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Düsseldorf
Austausch-Studenten spielen mit Flüchtlingskindern

Düsseldorf: Austausch-Studenten spielen mit Flüchtlingskindern
m 18. Dezember würden die ersten Büros in Düsseldorf leergeräumt. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Die Neugier der Kinder war groß. Noch bevor die Spielsachen ausgepackt waren, scharten sie sich um ihre Besucher. Rund 15 Austauschstudenten der Düsseldorfer Universitäten besuchten am Freitag die Flüchtlingsunterkunft in der Sporthalle der Heinrich-Heine-Universität, um dort mit den kleinen Bewohnern zu spielen. Von Daniel Schrader

Die Aktion war die abschließende Veranstaltung der "Social-Erasmus-Week", in der europaweit Austauschstudenten eine Woche lang Bedürftigen helfen.

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Nur wenige Kinder im Flüchtlingsheim sprechen Deutsch oder Englisch. Doch die Verständigung klappte auch ganz ohne Worte: Mit Händen und Füßen erklärten die Studenten die mitgebrachten Spiele. Fußball und Volleyball kennt ohnehin fast jeder. Die irische Austauschstudentin Saoirse Flood malte zusammen mit einigen Kindern Bilder aus Wasserfarben. "Ich will der Gemeinschaft etwas zurückgeben", erklärte sie ihre Motivation, bei der Aktion mitzumachen. In Irland studiert die 21-Jährige Deutsch, weshalb Deutschland für sie schnell als Ziel ihres Auslandsstudiums feststand. Seit rund zwei Monaten wohnt sie nun in Düsseldorf - und sie mag die Stadt: "Düsseldorf ist perfekt: weder zu groß noch zu klein."

Wenige Meter von ihr entfernt spielten einige Jugendliche Volley- und Fußball. Unter ihnen war Dominik Cech, ein Austauschstudent aus Prag. "Heute geht es nicht um uns, sondern um die Flüchtlinge", sagte er. "Erasmus bietet uns Studenten viele Möglichkeiten, deshalb will ich hier etwas davon zurückgeben." Der 21-jährige Tscheche wollte unbedingt seinen Auslandsaufenthalt in Deutschland verbringen, da es für ihn der beste Platz in Europa ist. "Deutschland ist ein sehr freies Land. Hier kann ich sein, was ich will." Aber auch Düsseldorf gefällt ihm gut, da es hier eine vielfältige Kultur zu entdecken gebe.

Blick in die Bergische Kaserne in Düsseldorf FOTO: Bretz, Andreas (abr)

Den Flüchtlingen bereitete das Spektakel sichtlich Freude. Überall drängten sich die Kleinen um die Tische, um mit den Studenten zu malen, mit Legosteinen zu bauen oder einfach nur herumzualbern. Auch einige der Eltern nahmen an der Aktion teil und spielten mit ihren Kindern und den Studenten Karten oder Badminton. Die deutsche Studentin Julia Breda, eine Organisatorin der "Social-Erasmus-Week", war von dem großen Interesse der Flüchtlinge positiv überrascht. "Wir hatten am Anfang etwas Sorge, dass die Kinder zu schüchtern sind. Aber sie sind sofort auf uns zugekommen", berichtete die 21-jährige Psychologiestudentin.

Die "Social-Erasmus-Week" findet zweimal jährlich unter dem Motto "Leave your mark" (Hinterlasse dein Zeichen) zeitgleich in ganz Europa statt. Die einzelnen Aktionen werden vor Ort von den Studenten organisiert. Das Resümee der Aktion in Düsseldorf fällt insgesamt positiv aus: Mit einem Kuchenverkauf am Montag hatten die Studenten rund 700 Euro für Sprachkurse für Flüchtlinge gesammelt. Am Dienstag backten sie dann Plätzchen mit Kindern in der Düsseldorfer Arche, am Mittwoch unterstützten sie den Gute-Nacht-Bus und am Donnerstag halfen sie bei der Essensausgabe im Kloster in der Innenstadt. Entgegen der allgemeinen Annahme, dass Austauschstudenten vor allem Partys feiern, meldeten sich viele von freiwillig, um an einem der Tage zu helfen. Auch für die Teilnehmer hat sich die Aktion damit gelohnt. Wenn sie in einem halben Jahr wieder zurück in ihre Heimat fahren, dann tun sie das in dem Wissen, in Düsseldorf ihr Zeichen hinterlassen zu haben.

Quelle: RP
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