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Düsseldorf
Aufregung über GSG9-Einsatz in Flingern

Fotos: GSG9 stürmt Wohnungen in Düsseldorf
Fotos: GSG9 stürmt Wohnungen in Düsseldorf FOTO: Arne Lieb
Düsseldorf. Mitten auf einer Einkaufsstraße in Flingern-Nord waren gestern Vormittag plötzlich Spezialeinheiten der Polizei im Einsatz. Das sorgte für viel Aufsehen. In der Stadt verbreiteten sich schnell wirre Gerüchte. Von Arne Lieb

Die Schlange beim Bäcker ist so lang wie immer, an der Haltestelle warten Pendler auf die Bahn. Es ist eigentlich ein Morgen wie jeder andere auf der Lichtstraße in Flingern - wären da nicht die Polizisten in Kampfmontur, die sich gerade Getränke am Kiosk holen. Ihre Gesichter haben sie mit Sturmhauben verdeckt. Dann verschwinden sie wieder in den beiden Transportern mit den abgedunkelten Scheiben, auf denen kein Polizei-Logo zu sehen ist. Zwei bewachen auf der gegenüberliegenden Straßenseite den Eingang eines Mehrfamilienhauses, einer trägt eine Maschinenpistole.

Es ist die eine der beiden Düsseldorfer Wohnungsdurchsuchungen auf der Spur eines 22 Jahre alten mutmaßlichen Islamisten - und das Gesprächsthema im Stadtteil. In der Wohnung lebt die Mutter des jungen Mannes, den die Behörden offenbar für so gefährlich halten, dass die GSG9 anrückt. Sogar ein Bus bleibt auf der Fahrbahn stehen, der Fahrer will von Passanten erfahren, was denn, bitte, hier los ist. Die Bilder von schwer gerüsteten Polizisten kennt man aus den vergangenen Wochen, aber nur aus dem Fernsehen - und nicht von der kurzen Einkaufsstraße im Düsseldorfer Osten.

Auch an der Further Straße in Hassels durchsuchte die Polizei eine Wohnung. FOTO: Endermann, Andreas (end)

Die Lichtstraße ist noch nicht so aufgehübscht wie andere Teile von Flingern-Nord, aber auch nicht als Brennpunkt bekannt. In den vergangenen Jahren sind die Mieten deutlich gestiegen. Es gibt einen Discounter, ein paar Eckkneipen, einen Schuhladen, kürzlich hat ein Geschäft für Shisha-Zubehör aufgemacht. Der Chef des Schnellrestaurants "Pastasatt" im Erdgeschoss des Hauses, das die Polizisten immer noch durchsuchen, ist überrascht, dass einer seiner Nachbarn Besuch von schwer gerüsteter Polizei erhält, auch die benachbarte Friseurin gibt ein Interview nach dem anderen. Vor dem Haus stehen später am Vormittag etliche Kamera-Teams - und warten darauf, bis die Polizisten endlich herauskommen und unter anderem einen konfiszierten Computer einladen.

Der andere Einsatz der Polizei-Spezialeinheiten sorgt für deutlich weniger Aufsehen. An der Further Straße in Hassels wird die Wohnung des Verdächtigen durchsucht. Es ist eine Durchgangsstraße zwischen A46 und S-Bahnhof Reisholz, dort gibt es nur eine Änderungsschneiderei, aber in der hat niemand etwas mitbekommen. An der einen Straßenseite stehen Mehrfamilienhäuser, das Gras ist gemäht, in vielen Fenstern hängt Adventsschmuck. Aus diesen Häusern blickt man auf die Wohntürme an der benachbarten Potsdamer Straße, dem bekanntesten Problemviertel der Stadt, das durch viele Brände Schlagzeilen machte. Gerade lässt der Investor einige Häuser renovieren, man ist im Bezirk zuversichtlich.

Spektakuläre Einsätze der GSG 9 FOTO: dpa, Henning Kaiser

An diesem Morgen machen später wirre Gerüchte in der Stadt die Runde. Man erzählt sich etwa von einem weiteren Polizei-Großeinsatz am Graf-Adolf-Platz - in Wahrheit ist nur die Feuerwehr ausgerückt, weil Laub in einem Lichtschacht brennt.

Quelle: RP
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