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Düsseldorf
Architekt Jürgen Ringel feiert 85. Geburtstag

Düsseldorf. Ringel gestaltete das Handwerkskammer-Zentrum und die Fassade des Commerzbank-Hochhauses. Von Michael Brockerhoff

Der kleine Werkstattplatz bringt Spannung und Farbe in das Leben von Jürgen Ringel. Hier tüftelt er neue, verblüffend einfache und wohl proportionierte Formen aus beispielsweise für Lampen, Türklinken und jetzt auch für einen Stuhl. "Ich brauche das Gestalten von Dingen fürs Haus und fürs Wohnen als Lebenselixier", sagt der Düsseldorfer Architekt von sich selbst. Schon als Jugendlicher arbeitete er in einer Werkstatt so begeistert und voller Ideen wie jetzt als Architekt im Ruhestand, der heute sein 85. Lebensjahr vollendet.

Ob er wie jetzt an einem dreibeinigen Stuhl, der aus nur zwei Teilen besteht, arbeitet oder ob er Gebäude und Inneneinrichtungen plante - ihm geht es stets um das Detail für eine qualitätvolle Form, um eine einfache, maßgeschneiderte Konstruktion. Beispiele gibt es allein in Düsseldorf viele zu sehen, etwa das Technologie- und Dienstleitungszentrum der Handwerkskammer samt Garage mit ihrem gewölbtem Dach, das Postgebäude an der Liesegangstraße mit seiner dreieckigen Pyramide oder die Fassade des Commerzbank-Hochhauses an der Kasernenstraße. Die gestaltete Ringel nach einer Idee des Architekten Paul Schneider-Esleben, dessen Partner er knapp ein Jahrzehnt war. Schneider-Esleben wollte Fenster mit abgerundeten Ecken wie bei Schnellzug-Wagen, Ringel erarbeitete die Details und verhandelte mit Fachfirmen, um optimale und funktionstüchtige Fensterelemente herstellen zu lassen.

Bei seinen Entwürfen, ganz gleich ob für Wohnhäuser, Büros oder Industriebauen, lässt sich Ringel stets von der gewünschten Nutzung und von der Umgebung inspirieren und erarbeitet daraus die Form. Spontane Ideen der Bauherren, die sich in der Diskussion um das Gebäude ergeben, greift Ringel gerne auf und entwickelt daraus Raumkonzepte. Auch wegen dieser engen Zusammenarbeit hat Ringel, der nach seiner Ausbildung bei Egon Eiermann seit 1957 selbstständig ist, Stammkunden bekommen, vor allem Auftraggeber aus der mittelständischen Industrie wie Seco Tools oder Bagel. Sie schätzen die pfiffigen gestalterischen Ideen und die sehr genaue Planung, mit der Ringel auch die Kosten genau im Blick hat. Er ist stolz darauf, dass die Bauten so gut wie nie teurer wurden als vorgesehen. Ringel versteht es auch, bei geringem Etat Pläne auf das Wesentliche zu reduzieren, ohne die gestalterische Qualität einzuschränken. Bestes Beispiel dafür ist die Sternwarte in Benrath, die gerade wegen der minimalistischen, gleichzeitig aber genau durchdachten Konstruktion wirkt. Die Details sind so aufeinander abgestimmt, dass die Normaluhr, die aus unerfindlichen Gründen später angebracht wurde, störend wirkt. Ringel hat jetzt durchgesetzt, dass sie wieder entfernt wird. Er will eben keinen überflüssigen Schnick-Schnack.

Quelle: RP
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