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Düsseldorf
Bachelor: Schade um die schönen Rosen
Jan ist der neue "Bachelor"
Jan ist der neue "Bachelor" FOTO: RTL / Stefan Gregorowius
Düsseldorf. Nur mal kurz angenommen, die Frauen, die am Mittwoch vor dem Fernseher saßen und über den neuen Bachelor von RTL, Jan Kralitschka, lästerten, träfen diesen an irgendeinem Abend in seinem Café in der Düsseldorfer Lorettostraße. Von Torsten Thissen

Mal kurz angenommen, das Juristenmodel würde sein– zugegeben– sehr selbstgefälliges Lächeln anknipsen, und eben diese Frauen hätten Kralitschka nicht eben erst im Fernsehen gesehen; mal angenommen, er würde einen Drink ausgeben, von seinen Kindern erzählen und dem alten Haus in Bad Honnef, das er selbst renoviert. Die meisten Frauen würden den 36-Jährigen wohl nicht auslachen.

Die Wahrheit ist: Jan Kralitschka – oder das, was RTL aus ihm macht, ist tatsächlich für viele Frauen der Typ Traummann, und erst seine Rolle in der Show macht ihn zu jemandem, der gar nicht geht.

Denn die Wahrheit ist auch: Wer in so einer chauvinistischen, antiquierten Sendung wie dem "Bachelor" mit nacktem Oberkörper Holz hackt, weil er entweder eine Karriere im Fernsehen erhofft oder es tatsächlich zur Abwechslung einmal RTL überlässt, ihm eine Gespielin zu suchen, ist entweder dumm, moralisch verdorben oder beides. Man kann nur mutmaßen, was Kralitschka, der ja immerhin einen 15-jährigen Sohn und eine drei Jahre alte Tochter hat, dazu bringt, bei diesem Mist mitzumachen, vielleicht ein Spaß, okay, aber irgendwann hört der Spaß ja dann auch auf.

In jedem Fall ist der "Bachelor" ein erbärmlich anzügliches, unmodernes Märchen mit schnellen Autos, einer weißen Villa und Frauen, die natürlich perfekt gecastet sind. Da ist der Typ naives Blondchen, die ach so niveauvolle traurige Russin, das kumpelige ehemalige "Erotik-Modell" aus dem Osten, die statusbewusste BWL-Studentin und die stille ehemalige Tumorpatientin. Da wird viel gekichert, mit Augen geklimpert und mit Hintern gewackelt. Da wird rumgezickt und geätzt, und der Trailer zu Beginn der Sendung verheißt viel nackte Haut vor Kulissen aus dem Reiseprospekt.

Die erste Rose bekam die Blondine Mignon, hautsächlich deswegen: Er: "Grüß dich, ich bin Jan." Sie: "Mignon." Er: "Wie?" Sie: "Mignon." Er: "Was ist denn das für ein Name?" Sie: "Das ist französisch." Er: "Hätte ich jetzt eher auf asiatisch getippt." Sie: "Nee, du kennst doch bestimmt Filet Mignon." Er: "Ist das eine Chansonsängerin?" Das hat den Bachelor dann doch ein bisschen umgehauen. Ach! Was der eine romantisch findet, kommt dem anderen ja eher seltsam vor. So ist das in der Liebe.

Nun muss man diese Sendung nicht ernst nehmen, auch wenn bei der ersten Folge mehr als vier Millionen Menschen zugesehen haben. Dennoch: Das Ganze als harmlose Unterhaltung abzutun und sich lustig drüber zu machen, ist auch zu kurz gedacht. Denn wenn der Unterhaltungssender Nummer 1 in Deutschland mit einem zutiefst reaktionären, sexistischen Konzept Erfolg hat, ist das schon ein Nachdenken wert. Übrigens: Die beiden Teilnehmerinnen aus Düsseldorf hat der Bachelor schon in Folge eins aus der Show geschmissen.

Quelle: RP/jco/ila
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