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Düsseldorf
Auf Streife in der Stadt der Warnblinker

Düsseldorf: Auf Streife in der Stadt der Warnblinker
Sattelfest: Ordnungsdezernent Stephan Keller, flankiert von den beiden OSD-Mitarbeitern Peter Hansen (links) und Dennis Lotz. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Seit zwei Jahren setzt der Ordnungs- und Servicedienst auf Beamte, die mit dem Rad unterwegs sind. Diese kontrollieren hauptsächlich den Innenstadtverkehr sowie die Park- und Grünflächen der Stadt. Von Marcus Gülck

Der geübte Blick von Peter Hansen und seinem Kollegen Dennis Lotz hat einen Verkehrssünder erspäht. Mit zwei, drei kräftigen Tritten in die Pedale überqueren die Ordnungsbeamten gestern Mittag die Breite Straße, ehe sie schließlich an der Kreuzung mit der Bastionsstraße zum Stehen kommen. Es werden teure Blumen, soviel ist schon einmal sicher. Nach wenigen Minuten eilt schließlich die Fahrerin eines Fleuroplieferdienstes zu ihrem Fahrzeug, das sie "mal eben kurz" auf dem Bürgersteig abgestellt hat. In diesem Fall ist "mal eben kurz" schlichtweg zu spät.

"Wie lange darf man auf dem Bürgersteig parken?", will Peter Hansen von der Fahrzeughalterin wissen, die angesichts der Suggestivfrage längst realisiert hat, dass spätestens jetzt auch jede noch so blumige Antwort zu spät kommen würde. 20 Euro Strafe werden fällig.

Ordnungsdezernent Stephan Keller, der seine Kollegen für einen Tag auf dem Fahrrad begleitet, wirft ihnen einen zufriedenen Blick zu. Die vor zwei Jahren ins Leben gerufene Fahrradstaffel des Ordnungs- und Servicedienstes (OSD) hat sich bewährt. "Die Rückmeldung seitens der Bürger ist fast durchweg positiv", bilanziert Keller, "und dass die Landespolizei seit geraumer Zeit auch auf Fahrradstreifen setzt, bestätigt unser Modell".

Ein- bis zweimal pro Woche satteln Hansen und sein Kollege Lotz auf den Drahtesel um, tauschen ihre Uniform gegen ein Fahrradtrikot. Pro Tag legen sie bis zu 40 Kilometer zurück. "Das Fahrrad schließt die Lücke zwischen Fußstreifen und den motorisierten Kollegen", sagt Lotz. Immer wieder mal sei es zu Beschwerden seitens der Bürger gekommen, wenn sie mit dem Auto eine Grün- oder Parkanlage kontrolliert hätten. "Mit dem Fahrrad sind wir nun nicht nur umweltbewusster unterwegs, sondern vor allem auch flexibler", so Lotz.

Und weil sie so flexibel sind, können sie auch mal eben auf der Breite Straße wenden. Ein Lkw steht an der Straßenseite und blockiert den Fahrradweg. Die Warnblinkanlage leuchtet auf. "Mal eben kurz ausladen, dauert nur eine Minute", bekommen sie zu hören. Die Minuten verrinnen, und mit ihnen die Geduld der Beamten. "Auf der anderen Straßenseite ist extra eine Fläche zum Be- und Entladen", sagt Dennis Lotz. Ihm reicht es, der Lkw-Fahrer hatte seine Chance. 30 Euro wegen Parken mit Behinderung erwarten den Fahrer. Die Notwendigkeit dieser Maßnahme bestätigt sich nur Augenblicke später, als sich ein zweiter Lkw mit eingeschalteter Warnblinkanlage einreiht. "Wenn wir nicht eingreifen würden, stünde hier bald die halbe Straße voll", sagt Hansen.

Ein Phänomen, welches sich besonders gut auf der Friedrichstraße ablesen lässt. "Der Radweg wird hier zwar weitestgehend von den Autofahrern respektiert", betont Keller, "mit den Lieferanten haben wir aber noch so unsere Probleme." Immer wieder müssen sie auf die Fahrbahn ausweichen, weil Transporter den Radweg versperren. Nicht immer kommt es dabei zwangsläufig zu einem Bußgeld. Mitarbeiter einer Firma für Fußbodentechnik hieven mit drei Mann ein schweres Arbeitsgerät in ihren Wagen. "In so einer Situation zeigen wir auch Verständnis", sagt Hansen.

Gemeinsam mit seinem Kollegen tritt er wieder in die Pedale. In der Ferne leuchten Warnblinkanlagen auf. Bestimmt möchte da wieder jemand nur mal eben kurz ...

Quelle: RP
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