| 17.02 Uhr

Aufzug defekt im Düsseldorfer Hauptbahnhof
E-Rolli-Fahrer fährt von Neuss nach Düsseldorf - über Wuppertal

Aufzug defekt im Hbf: Bahn schickt Rollstuhlfahrer über Wuppertal
Yannic Plaghki in seinem mehr als 100 Kilo schweren Elektro-Rollstuhl. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Von Neuss bis Düsseldorf mit der Bahn? Kein Problem. Im Idealfall dauert die Fahrt zehn bis fünfzehn Minuten. Das sollte auch für Rollstuhlfahrer gelten - tut es aber nicht immer, wie der Fall von Yannic Plaghki aus Düsseldorf zeigt.

Der 18-Jährige sitzt seit seiner Geburt im Rollstuhl. Weil er nur seinen rechten Arm benutzen kann, fährt er seit einem Jahr Elektro-Rollstuhl. Am Samstag war er in Neuss, wo seine Familie gerade ein Haus renoviert. Ein- und Aussteigen in Neuss und am Düsseldorfer Hauptbahnhof klappte dank Rampen am Zug reibungslos. Doch dann strandete Yannic am Gleis 6/7.

Wie er schnell feststellte, war der Aufzug kaputt. Doch ohne Aufzug kam er nicht vom Bahnsteig herunter. Über die Info-Säule kontaktierte er das Service-Personal der Bahn. Das präsentierte nach einigem Überlegen die einzige mögliche Lösung: Yannic solle, so der Vorschlag, einen Zug nach Wuppertal nehmen, in Wuppertal aus- und umsteigen, zurückfahren nach Düsseldorf und dort - an einem anderen Bahnsteig - einen hoffentlich funktionierenden Aufzug vorfinden.

"Man ist komplett hilflos in dieser Situation", sagt Yannic. "Ich möchte den Mitarbeitern der Bahn eigentlich keinen Vorwurf machen. Die können ja auch nichts für den kaputten Aufzug. Aber leider ließ auch ihre Höflichkeit etwas zu wünschen übrig." Er habe eher das Gefühl gehabt, ihnen lästig zu fallen.

Aufzug kaputt? Dann haben E-Rollstuhlfahrer wenig Optionen

Man bedauere den Vorfall, so ein Sprecher der Deutschen Bahn (DB) am Montag auf Anfrage unserer Redaktion. Nach interner Prüfung bestätigte die DB, dass der Aufzug am Gleis 6/7 außer Betrieb sei. Und sie bestätigte auch, dass E-Rollstuhlfahrer Bahngleise im Normalfall nicht verlassen können, an denen der Aufzug defekt ist.

Beim Ausfall von Aufzügen würden Rollstühle mit einer Treppenraupe befördert, so ein Sprecher der DB. "Bei Überschreitung von 200 Kilo ist das jedoch nicht mehr möglich." E-Rollstühle wiegen in der Regel etwa 150 Kilo, dazu kommt das Körpergewicht des Fahrers. Im Notfall, so der Sprecher weiter, würde die Feuerwehr hinzugerufen - also wenn der Bahnhof beispielsweise evakuiert werden muss.

Die Bahn empfehle Rollstuhlfahrern, Reisen vorher beim Mobilitätsservice anzukündigen, so der Sprecher weiter. Im Internet könne man sich informieren, an welchen Bahnsteigen Aufzüge defekt seien.

Für Yannic war das unterwegs jedenfalls keine Option: Der 18-Jährige hatte ein Handy dabei, aber kein internetfähiges. Zumindest seine Mutter und seine Schwester Laura konnte er anrufen. Die empfahlen ihm, nicht nach Wuppertal zu fahren und kamen zum Bahnhof, um mit ihm eine andere Möglichkeit zu suchen. Leider vergeblich.

Den über 150 Kilo schweren Rollstuhl plus Yannic die Treppen runterschleppen? Keine Chance. "Ich hätte erst mal durch den Bahnhof rennen müssen, um fünf starke Männer zusammenzutrommeln", sagt Laura. Ihn irgendwie auf einen anderen Bahnsteig transportieren? Laut Bahn unmöglich. Schließlich blieb Yannic nichts übrig, als tatsächlich nach Wuppertal zu fahren. "Für eine Fahrt von zehn Minuten habe ich im Endeffekt zwei Stunden gebraucht", sagt er. "War nicht schön."

(hpaw)
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