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Kolumne Auf Ein Wort
Aufruf zur ökologischen Umkehr

Kolumne Auf Ein Wort: Aufruf zur ökologischen Umkehr
Michael Hänsch sagt: Die Enzyklika ist unbedingt lesenswert. FOTO: B. Schaller
Düsseldorf. Viele kennen das wohl beliebteste moderne Kirchenlied: Laudato sí - sei gepriesen! Der Refrain ist dem Sonnengesang des heiligen Franz von Assisi entnommen. In allen Sprachen singen junge und alte Christen: "Sei gepriesen für all Deine Werke, sei gepriesen, für Sonne, Mond und Sterne, sei gepriesen, für Meer und Kontinente, sei gepriesen, denn Du bist wunderbar, Herr". Alle weiteren Strophen sind ein Lobgesang auf Gottes Schöpfung.

Es scheint kein Zufall zu sein, wenn die neue Umweltenzyklika von Papst Franziskus den Titel "Laudato sí" trägt. Es ist das erste Mal, das ausdrücklich ökologische Fragen im Mittelpunkt einer Enzyklika stehen. Der Papst will mit seiner zweiten Enzyklika auch einen Beitrag zur UN-Klimakonferenz leisten, die Ende November in Paris stattfindet. Bereits im Untertitel "Über die Sorge für das gemeinsame Haus" wird das ganz zentrale Anliegen deutlich: Die Menschheit, die sich die Erde wie ein gemeinsames Haus teilt, muss für deren Erhalt gemeinsam Sorge tragen. Damit greift der Papst das zweite große Thema seines Namenspatrons auf: den Erhalt der Schöpfung.

Im Text prangert der Papst mit dramatischen Worten die Zerstörung der Erde an, wobei er sich nicht auf den Klimawandel beschränkt, sondern die zunehmende Verschmutzung, die Wasserknappheit und den Verlust der Artenvielfalt als Problem der Menschheit benennt. Er will alle Menschen guten Willens angesichts der gravierenden Probleme betroffen machen und zur ökologischen Umkehr motivieren.

Bei all dem ist es ein großes Anliegen von Franziskus, ökologische und soziale Probleme und den Einsatz für die Umwelt und für die Armen auf keinen Fall zu trennen. Denn tatsächlich leiden die Armen, obwohl sie am wenigsten zum Klimawandel beitragen, am stärksten unter ihm. Meiner Meinung nach ist "Laudato sí" nicht nur eine Klima-, sondern eine Gerechtigkeitsenzyklika. Die Enzyklika ist ein relativ langer Text; in 246 Absätzen in sechs Kapiteln stellt der Papst seine Sichtweise vor. Aber die Lektüre ist unbedingt lohnenswert.

Kostenfrei heruntergeladen werden kann der Text auf der Internetseite www.dbk.de. Dort kann man diesen auch als Broschüre zum Preis von 70 Cent bestellen.

AUTOR MICHAEL HÄNSCH IST THEOLOGE UND GESCHÄFTSFÜHRER DER KATHOLISCHEN KIRCHE IN DÜSSELDORF.

Quelle: RP
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