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Düsseldorf
Asylbewerber helfen beim Aufbau der Betten

Düsseldorf: Hier sollen Flüchtlinge untergebracht werden
Düsseldorf: Hier sollen Flüchtlinge untergebracht werden FOTO: dapd, dapd
Düsseldorf. Bis Oktober sollen in der Sporthalle der Heine-Universität Flüchtlinge leben. 300 Betten wurden gestern aufgebaut. Unter den Helfern waren auch Männer, die selbst vor Kurzem in Deutschland Zuflucht fanden. Von Denisa Richters und Carolin Skiba

Boakye Solomon hat harte Jahre hinter sich. Er stammt aus Ghana, verbrachte unter widrigsten Umständen fünf Jahre in Libyen, bis er das Geld zusammenhatte, um die Überfahrt nach Europa zu bezahlen. Zwei Wochen verbrachte er zusammengepfercht mit anderen Flüchtlingen auf einem Boot im Mittelmeer - kam schließlich doch an. Seit zwei Monaten lebt er in einer Flüchtlingsunterkunft in Wachtberg im Rhein-Sieg-Kreis. Jetzt steht der 21-Jährige in der Sporthalle der Heinrich-Heine-Universität, schleppt Matratzen, schraubt mit einigen seiner Mitbewohner Gestelle von Stockbetten zusammen. In einigen Tagen werden darauf Menschen schlafen, die nach Deutschland geflüchtet sind.

"Ich bin froh, dass ich etwas machen kann", sagt Solomon. Zu langweilig sei es, tatenlos in der Unterkunft zu sitzen, nichts arbeiten zu können. Seine Mitbewohner nicken. Peter Dypka vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) ist ihr Betreuer, war mit der Truppe schon mehrfach in Düsseldorf im Einsatz und weiß, wie viel seinen Schützlingen diese Exkursionen bedeuten. Heute sind sie noch dabei, wenn die Pavillons errichtet werden, die den künftigen Bewohnern in der Hallen-Atmosphäre wenigstens ein wenig Privatheit geben sollen.

Auch rund 100 städtische Mitarbeiter haben mit angepackt, Oberbürgermeister Thomas Geisel hat persönlich zum Schraubenzieher gegriffen. Für Sibylle Florin vom DRK ist das Stockbetten-Bauen längst Alltag: "Ich träume schon nachts davon", sagt die 24-Jährige und lacht. Sie ist nach dem Studium der Sozialen Arbeit über ehrenamtliches Engagement zum DRK gekommen - inzwischen ist sie die Leiterin der Flüchtlingsunterkunft an der Borbecker Straße. "Eigentlich", wie sie betont. Denn in diesen Zeiten, in denen - wie nach dem Brand im Flüchtlingsheim an der Schanzenstraße - innerhalb weniger Stunden hunderte Menschen anderweitig untergebracht werden müssen, ist sie überall im Einsatz.

Willkommenskultur: Diese Menschen helfen Flüchtlingen FOTO: RP

So wie Miriam Koch, die Flüchtlingsbeauftragte im Rathaus. Nach wie vor sei von steigenden Flüchtlingszahlen auszugehen, sagt sie. Deshalb könne sie nicht garantieren, dass pünktlich zum Ende der Ferien alle Schulturnhallen geräumt werden können. Zumal die evakuierten Bewohner aus der Schanzenstraße nicht in Zwischenlösungen wie die gerade entstehenden Zelthallen, sondern in dauerhafte Unterkünfte kommen sollen. "Wir sind sehr weit, aber eben noch nicht fertig", sagt Koch.

Besonders freut sie die enorme Hilfsbereitschaft - auch aus den Reihen der Studenten. Bei einer Infoveranstaltung am Mittwochabend, die ursprünglich für 40 Personen geplant war, kamen weit über 100 Interessierte. Gespannt hörten die Anwesenden zu, was Koch über die bisherige Unterbringungssituation der Flüchtlinge zu berichten hatte. Natürlich wollten die Studenten wissen, wie die Unterbringung der Flüchtlinge in der Sporthalle der Uni aussieht, vor allem aber wollten sie eins: aktiv mithelfen. Und zwar nicht nur beim Aufstellen der Pavillons. Also wurden die Anregungen, Fragen und Ideen der Anwesenden kurzerhand in Themengebiete eingeteilt. Arbeitsgruppen, die bei Interesse über www.asta.uni-duesseldorf.de/fluechtlinge zu erreichen sind, kümmern sich um die Schwerpunkte Dolmetschen, Ämterbegleitung, Sachspenden, Sprachvermittlung, Kinderbetreuung, Sport und Freizeit, um den Neuankömmlingen den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten zu können.

Quelle: RP
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