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Düsseldorf
Asunción statt Kaiserswerth

Düsseldorf: Asunción statt Kaiserswerth
Den Rucksack für Asunción hat Mia vom Bruch schon gepackt, jetzt muss sie nur noch Abschied nehmen von Kaiserswerth. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. In der Hauptstadt Paraguays und in Düsseldorf leben etwa gleich viele Menschen. Die Abiturientin Mia vom Bruch will während ihres Auslandsjahres dort die Unterschiede zwischen den Welten spüren. Von Henning Rasche

Mia vom Bruch hat jetzt die restlichen Dinge zu erledigen. Ein paar Besorgungen muss sie machen, wenige Formalia klären. Doch am kompliziertesten ist etwas ganz anderes. Der Abschied. Als sie sich in den vergangenen zwei Wochen in Solingen mit einem Seminar auf ihr Abenteuer vorbereitet hat, da dachte sie: "Warum kann ich nicht einfach jetzt losfliegen? Ohne mich zu verabschieden?". Nun, so einfach ist das nicht, weiß Mia vom Bruch. Wer ein Jahr wegwill, der muss sich verabschieden. Von den Freunden, Geschwistern - und den Eltern.

Und Mia vom Bruch will weg. Die 18-Jährige fliegt am 11. August für ein Jahr nach Asunción, die Hauptstadt Paraguays, Südamerika. Vor kurzem noch hat sie am Max-Planck-Gymnasium in Stockum ihre Hochschulreife erworben und in zwei Wochen wird sie Straßenkindern helfen. Ihnen Halt geben, Unterstützung und Hilfe gewähren. Die Evangelische Kirche im Rheinland schickt sie zu der Hilfsorganisation Weltwärts, die vor Ort wirkt.

Paraguay ist umrandet von Bolivien, Argentinien und Brasilien. Das Auswärtige Amt nennt die touristische Infrastruktur in dem Land mit rund 6,8 Millionen Einwohnern "bescheiden". Es warnt vor Infizierung mit dem Dengue-Fieber, ebenso wie vor dem Genuss von Leitungswasser. "Die Sicherheitslage erfordert ständige Aufmerksamkeit", heißt es bei den Reisehinweisen des Auswärtigen Amtes. Außerdem sei das Wirken der paraguayischen Guerilla-Organisation EEP gefährlich.

Mia vom Bruch hat aber keine Angst vor dem Land. Sie fürchtet sich eher vor dem Abschied, sie ist aufgeregt, gespannt, was sie erwarten wird. Wie wird das Leben ein Jahr lang sein, über 10 000 Kilometer Luftlinie von den Eltern in Kaiserswerth entfernt?

Woher sie den Mut für diese Entscheidung nimmt, weiß Mia vom Bruch selbst nicht genau. "Respekt habe ich schon", sagt sie. Aber einmal von Zuhause weg sein, neue, eigene Erfahrungen machen, das findet sie spannend. Ein Abenteuer vor dem Studium, das Mia vom Bruch nach ihrem Auslandsjahr in Paraguay aufnehmen will. Kunst und Psychologie findet sie interessant. Festgelegt hat sie sich aber noch nicht.

Bei dem Vorbereitungsseminar der Kirche gab es auch ein Sicherheitstraining. Polizisten haben erzählt, wie man sich verhalten soll, etwa wenn man ausgeraubt wird, nämlich: Einfach das Geld abgeben. Nie soll Mia vom Bruch ohne männliche Begleitung um die Häuser ziehen und natürlich nicht mit Reichtum protzen.

Mia vom Bruch wird in einem Studentenwohnheim in der Hauptstadt leben, zusammen mit vielen Studenten und noch drei anderen Deutschen, die auch Freiwilligendienst dort leisten. Sie wird von etwa 100 Euro im Monat leben, das Geld zahlt ihr die Organisation Weltwärts. "Das erfordert schon eine Umstellung", sagt sie. Aber: "Was man hier alles ausgibt, ist eigentlich Quatsch." Die ganzen Klamotten zum Beispiel.

Zu den verbliebenen Vorbereitungen auf ihr Abenteuer zählt noch etwas Wesentliches: die Sprache. Die Paraguayer sprechen Spanisch, viele Jugendliche Guarani. Für Letzteres gibt es nicht mal ein Wörterbuch, Spanisch lernt Mia vom Bruch erst seit dem Abitur. Es bleibt also viel zu tun. Auch abgesehen vom Abschied nehmen.

Quelle: RP
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