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Serie Die Düsseldorfer Schullandschaft
Auch Hauptschulen bieten Chancen

Düsseldorf. Oft werden sie als Auslaufmodell etikettiert. Doch so schlecht geht es den Düsseldorfer Hauptschulen nicht. Acht wird es vorerst weiter geben. Bei der Integration von Migranten und Kindern mit Handicap leisten sie Besonderes. Von Jörg Janssen

Düsseldorfs Hauptschulen sind eine Ausnahme. Und zwar deshalb, weil es sie in diesem Umfang noch gibt. Aktuell existieren zehn Schulen des Typs, der in den 1960er Jahren gemeinsam mit den Grundschulen die Nachfolge der "Volksschulen" antrat. Für einige Jahre blieb er der wichtigste Schultyp (daher der Name). Doch das ist lange her. Aktuelle Prognosen der Stadt weisen in eine andere Richtung. Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Bestand Von den zehn Hauptschulen im Stadtgebiet werden zwei schließen: die Oberbilker Adolf-Reichwein-Schule und die Garather Fritz-Henkel-Schule. So entsteht an der Schmiedestraße in Oberbilk ein neues städtisches Gymnasium und an der Stettiner Straße in Garath - auch auf Wunsch der Fritz-Henkel-Schule selbst - eine neue städtische Gesamtschule. Durch diese Lösung kann die Benrather Hauptschule an der Melanchthonstraße vorerst erhalten bleiben. Gegen die drohende Schließung und Umwandlung in eine Gesamtschule hatten Eltern und Schüler öffentlich protestiert. In einer Sitzung des Schulausschusses waren Tränen geflossen.

Baulicher Zustand Hier gibt es große Unterschiede. So war an der Melanchthonstraße 2009 ein Klassentrakt wegen Baufälligkeit geschlossen worden. Seitdem müssen Schüler auch auf Container ausweichen. Besser sieht es unter anderem an der Bernburger Straße in Eller aus. Dort ist das Gebäude gut hergerichtet. Allerdings ist es zu klein. Rektor Klaus-Peter Vogel musste zuletzt 20 von 70 Jungen und Mädchen, die zu ihm nach Eller wollten, eine Absage erteilen.

Prognosen Laut dem jüngst vorgelegten vierten Schulentwicklungsplan soll die Zahl der Hauptschüler stadtweit von aktuell knapp 3000 auf weniger als 2300 im Jahr 2020 sinken. Damit liegt Düsseldorf im landesweiten Trend. Immer mehr Eltern meiden diese Schulform. Das Wort von der "Restschule" mag Vogel trotzdem nicht. "Wir sind die Schule, an der man die Hände zum Begreifen braucht. Bei uns sind jene gut aufgehoben, die beim Lernen ein bisschen langsamer vorankommen, dafür eines Tages mit viel Geschick eine Wasserleitung flicken oder einen Tisch zusammenzimmern können und die in einer großen Einheit wie der Gesamtschule eher untergehen würden."

Sonderaufgaben Hauptschulen tragen bei der Erziehung und Bildung Heranwachsender nach Einschätzung ihrer Lehrer besondere Lasten. "Bei Migranten mit geringen Deutschkenntnissen, darunter vielen Flüchtlingen, und beim Thema Inklusion sind wir der am stärksten engagierte Schultyp", sagt Vollblut-Pädagoge Vogel. 58 seiner 355 Jungen und Mädchen sind in vier internationalen Fördergruppen organisiert, weitere 32 haben einen besonderen Förderbedarf. Hinzu komme die hohe Zahl an "Abschulungen", also von Kindern, die es beispielsweise an einer Realschule einfach nicht geschafft haben. Ähnlich sieht das Gabriele Westerwelle, Leiterin der katholischen St. Benedikt-Hauptschule in der Stadtmitte. "Wir haben zwar keine Seiteneinsteiger, dafür aber rund 60 Kinder mit besonderem Integrationsbedarf", sagt Leiterin Gabriele Westerwelle. Ob es ihre Schule in 20 Jahren noch geben wird, darüber wagt sie keine Prognose. "Tatsache ist, dass wir durch die neue Gesamtschule am Hermannplatz nur zwei neue Eingangsklassen bilden konnten, bis vor zwei Jahren waren es noch vier", sagt die Pädagogin.

Chancen Dass es mit einem Hauptschulabschluss schwieriger ist, einen Ausbildungsplatz zu finden, leugnen beide Schulleiter nicht. Doch aussichtslos ist das keineswegs. "Etwa ein Drittel macht in der 10 B einen Abschluss, also die Mittlere Reife, und hat sehr gute Aussichten. Schwieriger ist es mit dem sogenannten 10 A-Abschluss, aber auch hier öffnen Betriebspraktika Chancen", sagt Vogel. In ein Loch soll kein Jugendlicher fallen. "Wir organisieren auch den Übergang in eine Berufsvorbereitung oder an ein Berufskolleg." Und Westerwelle ergänzt: "Ich sage den Eltern: Kein Kind bleibt unversorgt. Und daran halte ich mich."

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Quelle: RP
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