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Düsseldorf-Challenge Teil 1
Auf ein Pils ins Uerige

Düsseldorf-Challenge Teil 1: Auf ein Pils ins Uerige
Prost - dann doch: Austauschreporter Jens trinkt sein erstes Uerige. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Austauschreporter Jens von der Westfalenpost hat nur eine Woche Zeit, sich Düsseldorf zu erschließen - deswegen geht er mit vier "Düsseldorf Challenges" direkt in die Vollen. Teil eins: ein Pils für einen Westfalen - in Düsseldorfs bekanntester Hausbrauerei. Von Jens Stubbe

Da muss doch was gehen, Düsseldorf. Mach mal eine kleine Ausnahme für einen Westfalen, der doch dein Gast ist. Zeig dich von deiner besten Seite. Ein leckeres Pils - kühl, herb, wohl mundend. Ein kleines nur. Ist wohl nicht zu viel verlangt.

Also dahin, wo große Braukunst ein Zuhause hat. An die längste Theke der Welt, die in diesem Fall ein holzvertäfelter Raum aus dem vorletzten Jahrhundert mit bunten Fenstern ist. Das "Uerige" prahlt auf seiner Homepage mit einem Bier-Sommelier, einem Feinschmecker, einem Weltmeister seines Fachs, der das Gebräu "zum besten deutschen Bier" gekürt habe.

Pilz gibt's nur am Fuß

Also rein. Kellner kommt. Und: "Ein Pils…" - Kurzes Schweigen. Hat er sich verhört? Er fragt nach: "Was willst du?" - Versuch zwei: lauter, aber auch höflicher: "Könnten Sie mir bitte ein Pils bringen?" Der Groschen fällt langsam. Aber er fällt. Bis unten, fast bis auf den Boden kann man sagen. "Pilz haste doch – am Fuß." Ruhe im kleinen Saal.

Neuer Anlauf: "Bin Kunde aus Westfalen, nur zur Gast in Düsseldorf, da könnten Sie doch vielleicht…" Der Köbes, was - wie ich lernen muss - das Wort der Eingeborenen für Kellner ist, schluckt und atmet tief durch. Iri Perudes, seit dreieinhalb Jahren im Uerigen, ist ein höflicher Mensch. Also präsentiert er das Regelwerk. Erstens: Hier wird geduzt, was er mit der Frage "Schätzken, schmeckt dir das Käsebrot nicht?" sofort untermauert. Zweitens: Kunden gibt's hier nicht, nur Gäste. Drittens: Mit dem Pilsbier verhält es sich wie mit den Kunden. Gibt's nicht. Niemals, auf keinen Fall, egal für wen. Auch nicht vom Iri, wie ich ihn ja seit einer halben Minute nennen muss, für mich. "Wir brauen nur obergärig."

Es greift Plan B des sturen Westfalen. Einlenken. "Dann bring mir doch bitte ein Alt, Iri." Der Köbes grinst, und ich starte die Suche nach Geselligkeit.

Auf der Suche nach Geselligkeit

Dietmar Skurnia nickt mir zu, sitzt am Nachbartisch, genießt ein Alt. Also rüber zum Mann mit dem gemütlichen Lächeln. Und anstoßen mit dem ersten Alt, das der Iri in einem Bogen schwungvoll auf den Holztisch geschubst hat. Skeptischer Blick, einmal riechen, rein. Ach ja: Prost.

Was uns wieder zum Weltmeister bringt: "Duftet nach Karamell und einem Hauch von Kakao und Orangen." Es sei fruchtig-frisch mit schöner Bitternote, behauptet der.

Süßkram im Altbier? Recht hat er am Ende: bitter. Nur bitter. Einfach bitter. "Das ist nur der Anfang", sagt der Mann, der schon "der Dietmar" ist. "Ab dem zweiten Schluck geht's."

Der Iri kommt wieder. Zweites Glas, ohne zu fragen. Das ist ja vielleicht einer... Ich schlürfe den Nüssel und schüttle den Kopf. Fazit: geht so. Auf keinen Fall vergessen: SMS nach Hause. "Leg mir doch bitte für heute Abend ein Pils in den Kühlschrank."

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