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Düsseldorf
Ausstellung mit Klaus Dingers Schlagzeug

Düsseldorf: Ausstellung mit Klaus Dingers Schlagzeug
Einladungskarte zur Ausstellung "Klaus Dinger" FOTO: Miki Yui
Düsseldorf. Im Antiquariat Querido gibt es eine Ausstellung über den musikalischen Werdegang Klaus Dingers. Er prägte mit seinen Beats Alben von Kraftwerk und Neu!. Im Mittelpunkt der Schau steht sein legendäres Instrument. Von Philipp Holstein

Wer neu ist in Düsseldorf, müsste vom Einwohnermeldeamt eigentlich sofort in diese Ausstellung geschickt werden. Denn im Mittelpunkt steht der größte Exportschlager der Düsseldorfer Kultur in den vergangenen 40 Jahren - so berühmt wie Killepitsch und Löwensenf. Das Schlagzeug von Klaus Dinger thront im Antiquariat Querido auf einem kleinen Podest, es sieht stark beansprucht aus, ziemlich verdroschen, buchstäblich durchgerockt. Dinger erfand mit genau diesem Instrument den Motorik-Beat, den er indes "Apache" nannte, weil das wärmer klang und nicht so nach Maschine. Der 2008 gestorbene Dinger lieferte damit das rhythmische Gerüst des ersten Kraftwerk-Albums und der Platten von Neu!, und dieser Sound inspiriert bis heute Musiker auf der ganzen Welt - von David Bowie bis Radiohead.

Miki Yui, die frühere Lebensgefährtin Klaus Dingers, hat ein feine Ausstellung kuratiert. Sie zeigt Plattenhüllen und Instrumente, Flyer, Poster und Konzerttickets, und alles ist original und zum Teil nie zuvor präsentiert worden. Es geht am Eingang des Antiquariats los, die Schau ist chronologisch aufgebaut, und die frühen Stücke dokumentieren Dingers Werdegang als Musiker. The No hieß seine erste Band, von der weiß heute kaum noch jemand. Die nächste war dann bekannter: Kraftwerk. Dinger trommelte auf dem Album-Debüt der Gruppe aus dem Jahr 1970, das die Band heute indes nicht mehr zu ihrem Katalog zählt und das deshalb nur schwer zu bekommen ist.

Es gibt ein verblüffendes Plakat aus jener Zeit, das zeigt eine Frau, die sich auf einen jener Verkehrspömpel setzt, die damals Kraftwerks Erkennungszeichen waren. Wer das schlüpfrige Poster sieht, mag es nicht fassen, aber selbst Kraftwerk warben also mit nackter Haut - ausgerechnet die Roboter, die Erfinder der Mensch-Maschine! Nach dem Abschied von Kraftwerk gründete Dinger mit Michael Rother, der ebenfalls auf dem Kraftwerk-Debüt zu hören war, die Band Neu!. Das Signet der Band wurde in seiner Schlichtheit und Einprägsamkeit zum Vorbild für die Do-It-Yourself-Ästhetik des Indie-Rock.

Sehr schön sind die Filme, die Miki Yui präsentiert. Einer dokumentiert das einzige Interview, dass Dinger und Rother gemeinsam gaben. Ihr Streit nach Veröffentlichung des dritten Neu!-Albums ist ja legendär, und erst Herbert Grönemeyer, ein großer Neu!-Fan, befriedete sie und brachte im Jahr 2000 ihre Alben neu heraus. Aus dieser Zeit stammt auch das Gespräch, und es ist faszinierend, die so verschiedenen Typen zu erleben, ihnen zuzuhören, sie aufeinander reagieren zu sehen.

Wer Dinger nicht kannte, lernt ihn hier als zarten, ja: romantischen Menschen kennen. Er habe nicht wie eine Maschine klingen wollen, sagte er. Er sah in der Darstellung des Indianers eine Entsprechung: Einzelkämpfer, Ureinwohner, naturverbunden. "Apache" statt "Motorik" also.

Und als er mit seiner neuen Band La Düsseldorf 1983 die Maxi-Single "Ich liebe dich" veröffentlichte, überzog er gemeinsam mit seinem Bruder Thomas in den frühen Morgenstunden die Innenstadt mit jenen Herzchen aus der Sprühdose, die auch das Cover der Platte schmückten. Auch diese Aktion ist bei Querido zu besichtigen.

Eine kleine Schau, eine schöne Schau. Sie zeigt, wie es hier einst zuging und wie originell und humorvoll das Genie Klaus Dinger war.

Quelle: RP
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