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Escape Room in Düsseldorf
Auf der Flucht vor Schwester Angelika

Escape Room in Düsseldorf: Auf der Flucht vor Schwester Angelika
Was sollen uns diese Schriftstücke bloß sagen? Das Team sucht den Ausgang aus der Psychiatrie. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. In der Innenstadt hat ein neuer Escape Room eröffnet. Solche Spiele liegen schwer im Trend. Wir haben "Psychiatrie" ausprobiert. Von Arne Lieb

In Raum 2 gehen wertvolle Momente verloren. Wir müssen nämlich eine Grundsatzdebatte führen. Es geht um die Frage, auf welche Weise wir mit unserem Vierer-Team den Raum durchsuchen. Sollen wir zusammen bleiben und uns die Taschenlampe teilen? Oder rennen wir einzeln los, um die Schränke zu öffnen, die Patientenakten zu durchwühlen und Inschriften auf der Wand zu suchen? Vielleicht sind wir schneller, wenn wir einzeln arbeiten. Andererseits ist das Licht schlecht, ohne Taschenlampe übersehen wir bestimmt Hinweise.

Wir können uns nicht einigen. Und die Uhr läuft unerbittlich weiter. Wir entscheiden, dass jeder einfach macht, was er will - und ruft, wenn er die Lampe braucht.

Wir befinden uns in der Psychiatrie Düsseldorf-Mitte. Die gibt es in Wirklichkeit nicht, aber im Spiel des Anbieters "Mission 60 Minutes". Die Düsseldorfer Firma hat sich spezialisiert auf Escape Games. Die Spiele, bei denen man sich aus einem oder mehreren Räumen befreien muss, liegen im Trend. Auch in Düsseldorf gibt es immer mehr Anbieter. "Mission 60 Minutes" hat in seiner Niederlassung an der Alexanderstraße das neueste Spiel "Psychiatrie" eröffnet, das uns gerade zum Nachdenken bringt.

Spielleiter Markus, verkleidet mit Arztkittel, hat uns in den dunklen Hinterraum geführt. 60 Minuten haben wir Zeit, den Ausgang zu öffnen. Mit einem Walkie-Talkie können wir Markus um Hilfe bitten. Und, immer wieder nachgefragt: Die Tür bleibt als Fluchtweg natürlich für Notfälle auf. Toilettengänge zählen aber nicht als Notfall.

In einem kurzen Video erfahren wir die Geschichte: Wir sind als Insassen in der Psychiatrie gelandet. Ärgerlicherweise treibt dort die fanatische Schwester Angelika ihr Unwesen. Mitinsassin Maria warnt uns. Dann startet der Countdown. An der Wand hängen Schlösser. Für einige brauchen wir einen Schlüssel, für andere einen Code. Also los.

In dem Raum steht ein Altar, es flackern künstliche Kerzen. Die Einrichtung wirkt ziemlich zusammengeklaubt, unter einem Gefäß auf dem Altar klebt sogar noch ein Preisschild vom Trödelmarkt. Die Anbieter legen Wert darauf, dass sie alles selbst gestalten, die Deko hat eher den Charme des Selbstgemachten - was aber sympathisch wirkt. An den Wänden hängen Gemälde mit biblischen Motiven. Für eine Minute sind wir verkrampft. Es fühlt sich kindisch an, Wände abzutasten oder Gemälde umzudrehen. Wir albern herum. Dann wollen wir nur noch gewinnen.

Markus lässt uns im Zweifel nicht lange im Dunkeln tappen - er weiß, dass seine Kunden nicht zufrieden sind, wenn sie nach 60 Minuten immer noch am ersten Rätsel scheitern. Wir jubeln, wenn wir wieder die Tür zu einem neuen Raum öffnen, weil wir die Hinweise richtig kombiniert haben. Unser Team bekommt schnell Routine, wir rufen uns alles zu, was wichtig sein könnte. "Hier liegt eine Bibel!" Hier ist ein Schalter!" "Wo ist die Lampe?"

Die Zielgruppe, erzählt Spielleiter Markus später, sind Freundeskreise, Firmenausflüge, oft auch Familien. Für Kinder ist dieser Raum nicht gedacht. Für Erwachsene ist der Grusel-Faktor trotz Schummerlichts und düsterer Story überschaubar. Er liegt zwar jenseits einer Drei-Fragezeichen-Folge, aber deutlich unter einer Fahrt mit einer Geisterbahn auf der Rheinkirmes. Oft gebucht wird der Raum auch von Junggesellen- und gesellinnenabschieden - die Spielleitung bittet, dass sie nüchtern kommen. Vier Leute sind eine gute Gruppengröße, zugelassen sind bis zu sieben.

Kurz vor Ablauf der Zeit öffnen wir den Ausgang. Die Rätsel waren ziemlich vertrackt, es gab einige schöne Effekte, die natürlich vertraulich sind. Die Spielleiter haben Inspiration aus der Escape-Games-Hauptstadt Budapest mitgebracht. Die Stunde ist schnell vergangen, es fühlte sich wirklich ein bisschen an wie Abenteuer. Und Schwester Angelika hat uns verschont.

Quelle: RP
 
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