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Düsseldorf
Asylbewerber in Turnhallen ohne Waschmaschine

Düsseldorf: Asylbewerber in Turnhallen ohne Waschmaschine
An der Kalkumer Straße müssen die Bewohner Wäsche mit der Hand waschen (hier ein Foto von Ende Juli), weil es keine Maschine gibt. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Stadt beauftragt jetzt Wäschedienst. Auch Arztbesuche problematisch: Gesundheitskarte soll helfen. Von Denisa Richters

Düsseldorf stößt angesichts steigender Zahlen von Flüchtlingen nicht nur bei der Unterbringung an Grenzen. Auch bei der Versorgung kommt es immer wieder zu Komplikationen. So berichteten Bewohner einiger Turnhallen, die als Notunterkünfte genutzt werden, dass es unter anderem in Garath seit Wochen keine Möglichkeit gebe, Wäsche mit der Maschine zu waschen. Insbesondere bei mehrköpfigen Familien gestaltet sich die Wäsche mit der Hand als schwierig.

Offenbar hat es Probleme bei der Koordination gegeben, räumt der zuständige Abteilungsleiter bei der Stadt, Peter Lorch, ein. "Wir haben die Waschmaschinen bestellt, sie sind abholbereit, werden spätestens bis Montag in den Turnhallen der Uni und an der Friedenstraße installiert." Bei anderen Standorten rentiere es sich teils nicht, weil die Notunterkünfte in den nächsten Tagen aufgelöst werden, bei anderen - wie an der Kalkumer Straße, wo viele Familien untergebracht sind - sei eine Installation nicht möglich. Zunächst war im Gespräch, die dortigen Bewohner zum Waschsalon zu schicken, dann schaltete sich die städtische Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch ein: "Wo keine Maschinen angeschlossen werden können, beauftragen wir einen Wäschedienst." In Großzelten wie an der Itterstraße oder Container-Anlagen sind Waschmaschinen vorhanden.

FOTO: Foto: Blossey, Reichwein/Grafik: Ferl, Krebs

Ein Schwachpunkt im System ist auch die ärztliche Betreuung. Zwar erhält laut Stadt jeder Asylsuchende einen Quartalsschein, mit dem er einen Arzt aufsuchen kann. Doch den muss sich jeder zunächst beim Sozialamt an der Münsterstraße abholen, wo wegen des Andrangs meist lange Wartezeiten herrschen. Für kranke Menschen nicht ideal, wie Oliver Ongaro von der Flüchtlingsinitiative Stay kritisiert.

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Problematisch ist für die Betroffenen oft auch der Weg durch das deutsche Medizinsystem, den viele alleine gehen müssen. Das ist schon manchmal für Einheimische nicht leicht zu durchschauen, für Menschen, die fremd in der Stadt sind und die Sprache meist nicht sprechen, nahezu unmöglich, berichtet eine ehrenamtliche Helferin, die Flüchtlinge in Golzheim betreut und manche auch zum Arzt begleitet. Laut Ongaro gibt es bereits in einigen Stadtbezirken und Vierteln Netzwerke von Ärzten, die sich ehrenamtlich organisiert haben und auch Fremdsprachenkenntnisse haben. Die Ampel-Mehrheit hat im städtischen Fachausschuss jetzt einen Wegweiser beschlossen, der in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Migration und Gesundheit Ärzte und Hilfsorganisationen mit Fachgebieten und Fremdsprachkenntnissen auflisten soll.

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Entspannung soll auch eine Gesundheitskarte bringen, die der Ausschuss mit den Stimmen von SPD, Grünen, FDP und Linken beschlossen hat. "Sie ermöglicht, ohne bürokratische Hemmnisse zu Ärzten der freien Wahl zu gehen", sagt Grünen-Fraktionschefin Angela Hebeler. Laut Sozialdezernent Burkhard Hintzsche soll sie im ersten Halbjahr 2016 eingeführt werden. Derzeit verhandle das Land die Rahmenverträge mit den Krankenkassen, danach müsse die Stadt mit einem Partner, wahrscheinlich der AOK, einen Vertrag aushandeln.

Quelle: RP