer Firma, die Hotelpreise vergleicht, und nutzen die Möglichkeit, beim Kickern zu entspannen. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Wie Düsseldorfer Unternehmen mit dem Thema "Work-Life-Balance" umgehen – vom Gesundheitsmanagement bis zur Happy Hour für Arbeiter oder Angestellte. Von Sonja Schmitz

Trivago ist ein junges Düsseldorfer Internet-Unternehmen für Hotelpreisvergleiche. Dass sich die Firma mit Urlaub und fremden Ländern beschäftigt, ist schon an der Inneneinrichtung zu sehen. In einem Besprechungszimmer mit dem Thema Skifahren stammt eine Sitzgelegenheit von einem Sessellift. Ein kleiner Rückzugsraum ist als Kaminzimmer oder als Jägerstube gestaltet. Der Aufenthaltsraum mit Fototapete von einer Berglandschaft lädt zum Kickern oder Billardspielen ein. Und beim Kickerturnier spielen die Unternehmensgründer mit.

"Hier herrscht schon eine inspirierende lockere Atmosphäre", sagt Mitarbeiterin Elke Schlager, die mit 30 Jahren zu den ältesten im Team zählt. Die 500 Mitarbeiter des schnell wachsenden Unternehmens kommen aus 60 Nationen. Austausch und ein gutes Miteinander wird großgeschrieben. "Wer eine gute Idee hat, geht damit zum Chef", sagt Schlager. Schließlich lebt das Unternehmen von der Kreativität und den Ideen der Mitarbeiter. Beim monatlichen gemeinsamen Frühstück werden Neuigkeiten ausgetauscht. Neue Mitarbeiter bekommen Stadtführungen von Kollegen. Eine Yogalehrerin kommt ins Haus, mit einem Fitness Studio und einer Salsa Bar gibt es eine Kooperation.

Wer mit Spaß an die Arbeit geht und sich am Arbeitsplatz wohl fühlt, der hat bessere Ideen und setzt sich mehr für die Sache ein – das ist der Gedanke, der hinter der Unternehmenskultur von Trivago steht. Einige Unternehmen haben für diese Umsetzung dieser Philosophie sogar einen "Feel Good Manager" eingesetzt, wie Ulrike Zecher, Beraterin und Coach, berichtet. So weit ist es in Düsseldorf aber noch nicht. Auch wenn sich mittlerweile viele Unternehmen Gedanken darüber machen, wie Mitarbeiter Leben und Arbeiten besser in Einklang bringen können. Allerdings hätten Arbeitgeber beim Thema Work-Life-Balance noch Nachholbedarf, hatte die DAK in ihrem jährlichen Gesundheitsreport festgestellt.

Zu den engagierten Vorreitern in Düsseldorf zählen große Unternehmen wie Henkel oder Provinzial. Beim Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf haben sie sich mit firmeneigenen Kitas engagiert und bieten Unterstützung für pflegende Angehörige an. Auch dass Mitarbeiter sich mit Sport gesund halten, wird gefördert. Oft können Mitarbeiter je nach Lebenssituation ihre Arbeitszeit verkürzen und auch wieder verlängern. "Es gibt bei uns fast so viele Arbeitszeitmodelle wie Teilzeitkräfte", sagt Jörg Funck, Bereichsleiter Personal bei der Provinzial. Davon profitieren auch immer mehr Mitarbeiter in leitenden Positionen.

Christian Cobbers ist einer davon. Der 41-Jährige arbeitet als leitender Angestellter im Finanzbereich von Henkel und ist Vater von drei Kindern (7, 5, 2). Nach der Geburt von den jüngsten beiden nahm er jeweils sieben Monate Elternzeit und arbeitete danach 80 Prozent einer Vollzeitstelle. Und auch das Netzwerk von etwa 50 Vätern, das er leitet, wird von Henkel unterstützt. "Es ist schön, wenn man nicht ein Einzelkämpfer ist, und wenn man sieht: Es bewegt sich etwas. Immer mehr Väter reduzieren für die Familie ihre Arbeitszeit und dies wird auch immer mehr akzeptiert."

Weniger flexibel sind meist kleinere Unternehmen. Doch auch im Handwerk ist zumindest das Thema angekommen. Angestoßen durch die "Zukunftsinitiative Handwerk", gefördert vom Land, hat beispielsweise der Dachdeckerverband Nordrhein im vorigen Jahr für seine Mitglieder erstmalig Seminare zum Thema "Stark im Stress" angeboten. "Die zwölf Termine waren schnell ausgebucht", berichtet Thomas Schmitz vom Dachdeckerverband. Oft seien die mitarbeitenden Ehefrauen der Motor für die Teilnahme gewesen. Aber im Seminar tauschten sich die Betriebsinhaber dann rege aus und lernten Entspannungstechniken.

Überhaupt ist für Unternehmer die Arbeit nichts, was sich vom übrigen Leben trennen lässt. Der Kunde steht mit seinen Ansprüchen im Vordergrund. Das gilt auch für Wirtschaftsanwälte. "Wenn man ungern zur Arbeit geht, ist das Bedürfnis nach freudigem Ausgleich umso größer. Wenn man halbwegs mit Spaß bei der Sache ist, ist es etwas anderes", sagt ein Wirtschaftsanwalt einer internationalen Kanzlei. Er setzt deshalb auch eher auf "Work-Life-Integration": flache Hierarchien und lockere Atmosphäre bei Happy Hour und gemeinsamem Lunch, um das Erlebnis zu schaffen, dass alle Teil einer gemeinsamen Sache sind.

Quelle: RP
 
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