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Düsseldorf
"Arme Brüder" zahlen ihrem Ex-Chef 200.000 Euro

Düsseldorf. Die Ordensgemeinschaft der Armen Brüder und ihr früherer Geschäftsführer haben sich beim Arbeitsgericht auf einen Vergleich geeinigt. Es ging um Millionengeschäfte mit einem dubiosen Berater.  Von Wulf Kannegiesser

Mit der Zahlung von fast 200.000 Euro, davon 150.000 Euro als Abfindung, hat sich die Ordensgemeinschaft der Armen Brüder des Heiligen Franziskus am Montag von dem langjährigen Geschäftsführer (57) ihres Vereins Sozialwerke getrennt, und damit dessen Ära nach 36 Jahren beendet. Auf diesen Vergleich einigten sich der neue Vereinsvorsitzende Dirk Buttler und der im Herbst 2015 fristlos gefeuerte Ex-Geschäftsführer am Montag beim Arbeitsgericht. Nach Schlagzeilen um Millionenverluste durch dubiose Geldanlagen und weitere Forderungen eines Insolvenzverwalters über nochmal 5,5 Millionen Euro ist beim Sozialwerk der Armen Brüder damit eine erste Beruhigung eingetreten.

Die Ordensgemeinschaft, die in Düsseldorf in der Obdachlosenhilfe aktiv ist und Wohnungslosen zu einer festen Bleibe verhilft, hatte bei einem obskuren Anlagemodell auf satte Gewinne gehofft und über einen Berater rund 7,2 Millionen Euro in Dresden angelegt. Das Geld hatte für Investitionen in die eigenen Immobilien auf dem Sparbuch gelegen. Als die Anlagefirma, die zur Infinus-Gruppe gehörte, Ende 2013 allerdings insolvent wurde, hielt der Verein zunächst seinem langjährigen Geschäftsführer die Treue.

Erst im Herbst 2015 sei das Gerücht laut geworden, der 57-Jährige könnte die Millionenverluste mit verschuldet haben, sei womöglich vom Berater sogar an Provisionen beteiligt oder sonst finanziell begünstigt worden. Diesmal forderte der Verein von dem 57-Jährigen eine eidesstattliche Versicherung, dass dies alles nicht so gewesen sei. Als der Geschäftsführer das aber ablehnte, wurde er fristlos vor die Tür gesetzt, zog dagegen vors Arbeitsgericht.

Erst im Prozess beteuerte der Geschäftsführer nun, er habe von den Millionenmauscheleien des Beraters weder direkt noch indirekt profitiert. Dieser Berater war kurz nach dem Platzen der Millionenblase freiwillig aus dem Leben geschieden. Statt mit einem fristlosen Rauswurf wegen eines angeblich "dringenden" Verdachts wurde die Entlassung des Vereins-Geschäftsführers am Montag in eine ordentliche Kündigung "aus betrieblichen Gründen" zum 30. April umgewandelt. Vereins-Chef Buttler gab sich später im Gespräch mit unserer Redaktion zufrieden. Zumindest juristisch sei der Zank mit dem Ex-Geschäftsführer nun sauber beendet.

Bleibt noch die 5,5-Millionen-Forderung des Infinus-Insolvenzverwalters, über die das Landgericht am 22. November verhandeln will. Falls es dem Juristen Buttler nicht gelingt, auch dabei zumindest einen Teilvergleich zu erzielen, gerät das Sozialwerk noch tiefer in die Krise.

Quelle: RP
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