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Serie "So wohnt Düsseldorf"
Aus Büros werden Wohnungen

Serie "So wohnt Düsseldorf": Aus Büros werden Wohnungen
Das Thyssen Trade Center verwandelt sich in ein neues Wohnviertel mit 360 Wohnungen. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Das Living Circle an der Grafenberger Allee ist Deutschlands größtes Umnutzungsprojekt dieser Art. Von Ute Rasch

Früher galt der Grundsatz: Büros lassen sich nicht in Wohnungen umwandeln. Zu aufwändig und zu teuer der Umbau, zu niedrig die Geschosshöhen und zu gering die Rendite. Also besser gleich neu bauen? Für die meisten Objekte mag das auch heute noch gelten, und doch wird soeben in Düsseldorf eine Wende eingeleitet: An der Grafenberger Allee, in unmittelbarer Nähe der Arbeitsagentur und etlicher anderer Bürobauten, verwandelt sich das ehemalige Thyssen Trade Center in eine Siedlung mit 360 Wohnungen; laut Gregor Bonin, Düsseldorfer Planungs-Dezernent, das größte Projekt dieser Art in Deutschland.

Zurzeit stehen nur noch die Grundmauern des ehemaligen Handelszentrums. Der Rest wurde entkernt, verschwunden sind die Schreibtische, Fahrstühle und die Sanitäranlagen. Die waren zu schade für den Müll - und wurden in die Türkei verkauft. "Wir haben jetzt praktisch einen Rohbau vor uns", erläutert Peter Franken, Geschäftsführer der schwedischen Investorengruppe Catella Prosperty GmbH. Nun bekommen die halbrunden Gebäude ein neues Innenleben - und einen neuen Namen: "Living Circle."

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Nachdem Thyssen den Komplex verlassen hatte, standen die Büros lange leer. Jens Reich, Geschäftsführer der Immobilienfirma Anteon, hatte den Verkauf zwischen dem früheren Eigentümer, einem kanadischen Pensionsfonds, an Catella vermittelt - "dafür hatten wir eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben", erinnert sich Reich. Das Ergebnis war eindeutig: Das Handelszentrum gehört zu den Immobilien, bei denen eine Zukunft als Wohngebäude denkbar ist. Bei der Stadtverwaltung traf die Studie auf Interesse. Bonin: "Wir wurden uns schnell mit dem Investor einig, die interessante Architektur mit ihren halbrunden Fassaden zu erhalten."

Nach Einschätzung von Jens Reich ist die Umwandlung vor allem deshalb bedeutend, "weil sie zeigt, dass es grundsätzlich möglich und wirtschaftlich interessant sein kann." Allerdings bringe dieser Gebäudekomplex wichtige Voraussetzungen mit: Unter dem ehemaligen Handelszentrum ist eine große Tiefgarage vorhanden, die man sonst erst bauen müsste. Und die Deckenhöhe der Geschosse beträgt über drei Meter, für Bürobauten eher selten. Die Rendite bei gewerblich genutzten Immobilien ist nicht nur wegen der höheren Miete üppiger, "man kann auf einem Grundstück auch mehr Fläche bebauen. Wandelt man das um in Wohnraum, bleibt der Grundsatz bestehen", erläutert Reich.

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Aber das scheint der schwedische Investor gar nicht ausnutzen zu wollen. "Wir werden einige Gebäudeteile abreißen, gerade um mehr Freiflächen zu erzielen", so Peter Franken. Dadurch ließen sich 25 Prozent mehr Grünflächen gewinnen - für Innenhöfe, Gärten für die Erdgeschosswohnungen und Kinderspielplätze. Catella hat sich freiwillig verpflichtet, zehn Jahre die Durchschnittsmiete zehn Euro pro Quadratmeter nicht zu übersteigen, außerdem 20 Prozent zu einem Mietpreis von 8,50 Euro pro Quadratmeter anzubieten. Als Mieter stellt sich Franken vor allem Menschen mit mittleren Einkommen vor, "der Mittelstand ist eine vergessene Gruppe, sie hat nicht das Geld für Luxusimmobilien, profitiert aber auch nicht vom sozial geförderten Wohnungsbau."

Was die Bewohner sonst noch erwarten können: "Vor allem kompakte Wohnungen, die sich ein Single leisten kann, die aber auch für ein junges Paar ausreichend groß sind", sagt Franken. Für Familien werden einige Einfamilienhäuser integriert - mit eigenen Eingängen und Gärten. Zum modernen Wohnen gehören außerdem: eine Carsharing-Station, Stromtankstelle für Elektroautos und abschließbare Boxen für Fahrräder, damit das teure Zweirad nicht irgendwo draußen an die Kette gelegt werden muss.

Quelle: RP
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